TUEV Nord Bildung - die Armee der Armen waechst
TÜV Nord Bildung - die Armee der Armen wächst
10.09.11
von Karolin Korthals
Tarifverhandlungen zu führen ist das Kerngeschäft der IG BCE. In den derzeit laufenden Tarifverhandlungen der IG BCE und der TÜV Nord Bildung werden am 12.09.2011 in Hannover die von langer Hand geplanten Lohnkürzungen beschlossen.
Der Verhandlungsführer der IG BCE Markus Kraft folgt damit der Logik "Lohnverzicht für Arbeitsplätze". Das Schicksal der TÜV Nord Bildung liegt allein in seinen Händen und er wird sich für ein schwarzes Loch im Portemonnaie der Belegschaft entscheiden. Vom Rotwein betäubt, werden sich die Geschäftsführer beim Hohngelächter den Kiefer ausrenken.
Nach dem moralischen Bankrott steht die TÜV Nord Bildung auch finanziell am Rand der Insolvenz. Vor einem Jahr hatte die TÜV Nord AG die RAG Bildung GmbH Gruppe mit 40 Bildungszentren, fünf Berufskollegs und der Opel Transfer GmbH für 12,5 Millionen Euro übernommen. Doch mit der Übernahme der RAG Bildung hat sich die TÜV Nord AG verspekuliert. Nun sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die selbst von Dumpinglöhnen leben, als Retter einspringen. Stillhalten und Verzicht ist das Gebot der Stunde, gefragt ist die Solidarität der Belegschaft mit den Aktionären.
In dieser Woche überschlugen sich die Ereignisse. Die Verhandlungen waren am 29.08.11 ergebnislos und ohne neuen Termin abgebrochen worden. Nur eine Woche später kam es zum Elchtest-Desaster, die IG BCE kippte um. "Wir sehen uns genötigt, unsere Position wegen der drohenden Insolvenz aufzuweichen. Der Vorstand der TÜV NORD AG hat bereits die Kolleginnen und Kollegen in der Zentralverwaltung beauftragt, die formalen Vorbereitungen für einen Insolvenzantrag zu treffen", hieß es in der Tarifinformation vom 06.09.2011.
Nur 24 Stunden später verkündete die Betriebsrätin Ulrike Geier mit einem bedauernswerten Ohrfeigengesicht: "Ein Antrag auf Insolvenz - so das Ergebnis der gestrigen Aufsichtsratssitzung - muss nicht gestellt werden. Der Verhandlungsstand auf der Tarifebene (...) ist soweit fortgeschritten, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgebervertreter davon ausgehen können, dass hierdurch ein gemeinsames Fundament für die Fortführung der Gesellschaft gelegt ist".
Die Aktionäre können sich deshalb schon jetzt wieder einmal zufrieden lächelnd die Hände reiben: "Hoch gepokert und alles gewonnen." Den Rettungsschirm für die Dividende haben die Geringverdiener aufgespannt. Die IG BCE klopft sich selbstzufrieden auf die Schultern und brüstet sich damit, wie toll sie das gemacht hat. Der Belegschaft wird vorgegaukelt, man sei am Abgrund vorbeisegelt und hätte das Gespenst der Insolvenz besiegt. Doch waren es im Mai 2011 noch 1500 Arbeitsplätze sind es im September 2011 nur noch 1000, von 40 Standorten werden bis Ende nächsten Jahres 17 dicht gemacht. Damit wird das Ende der ehemaligen RAG Bildung sichtlich beschleunigt, so dass die Aktionäre die restlichen Werte noch in Ruhe absahnen können.
Bis Jahresende werden 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sang- und klanglos in die Arbeitslosigkeit verabschiedet. Ein ½ Bruttogehalt pro Beschäftigungsjahr bekommen 132 Kolleginnen und Kollegen. "Die anderen hatten nur befristete Verträge", heißt es im Kollegenkreis. "Eine ominöse Geschäftspolitik der ruhigen Hand, die nicht entschieden genug auf die Kürzungen des BMAS reagiert hat, dazu die Vergabepraxis der Bundesagentur für Arbeit und der Unterbietungswettbewerb mit anderen Bildungsträgern sind verantwortlich für diese Arbeitsplatzvernichtung", kritisiert der Mitarbeiter des Hückelhovener Bildungszentrums Thomas Wasilewski. Den schwarzen Peter einfach an die Belegschaft weiterzureichen ist die billigste Lösung. Noch deutlicher kann man der Belegschaft wohl kaum zu verstehen geben, dass man sie für total naiv und nicht zurechnungsfähig hält. Die Lohnkürzung von zirka 280 Euro monatlich empfindet er als alleinverdienender Familienvater von drei schulpflichtigen Kindern als unsozial und ungerecht.
Quelle: scharf-links, 10.9.11
http://www.scharf-links.de/43.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=18424&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=32ea3878fd
Die unter www.scharf-links.de angebotenen Inhalte und Informationen stehen unter einer deutschen Creative Commons Lizenz. Diese Lizenz gestattet es jedem, zu ausschließlich nicht-kommerziellen Zwecken die Inhalte und Informationen von www.scharf-links.de zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen. Hierbei müssen die Autoren und die Quelle genannt werden. Urhebervermerke dürfen nicht verändert werden. Einzelheiten zur Lizenz in allgemeinverständlicher Form finden sich auf der Seite von Creative Commons.