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Auswahl: [Sozialismus]
Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>11. Jul 2011 21:43

Der Klassenkampf


Der Klassenkampf

11.07.11

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Nach Karl Marx: Die Mittelstände sind konservativ und reaktionär und versuchen das Rad zurückzudrehen. Sind sie revolutionär, so verlassen sie ihren eigenen Standpunkt, um sich auf den des Proletariats zu stellen.

Text (und zitiert) von Lenin - bereits im Jahr 1914:

» Dass die Bestrebungen der einen Mitglieder einer gegebenen Gesellschaft den Bestrebungen der anderen zuwiderlaufen, dass das gesellschaftliche Leben voller Widersprüche ist, dass uns die Geschichte den Kampf zwischen Völkern und Gesellschaften wie auch den Kampf innerhalb derselben zeigt und außerdem noch den Wechsel der Perioden von Revolutionen und Reaktionen, Frieden und Kriegen, Stagnation und schnellem Fortschritt oder Verfall - das sind allgemein bekannte Tatsachen.

Der Marxismus gab uns den Leitfaden, der in diesem scheinbaren Labyrinth und Chaos eine Gesetzmäßigkeit zu entdecken erlaubt: die Theorie des Klassenkampfes. Nur die Untersuchung der Gesamtheit der Bestrebungen aller Mitglieder einer gegebenen Gesellschaft oder einer Gruppe von Gesellschaften ermöglicht es, das Resultat dieser Bestrebungen wissenschaftlich zu bestimmen. Der Ursprung der gegensätzlichen Bestrebungen liegt aber in der Verschiedenheit der Lage und der Lebensbedingungen der Klassen, in die jede Gesellschaft zerfällt.

"Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft", schreibt Marx im "Kommunistischen Manifest" (mit Ausnahme der Geschichte der ursprünglichen Gemeinwesen, fügt Engels nachträglich hinzu), "ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigner, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen ... Die aus dem Untergange der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt. Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat."

Seit der Großen Französischen Revolution hat die Geschichte Europas mit besonderer Anschaulichkeit in einer Reihe von Ländern diesen wirklichen Hintergrund der Ereignisse, den Kampf der Klassen, enthüllt. Und schon die Restaurationsepoche in Frankreich brachte eine Reihe von Historikern (Thierry, Guizot, Mignet, Thiers) hervor, die bei der Verallgemeinerung der Geschehnisse nicht umhinkonnten, den Kampf der Klassen als den Schlüssel zum Verständnis der ganzen französischen Geschichte anzuerkennen. Die jüngste Epoche aber, die Epoche des vollen Sieges der Bourgeoisie, der Vertretungskörperschaften, des weitgehenden (wenn nicht allgemeinen) Wahlrechts, der billigen, in die Massen dringenden Tagespresse usw., die Epoche der mächtigen, sich immer mehr ausbreitenden Arbeiterverbände und Unternehmerverbände usw., zeigte noch anschaulicher (wenn auch mitunter in sehr einseitiger, "friedlicher", "konstitutioneller" Form) den Kampf der Klassen als die Triebfeder der Ereignisse.

Die folgende Stelle aus dem Marxschen "Kommunistischen Manifest" wird uns zeigen, welche Forderungen nach einer objektiven Analyse der Stellung jeder Klasse in der modernen Gesellschaft, im Zusammenhang mit der Analyse der Entwicklungsbedingungen jeder Klasse, Marx an die Gesellschaftswissenschaft stellte: "Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse. Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt. Die Mittelstände, der kleine Industrielle, der kleine Kaufmann, der Handwerker, der Bauer, sie alle bekämpfen die Bourgeoisie, um ihre Existenz als Mittelstände vor dem Untergang zu sichern. Sie sind also nicht revolutionär, sondern konservativ. Noch mehr, sie sind reaktionär, denn sie suchen das Rad zurückzudrehen. Sind sie revolutionär, so sind sie es im Hinblick auf den ihnen bevorstehenden Übergang ins Proletariat, so verteidigen sie nicht ihre gegenwärtigen, sondern ihre zukünftigen Interessen, so verlassen sie ihren eigenen Standpunkt, um sich auf den des Proletariats zu stellen."

In einer Reihe von historischen Schriften (siehe Literaturverzeichnis) gab uns Marx glänzende und tiefschürfende Musterbeispiele der materialistischen Geschichtsschreibung, der Analyse der Stellung jeder einzelnen Klasse, manchmal auch verschiedener Gruppen oder Schichten innerhalb der Klasse, und wies augenfällig nach, wie und warum "jeder Klassenkampf ein politischer Kampf"[1] ist. Der von uns angeführte Auszug zeigt, welch kompliziertes Netz von gesellschaftlichen Verhältnissen und Übergangsstufen von einer Klasse zur anderen, von der Vergangenheit zur Zukunft Marx analysiert, um die Resultante der ganzen historischen Entwicklung zu ermitteln.

Die tiefgründigste, umfassendste und detaillierteste Bestätigung und Anwendung der Theorie von Marx ist seine ökonomische Lehre. (Lenin)*
* Von Lenin geschrieben im Jahr 1914. Werke, Bd. 21, S. 46-48.
[1] Siehe MEW, Bd. 4, S. 462/463, 471 und 472.
Vgl.: W. I. Lenin, in: "Karl Marx" (Kurzer biographischer Abriss mit einer Darlegung des Marxismus), [Auszug] »Der Klassenkampf«. Lenin Werke, Bd. 21, S. 46-48.

Anm.: Lenin begann den Aufsatz "Karl Marx" für das Lexikon der Gebrüder Granat im Frühjahr 1914 in Poronin (Galizien) und beendete ihn im November 1914 in Bern (Schweiz). In dem 1918 geschriebenen Vorwort zu dieser Arbeit gibt Lenin für die Niederschrift des Aufsatzes aus dem Gedächtnis das Jahr 1913 an. (Siehe: Anmerkungen, Lenin Werke, Bd. 21, S. 469.)


Quelle: scharf-links, 11.7.11
http://www.scharf-links.de/49.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=17390&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=38aa5ba60c

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