[LPA] (de) :gelesen: Syfo Forschung und Bewegung. Mitteilungen des Instituts für Syndikalismusforschung, Nr. 1
Syfo ? Forschung und Bewegung. Mitteilungen des Instituts f?r
Syndikalismusforschung, Nr. 1
Verlag AV Lich 2011
ISBN: 978-3-86841-57-4
120 S.
Preis: 10 Euro
Die Forschung zu revolution?ren bzw. Anarcho-Syndikalismus ist bislang in
Deutschland nur sehr marginal ausgepr?gt. Aus der Szene stammende Journale
wie "Der schwarze Faden" (+) und die "Direkte Aktion" oder die beiden,
leider nur sehr unregelm??ig erscheinenden Fachzeitschriften "IWK" und
"Bochumer Archiv f?r Arbeit und Widerstand" boten und bieten der
deutschsprachigen Syndikalismusforschung zwar seit Jahren eine
Ver?ffentlichungsplattform, aber der Kreis von Forschern ist sehr
?berschaubar. Nun hat das seit 2007 bestehende "Institut f?r
Syndikalismusforschung", wie sich der aus einem Kreis von drei Historikern
zusammensetzende Zirkel etwas gro?spurig nennt, ein erstes Jahrbuch
publiziert. Das erkl?rte Ziel dieser Publikation ist nach eigenen Angaben
"historische Forschung mit der Gegenwart und der Zukunft des Syndikalismus
zu verkn?pfen und zur Entwicklung einer lebendigen und handlungsf?higen
syndikalistischen Bewegung beizutragen" (S. 2) - ein hohes Ziel, was
nat?rlich auch viele Bedenken weckt. Auch in anderen sozialen Bewegungen
wurde immer wieder der Versuch gestartet, diese beiden Bereiche zu koppeln
? meist erfolglos.
In der ersten Ausgabe sind als Beitr?ge u.a. Interviews mit Klaus
Stowasser (Bruder des verstorbenen AnArchiv-Gr?nders und anarchistischen
Autors Horst Stowasser), mit Kurt Wafner, mit dem spanischen Anarchisten
Abel Paz (Nachdruck aus der Monatszeitschrift "Feierabend"), die
Schlammschlacht eines der Herausgebers mit dem Verleger Heiner Becker aus
Anla? einer Urheberrechtsverletzung, einer oberfl?chlichen B?cherschau zu
englischsprachigen Titeln ?ber Syndikalismus etc..
Ein erstes Manko dieses Konzepts zeigt sich in der schwankenden Qualit?t
der Beitr?ge ? neben einigen sehr empfehlenswerten Beitr?gen (z.B. einer
?bersetzung von Kropotkins Brief an eine kommunistische Siedlung in
Nordengland) finden sich einzelne Beitr?ge, die nicht das Niveau eines von
pubert?ren Teens herausgehen ("Cinema anarchiste") oder einfach nur
Altbekanntes wiederk?uen (Max Hoelz). Generell w?rde man sich bei den
Artikeln und Interviews eine st?rkere Einbindung von Fakten und
Hintergr?nden w?nschen. Eine Verifizierung der Aussagen der
Interviewpartner, die unumg?nglich w?re, bleibt zum Beispiel aus.
Das Zielpublikum der Publikation ist die an revolution?ren Syndikalismus
interessierte ?ffentlichkeit, wobei sich diese trotz positiver
Entwicklungen nicht ?ber den Kreis von Mitgliedern der Freien
ArbeiterInnen Union (FAU), der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) und
deren Umfeld hinausbewegt. Das wissenschaftliche Niveau des Gro?teils der
Beitr?ge w?rde nicht mal bei Studenten im 1. Semester durchgehen gelassen
werden ? und d?rfte, wenn sich dies nicht in der n?chsten Ausgabe
grundlegend ?ndert, von der wissenschaftlichen Szene bestenfalls ignoriert
werden. Was sehr schade w?re.
So lobenswert die dahinter steckende Idee des Projekts ist, um so
?rgerlicher ist das erste Produkt ? gerade von Leuten, die Geschichte
studiert haben und hauptberuflich als Historiker arbeiten - doch sehr
schwach. Ein anderes Niveau k?nnte man hier sicherlich verlangen. Bleibt
zu hoffen, dass sie die positiven Ans?tzen des Projekts ausbauen k?nnen...
Homepage des Instituts:
http://www.syndikalismusforschung.info.
Maurice Schuhmann f?r LPA
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