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Auswahl: [Gesundheit]
Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>25. Nov 2011 19:14

Neues von Becel: Unilever und die Pippi-Langstrumpf-Wissenschaft - Jetzt protestieren!


Hallo und guten Tag,

mehr als 12.000 Verbraucher haben sich bereits beim Lebensmittelriesen
Unilever beschwert, weil der Konzern mit Becel pro.activ eine Art
Medikament in Lebensmittelform frei verkäuflich im Supermarkt anbietet.
Wer unsere E-Mail-Aktion auf
http://mailings.foodwatch.de/c/4421475/1c9f0ee926747
unterzeichnet hat, erhielt von Unilever nun eine Antwort. Der Hersteller
der cholesterinsenkenden Margarine stünde "im ständigen Austausch mit
führenden Herz-Kreislaufspezialisten, um immer auf dem aktuellsten
Forschungsstand zu sein", heißt es seitens Unilever. Um das zu
untermauern, werden zwei Professoren in Stellung gebracht, welche die in
Becel pro.activ enthaltenen Pflanzensterine lobpreisen. Es gebe "keinen
Hinweis" auf Nebenwirkungen, lässt man beispielsweise Prof. Hans-Ulrich
Klör von der Universität Gießen in der Antwort-E-Mail sagen. Auch Prof.
Eberhard Windler von der Universität Hamburg kommt zu Wort und lobt den
"Wirkmechanismus" der medikamentenähnlichen Lebensmittel in höchsten
Tönen. Dabei soll offensichtlich der Eindruck entstehen, Nutzen und
Unbedenklichkeit dieser Produkte stünden völlig außer Frage. Die
"Diskussion mit Wissenschaftlern" ist ja schließlich erfolgt.

Es kommt natürlich auch darauf an, mit wem Unilever da diskutiert. Denn
Wissenschaftler gibt es viele, und die beiden zitierten können kaum als
repräsentativ gelten. Prof. Windler hat in der Vergangenheit nachweislich
Honorar von Unilever erhalten - schon allein deshalb hat das Schreiben
einen faden Beigeschmack. Doch davon einmal abgesehen: Einerseits von
"aktuellem Forschungsstand" zu fabulieren, andererseits "KEINEN HINWEIS"
auf Nebenwirkungen kennen zu wollen, klingt ganz nach Pippi-Langstrumpf-
Wissenschaft. Getreu dem Motto: "Ich mach mir die Welt, wie sie mir
gefällt."

Von KEINEM Hinweis kann KEINE Rede sein! Denn die von den Unilever-
Professoren hochgelobten Pflanzensterine, die Becel pro.activ
hochkonzentriert enthält, sind unter Experten höchst umstritten. Sie
stehen in Verdacht, das zu verursachen, was sie eigentlich verhindern
sollen - Ablagerungen in Gefäßen und damit ein erhöhtes Risiko für
Herzkrankheiten. Immer wieder liefern Studien Hinweise auf mögliche
Risiken. Das hat unter anderem das Bundesinstitut für Risikobewertung
(BfR) dazu bewegt, eine Stellungnahme zu solchen Lebensmitteln zu
verfassen. Bereits 2008 kamen die staatlichen Wissenschaftler zu dem
Schluss:

"Insgesamt unterstreichen die Studien jedoch, dass der Verzehr von
Lebensmitteln mit Phytosterinen [Pflanzensterine] von gesunden Menschen,
die keinen erhöhten Cholesterinspiegel haben, ausdrücklich vermieden
werden sollte."

Denn bei diesen Verbrauchern gibt es nicht einmal einen potenziellen
Nutzen, den man gegen das Risiko von Nebenwirkungen abwägen müsste. Nur:
Mit den Wissenschaftlern des BfR hat Unilever offenbar nicht
"diskutiert". Hinzu kommt: Selbst für Menschen MIT erhöhtem
Cholesterinspiegel ist der Nutzen der Produkte alles andere als eindeutig
belegt. Die großen europäischen Dachgesellschaften für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen kommen in ihren jüngst verabschiedeten Leitlinien
beispielsweise zu folgendem Urteil:

"Aktuell gibt es keine Daten, die belegen, dass die Cholesterinsenkung
mithilfe von Pflanzensterinen präventiv gegen koronare Herzkrankheiten
wirkt. Um die Sicherheit von Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusatz bei
regelmäßiger Einnahme zu garantieren, sind außerdem Langzeitstudien
nötig."

Unilever jedoch verspricht ungerührt:

"Bestünden nur die geringsten Zweifel an der Sicherheit unserer Produkte,
würden wir diese nicht anbieten."

Offensichtlich genügt es Unilever, keine eigenen Zweifel zu haben. Das
reicht jedoch nicht. Angesichts verbreiteter wissenschaftlicher Bedenken
ist diese Haltung unverantwortlich. Fordern Sie Unilever deshalb jetzt
auf, den freien Verkauf von Becelpro.activ im Supermarkt zu stoppen!

http://mailings.foodwatch.de/c/4421475/1c9f0ee926747

Falls Sie die Beschwerde-Aktion bereits unterschrieben haben: Leiten Sie
diese Nachricht an Freunde und Bekannte weiter. Jede Stimme zählt!

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