Kulturelle Ausgrenzung wegen nicht mehr zeitgemaessen Eintrittspreisen...
Kulturelle Ausgrenzung wegen nicht mehr zeitgemäßen Eintrittspreisen.
10.04.11
von Dirk Scholl
oder der vergebliche Appell ans soziale Gewissen
Leider musste ich es als Mandatsträger im Stadtrat von Saarlouis immer und immer wieder erleben, wie man den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt tiefer und tiefer in ihre eh schon vom kapitalistischen Steuersystem geplünderten und von den kapitalistischen Konzernen geprellten Taschen greift.
Eine Gebührenerhöhung folgt der nächsten "Preisanpassung" und kaum ein Bereich wird dabei ausgespart: Müll- und Abwassergebühren, Gebühren für Kindergärten und Kindertagesstätten und in der letzten Stadtratssitzung vom 07. 04. 2011 nun auch die Abo- und Freiverkaufspreise zur Theatersaison 2011/2012.
Zu diesem Tagesordnungspunkt hielt ich eine kurze Rede, die einen Appell enthielt, doch zumindest den ohnehin bereits ausgegrenzten Bevölkerungsteil, der konträr zur eigenen Börse stetig wächst, von dieser Preiserhöhung zu verschonen.
Nun, mein Appell lief erwartungsgemäß fast vollends ins Nirwana. Mit Ausnahme meiner eigenen Gegenstimme gegen die "Anpassung der nicht mehr zeitgemäßen Eintrittspreise" gab es noch zwei weitere der mehr als dubiosen und ominösen FWG-Fraktion sowie eine Enthaltung des Fraktionsvorsitzenden der Grünen, dem ich für diese Courage - ohne Ironie - auf diesem Wege dafür danke.
Das bedeutet nach Adam Riese 41 Stimmen für die Verschärfung der kulturellen Ausgrenzung von dem Heer der Hartz-IV- und ALG-II-Bezieher, der Ausgrenzung von der Masse der Arbeitnehmern in prekären Arbeitsverhältnissen, die Ausgrenzung der lebenswerkbetrogenen Mindestrentner u.s.w.
Dass das soziale Gewissen nicht an den bürgerlichen Parteien nagt, war mir ja irgendwie ohnehin schon von Vorneherein klar. Dass sich aber wieder einmal die so genannte Fraktion "DIE LINKE." unter Beweis stellen musste, wie man einen maximalen Grad an Wählerverprellung betreiben kann, hätte ich nun wirklich nicht erwartet!
Das Abstimmungsverhalten reihte sich übrigens ein zu den bereits erwähnten Themen "Müll- und Abwassergebühren" sowie "Gebühren für Kindergärten und Kindertagesstätten", dem die Verdreher linker Wählerinteressen, ohne mit der Wimper zu zucken, ebenfalls zustimmten.
Nicht zum ersten Mal also haben die Vorzeigesozialisten mir einen Beleg dafür geliefert, dass ich leider alleine die linke Wählerschaft in Saarlouis repräsentiere. Und ich hoffe immer noch, dass man dies auch einmal anderswo entsprechend registriert.
In meinen Augen reflektiert das Abstimmungsergebnis sehr trefflich die allgemein akzeptierte Gleichgültigkeit gegenüber einem gesellschaftspolitischen Skandal.
Es geht hier zwar "nur" um zwei, drei Euro - oberflächlich!
Es geht meinem Erachten nach aber um sehr viel mehr: Es geht darum, dass sich Bildung und Kultur tendenziell zu einem Exklusivprodukt für eine elitäre Schicht entwickelt, wohingegen die "dumme Masse" sehr subtil durch unsere Massenmedien verblödet und wie bei der "Tafel" abgespeist wird. Und dies wird in meinen Augen sehr bewusst gesteuert.
Wenn man also die Sache in diesem Kontext betrachtet, sind die zwei, drei Euro alles andere als Peanuts. Sie sind ein unausgesprochenes Hausverbot im "Theater am Ring" für alle Hartz-IV-Empfänger, Mindestrentner, Arbeitnehmer in prekären Arbeitsverhältnissen u.s.w.!
www.dierotesaar.12see.de
Quelle: scharf-links, 10.4.11
http://www.scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=15663&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=ca2fd8f09d
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