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Auswahl: [Gesundheit]
Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>26. Oct 2011 20:10

Offener Brief an BAYER-Chef: Todesfaelle bei Pharma-Studien in Indien

Presse Informationen vom 25. Oktober 2011

Coordination gegen BAYER-Gefahren



Offener Brief an BAYER-Chef Marijn Dekkers
Indien: Todesfälle bei Pharma-Studien


Immer mehr Pharma-Studien werden nach Indien verlagert. Die Zahl der
Geschädigten nimmt von Jahr zu Jahr zu. Im Zeitraum von 2007 bis 2010
starben 1.600 Inder/innen bei klinischen Studien, allein 138 bei Tests
der Firma BAYER. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert in einem
Brief an den Vorstandsvorsitzenden Aufklärung.


Im vergangenen Jahr starben nach Angaben des indischen
Gesundheitsministeriums 668 Menschen bei Pharma-Tests. In den Jahren
zuvor war die Zahl stark gestiegen - von 137 im Jahr 2007 auf 288 (2008)
und 637 (2009). Ein Großteil der Studien wurde im Auftrag von
internationalen Firmen wie Novartis, Pfizer und Merck durchgeführt.
Allein bei der Durchführung klinischer Studien von BAYER kamen innerhalb
von vier Jahren 138 Versuchspersonen ums Leben.


Die Todesfälle sind zum Teil auf Vorerkrankungen der Probanden
zurückzuführen, z.B. Krebs. Offiziell wurden aber im vergangenen Jahr 22
Fälle tödlicher Nebenwirkungen bestätigt, darunter vier bei Studien für
das Thrombosemittel Xarelto von BAYER (Wirkstoff Rivaroxaban). Da die
Daten auf Angaben der Pharmafirmen basieren und keine unabhängigen
Kontrollen durchgeführt werden, dürften die tatsächliche Zahlen weit
höher liegen. BAYER hat den Hinterbliebenen der Xarelto-Opfer
Entschädigungen von durchschnittlich 5.250 Dollar gezahlt.


Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat heute in einem Offenen
Brief an den BAYER-Vorstandsvorsitzenden Marijn Dekkers Aufklärung
verlangt. In dem Schreiben heißt es: "Wir fordern Sie auf, alle
relevanten Daten zu klinischen Studien in Indien in den vergangenen fünf
Jahren offen zu legen". Die CBG fragt u.a. nach Zahl und Dauer der
Studien, den untersuchten Medikamenten, den beauftragten Subunternehmen
sowie nach der Häufigkeit von Nebenwirkungen und Todesfällen.


Momentan hat BAYER in Indien Studien mit der Krebs-Arznei Nexavar, dem
Augen-Präparat VEGF und dem Bluter-Medikament Kogenate beauftragt. Gerade
abgeschlossen hat BAYER Versuche mit dem Potenzmittel Levitra, dem
Diabetikum Glucobay, der Hormon-Spirale Mirena und den Röntgen-
Kontrastmitteln Gadovist und Ultravist. Aktuell sucht der Konzern neue
ProbandInnen für weitere Erprobungen von Xarelto, Glucobay, Gadovist,
Kogenate, Nexava und VEGF sowie von dem Antibiotikum Avelox und dem
umstrittenen Bluthochdruck-Präparat Xirtam. Die Umsetzung der Tests
erfolgt durch indische Firmen wie CSC Pharmaceuticals, Parexel oder
Igate.


Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren:
"Wieder einmal geht BAYER über Leichen. Goldene Bilanzen stehen über
Menschenleben. Für den schnellen Profit im Pharmageschäft müssen
bevorzugt die Ärmsten der Armen grausame Schicksale erleiden - von
schweren lebenslangen Gesundheitsschäden bis hin zum Tod." Vertreter der
Coordination hatten das Thema bereits in der Hauptversammlung des
Konzerns vor Tausenden von Aktionären diskutiert. Der damalige BAYER-Chef
Werner Wenning verweigerte jedoch eine Beantwortung der Fragen und
versicherte, keine Test-Person wäre zu Schaden gekommen. Die nun
veröffentlichten Zahlen widerlegen diese Behauptung.


Aufgrund der niedrigen Kosten, der Englischkenntnisse der Bevölkerung,
die große Masse an ProbandInnen und der laxen Aufsicht stieg die Zahl
der Studien in Indien in den vergangenen Jahren drastisch an. Im
vergangenen Jahr wurden dort fast 2.000 Tests gemeldet. Die Testpersonen
sind überwiegend extrem arm und analphabetisch; in vielen Fällen werden
Einverständniserklärungen von Dritten unterzeichnet. Die eigentlich für
die Kontrolle zuständigen Ethik-Kommissionen bestehen oft nur auf dem
Papier. Bis zum Jahr 2005 hingegen hatte die indische Gesetzgebung die
Studien ausländischer Firmen streng reglementiert: nur Präparate, deren
Ungefährlichkeit bereits in ihrem Ursprungsland nachgewiesen werden
konnte, wurden zugelassen.


Auch in weiteren Ländern mit großen Armutspopulationen wie Kolumbien,
Pakistan, Moldawien, die Philippinen, China oder Russland führt BAYER
Pharma-Tests durch. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert eine
nicht-Anerkennung pharmakologischer Studien, die nicht von unabhängiger
Seite überprüft werden.



weitere Informationen:

· Pharma Biz "Experts find gross discrimination in paying compensation
to trial victims by MNCs"
www.pharmabiz.com/PrintArticle.aspx?aid=65475&sid=1
a.. Business Standard "Pharma majors under fire over trial compensation":
www.business-standard.com/india/news/pharma-majors-under-fire-over-trial-compensation/434534/
b.. Artikel "BAYER globalisiert Arzneitests": www.cbgnetwork.org/3568.html
c.. Rede in BAYER-Hauptversammlung: www.cbgnetwork.org/3382.html

Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG)
eMail CBGnetwork ät aol.com
Internet www.CBGnetwork.org
Twitter: twitter.com/BayerGefahren
Facebook
www.facebook.com/pages/Coordination-gegen-BAYER-Gefahren-CBG/127538777294665

Tel 0211-333 911, Fax 0211-333 940

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Beirat
Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker, ehem. MdB, Burgwald
Dr. Sigrid Müller, Pharmakologin, Bremen
Prof. Dr. Anton Schneider, Baubiologe, Neubeuern
Prof. Rainer Roth, Sozialwissenschaftler, Frankfurt/M.
Prof. Jürgen Junginger, Designer (i.R.), Krefeld
Dr. Erika Abczynski, Kinderärztin, Dormagen
Eva Bulling-Schröter, MdB, Berlin
Dr. Janis Schmelzer, Historiker, Berlin
Wolfram Esche, Rechtsanwalt, Köln
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