Pressemitteilung des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung: Inklusive Bildung braucht gute Beispiele
Pressemitteilung Nr. 30/2011
20. Juni 2011
Inklusive Bildung braucht gute Beispiele
Gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern findet in
der deutschen Bevölkerung keine ungeteilte Zustimmung. Das zeigt eine
aktuelle Meinungsumfrage der Bertelsmann Stiftung. Zwar sprechen sich 88
Prozent der Befragten für den gemeinsamen Unterricht von nicht behinderten
und körperbehinderten Kindern aus. Die Inklusion von geistig behinderten
Kindern findet mit 56 Prozent dagegen deutlich weniger Zuspruch. Für die
Inklusion von verhaltensauffälligen Kindern votieren lediglich 53 Prozent
der Befragten.
Ausdrücklich zum gemeinsamen Lernen aller Kinder ermutigen will der Jakob
Muth-Preis für inklusive Schule, der dieses Jahr zum dritten Mal vom
Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, von der Bertelsmann
Stiftung und der Deutschen UNESCO-Kommission ausgeschrieben wird. Schulen
und Schulverbünde können sich bundesweit bis zum 15. September 2011
bewerben. Die Preise werden im Januar 2012 in Berlin verliehen.
"Die seit März 2009 für Deutschland verbindliche
UN-Behindertenrechtskonvention macht den Weg zum inklusiven Schulsystem
unumkehrbar. Jetzt gilt es, diesen Weg zügig zurückzulegen. Kinder mit
Behinderungen haben ein Recht auf den Besuch einer allgemeinen Schule", so
der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen,
Hubert Hüppe. Er unterstreicht: "Gute Beispiele inklusiver Schulen liefern
die besten Argumente, denn sie zeigen: Gemeinsamer Unterricht von Kindern
mit und ohne Behinderungen stärkt die Bildungschancen aller Kinder, ob mit
oder ohne Behinderungen."
"Die Skepsis in manchen Teilen der Bevölkerung gegenüber Inklusion müssen
wir überwinden. Mit der Verleihung des Jakob Muth-Preises können wir zeigen,
dass inklusive Schulen auch gute Leistungen bringen und das gemeinsame
Lernen allen Kindern nützt - nicht nur denen mit Förderbedarf",
unterstreicht Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.
"In Deutschland hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt", so Dr.
Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, für die
inklusive Bildung als Menschenrecht ein zentrales Anliegen ist. "Dennoch
haben wir im internationalen Vergleich noch immer großen Nachholbedarf. Wir
müssen in den nächsten Jahren entschlossen handeln, um Inklusion als
Leitidee in der Bildungspolitik und -praxis zu verankern. Erst wenn unser
Bildungssystem allen Kindern ermöglicht, in einem gemeinsamen Unterricht
voll am schulischen Leben teilzuhaben, können wir von umfassender
Bildungsgerechtigkeit sprechen."
Dieses Jahr wird der Jakob Muth-Preis auch zum ersten Mal von der
Sinn-Stiftung mitgetragen, die die Preisträgerschulen nach der
Preisverleihung in ihrer Arbeit weiter unterstützen wird. Der Gründer und
Vorstand der Sinn-Stiftung, Christian Rauschenfels, betont: "Wir wünschen
uns, dass sich alle Menschen als bedeutsames Mitglied der Gesellschaft
erleben können. Wenn in Schulen Inklusion gelebt wird, wird dies ausstrahlen
auf viele andere Bereiche des Zusammenlebens und Inklusion wird zur
selbstverständlichen Grundhaltung einer Gesellschaft, die ihren Reichtum aus
der Vielfalt schöpft."
Herausgeber
Beauftragter der Bundesregierung
für die Belange behinderter Menschen
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