Pressemitteilung des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung: Abschlussveranstaltung zur Tagungsreihe "Gesundheit für Menschen mit Behinderung" zeigt Handlungsbedarf im Deutschen Gesundheitswesen
Pressemitteilung Nr. 37/2011
21. September 2011
Abschlussveranstaltung zur Tagungsreihe "Gesundheit für Menschen mit
Behinderung" zeigt Handlungsbedarf im Deutschen Gesundheitswesen
"Es gibt dringenden Handlungsbedarf in vielen Bereichen des
Gesundheitswesens, damit wirksame Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im
Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention verwirklicht wird", verdeutlichte
der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen,
Hubert Hüppe, auf der heutigen Abschlussveranstaltung zur Tagungsreihe
"Gesundheit für Menschen mit Behinderung" im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in
Berlin.
Hubert Hüppe betonte, dass Menschen mit Behinderung benachteiligt seien, ob
beim Arztbesuch und Klinikaufenthalt oder bei der Versorgung mit Hilfs- und
Heilmitteln. Medizinisches Personal sei häufig weder in der Lage,
Komplexerkrankungen behinderter Menschen richtig zu diagnostizieren, noch
fähig mit Menschen mit Behinderungen umzugehen, so der
Behindertenbeauftragte. "Es muss ein deutlicher Schwerpunkt zur Gesundheit
von Menschen mit Behinderung in Aus-, Fort- und Weiterbildungen des
medizinischen Personals gesetzt werden. Behinderte Menschen müssen außerdem
mehr bei der Bedarfsfeststellung beteiligt werden. Sie wissen am besten, was
sie brauchen. Wenn mehr Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen
aufwachsen würden, bestünde von vornherein viel weniger das Problem, dass
medizinisches Personal verunsichert bis unsensibel mit den Bedürfnissen
behinderter Menschen umgeht", so Hubert Hüppe. Daneben verhindere die
fehlende Barrierefreiheit von Praxen und Kliniken immer noch den Zugang zu
medizinischen Leistungen. "Hier geht es nicht nur um Rampen und Aufzüge,
sondern auch darum, etwa leichte Sprache für Menschen mit
Lernschwierigkeiten in Beratungsgesprächen zu verwenden oder gehörlose,
blinde und taubblinde Menschen umfassend zu beraten. Bestehende Missstände
müssen dringend abgestellt werden", so der Behindertenbeauftragte. Er
erwarte, dass die von der Bundesregierung angekündigten Initiativen in den
Bereichen "barrierefreie Arztpraxen" und "Sensibilisierung des medizinischen
Personals für die Belange behinderter Menschen" zu spürbaren Verbesserungen
führen, so Hubert Hüppe. Auf der Tagungsreihe sei überdies deutlich
geworden, dass der behinderungsbedingte Mehrbedarf im Gesundheitswesen nicht
ausreichend berücksichtigt wird. "Es kann beispielsweise nicht einfach
hingenommen werden, dass Menschen mit sogenannter ,geistiger Behinderung'
oder bestimmten körperlichen Behinderungen, insbesondere in Heimen, eine
deutlich schlechtere zahnmedizinische Versorgung erhalten. Hier muss
gegengesteuert werden", betonte Hubert Hüppe.
Weiterer Handlungsbedarf wurde auf der Tagungsreihe deutlich bei
Zwangseinweisungen und Zwangsbehandlungen und unzureichenden ambulanten
Strukturen für psychisch erkrankte Menschen, bei der Versorgung mit
Hörgeräten einschließlich Anpassung und Hörtraining, Inkontinenzmitteln oder
etwa mit Sportrollstühlen, um einen inklusiven Sportunterricht zu
ermöglichen. Es wurde ebenso festgestellt, dass eine unabhängige Beratung in
vielen Bereichen fehlt.
"Der gute Austausch auf der Abschlussveranstaltung hat gezeigt, dass die
Parlamentarier und Staatssekretär Thomas Ilka für die Belange behinderter
Menschen im Gesundheitswesen sensibilisiert sind. Jetzt muss gemeinsam an
konkreten Schritten weitergearbeitet werden, die die Ergebnisse der
Tagungsreihe aufnehmen", so Hubert Hüppe.
Von November 2010 bis Juni 2011 fand eine Tagungsreihe des
Behindertenbeauftragten mit dem Titel "Gesundheit für Menschen mit
Behinderung - Zwischen Ansprüchen der UN-Behindertenrechtskonvention,
Kostendämpfung und Wirklichkeit" statt. Die vier Tagungen behandelten die
Themen: "Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen",
"Patientenversorgung", "Hilfsmittelversorgung", "Problematik zwischen
Arznei- und Heilmittelversorgung". Auf der Abschlussveranstaltung am 21.
September 2011 fand ein Austausch der Teilnehmer mit
Gesundheitspolitikerinnen und -politikern der Bundestagsfraktionen und mit
dem Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Thomas Ilka, zu den
Ergebnissen der Tagungsreihe statt. Die Ergebnisse sind unter:
http://www.behindertenbeauftragter.de/DE/Themen/GesundheitundPflege/Gesundheit/Tagungsreihe.html;jsessionid=A006CCB7706E473DF69E51341BB1AE71.2_cid095
zu finden.
Herausgeber
Beauftragter der Bundesregierung
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