„Nur wer arbeitet, soll auch essen." - Franz Müntefering im Mai 2006
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Paul M. Erzkamp in utopia
„Nur wer arbeitet, soll auch essen." - Franz Müntefering im Mai 2006.
Auch wenn Müntefering sich als „Sozialdemokrat" versteht, so verdeutlicht
dieser Satz genau zwei Dinge wunderbar:
Erstens: Die SPD ist Stütze elementarer kapitalistischer Grundsätze und
zweitens:
Er beschreibt genau einen der wichtigsten Zwangszustände im Kapitalismus.
Karl Marx beschrieb diesen Zustand im Kapitalismus als
Klassengesellschaft. Zwei Klassen spielen dabei die entscheidende
Rolle: Auf der einen Seite die KapitalistInnen, die so viel Reichtum an
Fabriken, Patenten etc. besitzen, dass sie sowohl davon leben können.
Auf der anderen Seite das Proletariat, die Gruppe der Menschen, die
kein Kapital haben, sondern jeden Tag darauf angewiesen sind, ihre
Arbeitskraft zu verkaufen, um zu überleben.
Der Arbeitszwang ist kein direkter, es steht niemand mit der Pistole
hinter den ArbeiterInnen, sondern sie würden, gingen sie nicht
arbeiten, in den meisten Ländern schlicht verhungern. In Deutschland
gibt bzw. gab es einige erkämpfte Maßnahmen wie das Arbeitslosengeld,
die das Verhungern „verhinderten", die nun aber auch systematisch
abgeschafft werden.
Was nun aber bezahlte Arbeit (so genannte Lohnarbeit) ist, bestimmt
einerseits der Markt: Wofür es Käufer gibt, wird bezahlt. Es spielen
aber auch andere Unterdrückungsmechanismen eine Rolle. Zum Beispiel ist
es sehr wichtig, was überhaupt in unserer Gesellschaft als Arbeit
angesehen und auch als solche bezahlt wird. Hausarbeit oder die
Erziehung von Kindern wird häufig nicht als Arbeit angesehen, die
bezahlt wird, ebenso wenig wie soziales, ehrenamtliches Engagement, ob
in der Politik oder im Jugendbereich.
In unserer Gesellschaft können Unmengen an Produkten mit immer
weniger menschlichem Zutun hergestellt werden. Das Problem daran ist
einzig, dass dieser Gewinn an Zeit durch Arbeitszeitverkürzungen nicht
an die Menschen weitergegeben wird, sondern dass die KapitalistInnen
diesen für sich behalten und stattdessen lieber noch mehr Menschen aus
dem Lohnarbeitsprozess ausschließen. Diese „Reservearmee der
Arbeitslosen" ist dabei zusätzliches Druckmittel gegen die
ArbeiterInnen. Auf ihnen lastet der Druck, ständig ersetzt werden zu
können, wenn sie Lohnkürzungen oder schlechtere Arbeitsbedingungen
nicht akzeptieren.
Entscheidend ist also nicht mehr die Frage, wie diese Gesellschaft
Produkte herstellt, sondern eher, wie der Reichtum verteilt wird. Die
Frage der Arbeit ist also weitgehend entkoppelt von der Frage nach
einem guten Leben.
Und hier setzt das bedingungslose Grundeinkommen an, ein Anrecht
jedes Menschen auf einen gewissen Betrag an Einkommen unabhängig von
Lohnarbeit. Tausende Konzepte schwirren im Raum herum, aber linke
Ansätze haben drei Voraussetzungen: 1. Das Grundeinkommen wird an das
Individuum gezahlt und nicht an einen Haushalt. 2. Ob du MillionärIn
oder LebenskünstlerIn bist, du bekommst es, egal, was du sonst
verdienst. 3. Es wird bedingungslos gezahlt, ohne dass du eine Arbeit
erbringen musst.
Bezahlt würde das Grundeinkommen z.B. durch hohe Erbschaftssteuern,
hohe Steuern auf Aktiengewinne oder Vermögen. Somit würden die Reichen
das erhaltene Geld automatisch durch die Steuern wieder abtreten.
Eins muss dabei klar sein: Es ist weder ein Zustand des Kommunismus
noch des Anarchismus, wenn jedeR z.B. 1000€ im Monat bekommen würde.
Die Macht im Kapitalismus wird hierdurch nicht gebrochen und der Zwang,
der auf (Lohn-)Arbeitslose und ArbeiterInnen ausgeübt wird, wird nicht
komplett beseitigt. Aber dieser soziale Kampf kann mehr Menschen
ermöglichenm ihren Bedürfnissen nachzugehen und durch Bildung oder
politisches Engagement unsere Gesellschaft voranzubringen.
Weitere Informationen: www.grundeinkommen.info
Q:
http://www.linksnet.de/de/artikel/23957
Re: „Nur wer arbeitet, soll auch esse
Annan Ahmad <ahmadEs ist eigenartig, dass Menschen noch immer von dem was Marx sagte gebrauch
zu machen versuchen, und seine Sein-Sollen Schluesse wie heilige Versen zu
behandeln scheinen. Ist das "nur...auch essen" ein Natur Gesetz? oder
handele sich dabei um einen Vorschlag, der unabhaengig von Zeit und Raum
bejaht werden sollte? Die deutsche sozialisten verlieren manchmal den Weg
zwischen der Sozialdemokratie und dem demokratischen Sozialismus! sie
landen in Engels Reich,wenn immer sie die akkumulation ignorieren, und
Klassenkaempfe (spekulative)marxistisch analysieren
Alois Unverdorben schrieb am 17.12.08:
> ## Inhalt unter der Creative Commons Lizenz lizensiert ##
>
> Paul M. Erzkamp in utopia
>
> „Nur wer arbeitet, soll auch essen." - Franz Müntefering im Mai 2006.
>
> Auch wenn Müntefering sich als „Sozialdemokrat" versteht, so
verdeutlicht
> dieser Satz genau zwei Dinge wunderbar:
> Erstens: Die SPD ist Stütze elementarer kapitalistischer Grundsätze und
> zweitens:
> Er beschreibt genau einen der wichtigsten Zwangszustände im
Kapitalismus.
>
> Karl Marx beschrieb diesen Zustand im Kapitalismus als
> Klassengesellschaft. Zwei Klassen spielen dabei die entscheidende
> Rolle: Auf der einen Seite die KapitalistInnen, die so viel Reichtum an
> Fabriken, Patenten etc. besitzen, dass sie sowohl davon leben können.
> Auf der anderen Seite das Proletariat, die Gruppe der Menschen, die
> kein Kapital haben, sondern jeden Tag darauf angewiesen sind, ihre
> Arbeitskraft zu verkaufen, um zu überleben.
>
> Der Arbeitszwang ist kein direkter, es steht niemand mit der Pistole
> hinter den ArbeiterInnen, sondern sie würden, gingen sie nicht
> arbeiten, in den meisten Ländern schlicht verhungern. In Deutschland
> gibt bzw. gab es einige erkämpfte Maßnahmen wie das Arbeitslosengeld,
> die das Verhungern „verhinderten", die nun aber auch systematisch
> abgeschafft werden.
>
> Was nun aber bezahlte Arbeit (so genannte Lohnarbeit) ist, bestimmt
> einerseits der Markt: Wofür es Käufer gibt, wird bezahlt. Es spielen
> aber auch andere Unterdrückungsmechanismen eine Rolle. Zum Beispiel ist
> es sehr wichtig, was überhaupt in unserer Gesellschaft als Arbeit
> angesehen und auch als solche bezahlt wird. Hausarbeit oder die
> Erziehung von Kindern wird häufig nicht als Arbeit angesehen, die
> bezahlt wird, ebenso wenig wie soziales, ehrenamtliches Engagement, ob
> in der Politik oder im Jugendbereich.
>
> In unserer Gesellschaft können Unmengen an Produkten mit immer
> weniger menschlichem Zutun hergestellt werden. Das Problem daran ist
> einzig, dass dieser Gewinn an Zeit durch Arbeitszeitverkürzungen nicht
> an die Menschen weitergegeben wird, sondern dass die KapitalistInnen
> diesen für sich behalten und stattdessen lieber noch mehr Menschen aus
> dem Lohnarbeitsprozess ausschließen. Diese „Reservearmee der
> Arbeitslosen" ist dabei zusätzliches Druckmittel gegen die
> ArbeiterInnen. Auf ihnen lastet der Druck, ständig ersetzt werden zu
> können, wenn sie Lohnkürzungen oder schlechtere Arbeitsbedingungen
> nicht akzeptieren.
>
> Entscheidend ist also nicht mehr die Frage, wie diese Gesellschaft
> Produkte herstellt, sondern eher, wie der Reichtum verteilt wird. Die
> Frage der Arbeit ist also weitgehend entkoppelt von der Frage nach
> einem guten Leben.
>
> Und hier setzt das bedingungslose Grundeinkommen an, ein Anrecht
> jedes Menschen auf einen gewissen Betrag an Einkommen unabhängig von
> Lohnarbeit. Tausende Konzepte schwirren im Raum herum, aber linke
> Ansätze haben drei Voraussetzungen: 1. Das Grundeinkommen wird an das
> Individuum gezahlt und nicht an einen Haushalt. 2. Ob du MillionärIn
> oder LebenskünstlerIn bist, du bekommst es, egal, was du sonst
> verdienst. 3. Es wird bedingungslos gezahlt, ohne dass du eine Arbeit
> erbringen musst.
>
> Bezahlt würde das Grundeinkommen z.B. durch hohe Erbschaftssteuern,
> hohe Steuern auf Aktiengewinne oder Vermögen. Somit würden die Reichen
> das erhaltene Geld automatisch durch die Steuern wieder abtreten.
>
> Eins muss dabei klar sein: Es ist weder ein Zustand des Kommunismus
> noch des Anarchismus, wenn jedeR z.B. 1000€ im Monat bekommen würde.
> Die Macht im Kapitalismus wird hierdurch nicht gebrochen und der Zwang,
> der auf (Lohn-)Arbeitslose und ArbeiterInnen ausgeübt wird, wird nicht
> komplett beseitigt. Aber dieser soziale Kampf kann mehr Menschen
> ermöglichenm ihren Bedürfnissen nachzugehen und durch Bildung oder
> politisches Engagement unsere Gesellschaft voranzubringen.
>
>
> Weitere Informationen: www.grundeinkommen.info
>
> Q: http://www.linksnet.de/de/artikel/23957
Re: Re: „Nur wer arbeitet, soll auch esse
Ahmad Hussein Annan <Ann_2006Kommentar:
Es ist eigenartig, dass Menschen noch immer von dem was Marx sagte
gebrauch zu machen versuchen, und seine Sein-Sollen Schluesse wie heilige
Versen zu behandeln scheinen. Ist das "nur...auch essen" ein Natur Gesetz?
oder handele sich dabei um einen Vorschlag, der unabhaengig von Zeit und
Raum bejaht werden sollte? Die deutsche sozialisten verlieren manchmal den
Weg zwischen der Sozialdemokratie und dem demokratischen Sozialismus! sie
landen in Engels Reich,wenn immer sie die akkumulation ignorieren, und
Klassenkaempfe (spekulative)marxistisch analysieren
A.H.Annan
-----------------------------
Alois Unverdorben schrieb am 17.12.08:
> ## Inhalt unter der Creative Commons Lizenz lizensiert ## >
> Paul M. Erzkamp in utopia
>
> „Nur wer arbeitet, soll auch essen." - Franz Müntefering im Mai 2006. >
> Auch wenn Müntefering sich als „Sozialdemokrat" versteht, so
verdeutlicht
> dieser Satz genau zwei Dinge wunderbar:
> Erstens: Die SPD ist Stütze elementarer kapitalistischer Grundsätze und
> zweitens:
> Er beschreibt genau einen der wichtigsten Zwangszustände im
Kapitalismus.
>
> Karl Marx beschrieb diesen Zustand im Kapitalismus als
> Klassengesellschaft. Zwei Klassen spielen dabei die entscheidende >
Rolle: Auf der einen Seite die KapitalistInnen, die so viel Reichtum an >
Fabriken, Patenten etc. besitzen, dass sie sowohl davon leben können. > Auf
der anderen Seite das Proletariat, die Gruppe der Menschen, die > kein
Kapital haben, sondern jeden Tag darauf angewiesen sind, ihre >
Arbeitskraft zu verkaufen, um zu überleben.
>
> Der Arbeitszwang ist kein direkter, es steht niemand mit der Pistole >
hinter den ArbeiterInnen, sondern sie würden, gingen sie nicht > arbeiten,
in den meisten Ländern schlicht verhungern. In Deutschland > gibt bzw. gab
es einige erkämpfte Maßnahmen wie das Arbeitslosengeld, > die das
Verhungern „verhinderten", die nun aber auch systematisch > abgeschafft
werden.
>
> Was nun aber bezahlte Arbeit (so genannte Lohnarbeit) ist, bestimmt >
einerseits der Markt: Wofür es Käufer gibt, wird bezahlt. Es spielen > aber
auch andere Unterdrückungsmechanismen eine Rolle. Zum Beispiel ist > es
sehr wichtig, was überhaupt in unserer Gesellschaft als Arbeit > angesehen
und auch als solche bezahlt wird. Hausarbeit oder die > Erziehung von
Kindern wird häufig nicht als Arbeit angesehen, die > bezahlt wird, ebenso
wenig wie soziales, ehrenamtliches Engagement, ob > in der Politik oder im
Jugendbereich.
>
> In unserer Gesellschaft können Unmengen an Produkten mit immer > weniger
menschlichem Zutun hergestellt werden. Das Problem daran ist > einzig, dass
dieser Gewinn an Zeit durch Arbeitszeitverkürzungen nicht > an die Menschen
weitergegeben wird, sondern dass die KapitalistInnen > diesen für sich
behalten und stattdessen lieber noch mehr Menschen aus > dem
Lohnarbeitsprozess ausschließen. Diese „Reservearmee der > Arbeitslosen"
ist dabei zusätzliches Druckmittel gegen die > ArbeiterInnen. Auf ihnen
lastet der Druck, ständig ersetzt werden zu > können, wenn sie
Lohnkürzungen oder schlechtere Arbeitsbedingungen > nicht akzeptieren.
>
> Entscheidend ist also nicht mehr die Frage, wie diese Gesellschaft >
Produkte herstellt, sondern eher, wie der Reichtum verteilt wird. Die >
Frage der Arbeit ist also weitgehend entkoppelt von der Frage nach > einem
guten Leben.
>
> Und hier setzt das bedingungslose Grundeinkommen an, ein Anrecht > jedes
Menschen auf einen gewissen Betrag an Einkommen unabhängig von >
Lohnarbeit. Tausende Konzepte schwirren im Raum herum, aber linke > Ansätze
haben drei Voraussetzungen: 1. Das Grundeinkommen wird an das > Individuum
gezahlt und nicht an einen Haushalt. 2. Ob du MillionärIn > oder
LebenskünstlerIn bist, du bekommst es, egal, was du sonst > verdienst. 3.
Es wird bedingungslos gezahlt, ohne dass du eine Arbeit > erbringen musst.
>
> Bezahlt würde das Grundeinkommen z.B. durch hohe Erbschaftssteuern, >
hohe Steuern auf Aktiengewinne oder Vermögen. Somit würden die Reichen >
das erhaltene Geld automatisch durch die Steuern wieder abtreten. >
> Eins muss dabei klar sein: Es ist weder ein Zustand des Kommunismus >
noch des Anarchismus, wenn jedeR z.B. 1000€ im Monat bekommen würde. > Die
Macht im Kapitalismus wird hierdurch nicht gebrochen und der Zwang, > der
auf (Lohn-)Arbeitslose und ArbeiterInnen ausgeübt wird, wird nicht >
komplett beseitigt. Aber dieser soziale Kampf kann mehr Menschen >
ermöglichenm ihren Bedürfnissen nachzugehen und durch Bildung oder >
politisches Engagement unsere Gesellschaft voranzubringen. >
>
> Weitere Informationen: www.grundeinkommen.info
>
> Q: http://www.linksnet.de/de/artikel/23957