Pressemitteilung des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung: "Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule" verliehen
Pressemitteilung Nr. 02/2012
19. Januar 2012
"Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule" verliehen
Schulen in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Niedersachsen
ausgezeichnet
Den "Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule" erhalten heute die
Regine-Hildebrandt-Gesamtschule im brandenburgischen Birkenwerder, die
Gemeinschaftsgrundschule Eitorf in Nordrhein-Westfalen, die Grundschule
Langbargheide in Hamburg und das Regionale Integrationskonzept
Altenmedingen, Bad Bevensen, Bienenbüttel und Himbergen in Niedersachsen.
Für ihren vorbildlichen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht
behinderten Kindern erhalten die drei Schulen und der Schulverbund jeweils
ein Preisgeld von 3.000 bzw. 5.000 Euro. Projektträger des zum dritten Mal
vergebenen Jakob-Muth-Preises sind der Beauftragte der Bundesregierung für
die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, die Deutsche
UNESCO-Kommission, die Sinn-Stiftung und die Bertelsmann Stiftung.
"Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie verhindern will, sucht Begründungen",
sagt Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange
behinderter Menschen. "Die diesjährigen Gewinner des Jakob-Muth-Preises und
viele weitere Bewerberschulen zeigen eindrucksvoll, wie Inklusion im
Schulalltag gelebt wird und funktioniert und die Leistungen von behinderten
und nicht behinderten Schülern steigert. Ihnen allen meinen herzlichen
Glückwunsch."
"Inklusion muss als übergreifendes Prinzip im gesamten Bildungsbereich fest
verankert werden. Sie ist ein zentrales Anliegen der UNESCO weltweit", so
Professor Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission. Das
erfordere im deutschen Bildungssystem ein entschiedenes Umdenken. "Um
Bildungsgerechtigkeit zu verwirklichen, muss unser Bildungssystem alle
Kinder nach ihren individuellen Fähigkeiten, Interessen und Problemlagen
fördern und fordern. Dafür brauchen wir Vorbilder - wie unsere
Preisträgerschulen - die zeigen, wie Inklusion lebendig gestaltet werden
kann."
"Man kann einem anderen nur Mut machen, wenn man selbst davon überzeugt ist,
dass mehr möglich ist als es den Anschein hat. Die Gewinner des
Jakob-Muth-Preises sind gute Beispiele, die auch anderen Schulen Mut machen,
mehr Inklusion zu wagen", sagt Christian Rauschenfels, Vorstandsvorsitzender
der Sinn-Stiftung. Inklusion müsse in Deutschland keine Ausnahme bleiben,
sondern könne durch mutige Vorbilder wie die Preisträgerschulen Stück für
Stück zum Regelfall werden. "Wir werden die Schulen in ihrer Entwicklung zu
mehr Inklusion begleiten", so Rauschenfels.
"Besonders beeindruckt mich, dass an den Preisträgerschulen Leistung und
Gerechtigkeit keine Gegensätze sind. Davon kann unser Bildungssystem als
Ganzes lernen", betont Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der
Bertelsmann Stiftung. "Inklusive Schulen können herausragende Leistungen im
kognitiven, künstlerischen und sozialen Bereich hervorbringen. Vom
gemeinsamen Unterricht profitieren alle Kinder: Die leistungsstärkeren sind
Vorbilder für die schwächeren - und indem sie ihnen helfen, lernen sie oft
selbst am meisten dazu."
Die seit Anfang 2009 für Deutschland verbindliche UN-Konvention über die
Rechte von Menschen mit Behinderungen fordert nach Möglichkeit inklusive
Bildung für alle Kinder. In Deutschland bleibt das gemeinsame Lernen von
Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf jedoch die Ausnahme.
Im Schuljahr 2009/2010 besuchte nur jeder fünfte Förderschüler eine
Regelschule, alle anderen wurden in getrennten Förderschulen unterrichtet.
Doch das Förderschulsystem erweist sich meist als Sackgasse: Drei Viertel
der Förderschüler verlassen die Schule Jahr für Jahr ohne
Hauptschulabschluss. In vielen europäischen Ländern wie Spanien, Italien
oder Schweden ist inklusiver Unterricht hingegen längst Alltag. Unter den
deutschen Bundesländern sind Schleswig-Holstein, Bremen und Berlin die
Spitzenreiter beim Ausbau inklusiver Bildungsangebote.
Der Preis ist benannt nach einem Vorkämpfer und Wegbereiter des gemeinsamen
Lernens von behinderten und nicht behinderten Kindern, dem Pädagogen Jakob
Muth (1927 - 1993). Mit der Auszeichnung wollen die Projektträger positive
Beispiele für gemeinsamen Unterricht bekannt machen und zur Nachahmung
anregen. Insgesamt hatten sich 90 Schulen aller Schulformen aus ganz
Deutschland für den Jakob-Muth-Preis beworben. Die Preisverleihung findet am
19. Januar 2012 um 12.00 Uhr in der Berliner Bertelsmann Repräsentanz, Unter
den Linden 1, statt.
Kontakt: Ulrich Kober, Bertelsmann Stiftung
Telefon: 0 52 41 / 81-81 598; E-Mail: ulrich.kober

ä

t

bertelsmann-stiftung.de
Dr. Anke Dörner, Deutsche UNESCO-Kommission
Telefon: 0 228 / 60497-17; E-Mail: doerner

ä

t

unesco.de
Benedikt Bünker, Büro Beauftragter der Bundesregierung für die
Belange behinderter Menschen, Telefon: 0 30 / 18 527 2723; E-Mail:
benedikt.buenker

ä

t

bmas.bund.de
Hintergrundinformationen und Kurzporträts der Siegerschulen finden Sie unter
www.bertelsmann-stiftung.de und www.jakobmuthpreis.de.
Newsletter abbestellen
Herausgeber
Beauftragter der Bundesregierung
für die Belange behinderter Menschen
E-Mail presse

ä

t

behindertenbeauftragter.de
Internet www.behindertenbeauftragter.de
Telefon 030 18 527 2723
Adresse Mauerstraße 53
10117 Berlin