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Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>3. Sep 2011 23:18

Niedriglohn und Minilohn: Deutschland ist europaweit Spitzenreiter


Niedriglohn und Minilohn: Deutschland ist europaweit Spitzenreiter

02.09.11

von Reinhold Schramm

Rund 2,1 Millionen Menschen in Lohnarbeit bekommen weniger als 6 Euro-Std., davon die Hälfte weniger als 5 Euro pro Stunde. 70 Prozent der Geringverdiener haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, 7 Prozent einen Hochschulabschluss.

Geringverdiener haben keinen sozialen Vorteil vom wirtschaftlichen Aufschwung. Deutschland ist bei der Entwicklung des Niedriglohnsektors Spitzenreiter in Europa.

Der Anteil der Werktätigen im Niedriglohn liegt bei Friseurinnen und Friseuren und bei Taxifahrern über 80 Prozent, in Wäschereien und in der Gastronomie über 60 Prozent.

Ohne Klassenkampf gibt es keine wirksame Untergrenze für Arbeitslöhne:

Zur Ausbreitung von Armutslöhnen haben vor allem fehlende Mindestlöhne - ab 12 Euro aufwärts - und Spezialformen der Ausbeutung, wie z. B. die "Minijobs" und "Leiharbeit und Zeitarbeit", beigetragen.

Bei den so genannten "Minijobbern" beziehen über 80 Prozent extrem niedrige Arbeitslöhne, bei "Leiharbeitern" sind es 77 Prozent. - Durch politische Entscheidungen der Lobby-Parteien, der BDI-Bundesregierung und BDA-Parlamentsmehrheit, strukturelle Veränderungen und fehlenden Arbeitskampf der sozialdemokratischen Gewerkschaften bzw. der braven sozialpartnerschaftlichen Anpassung der großen Mehrheit der Lohnabhängigen hat die Tarifbindung der Löhne flächendeckend abgenommen.

»Vor allem im Dienstleistungsbereich ist die Tarifbindung gering. Daran konnten auch die branchenbezogenen Mindestlöhne, die es inzwischen für 10 Branchen gibt nichts ändern.« (DGB)

Die in der bundesdeutschen "Rechtssprechung" entwickelte Grenze für "sittenwidrige Löhne" funktioniert nicht in der Praxis.

In Deutschland gibt es keine Untergrenze für Armutslöhne:

»Arbeitslose müssen jeden Job bis zur Grenze der Sittenwidrigkeit annehmen, also eine Entlohnung akzeptieren, die bis zu 30 Prozent unter dem Tarifniveau liegen kann. Dabei bedeuten 30 Prozent Abzug von tariflicher oder ortsüblicher Bezahlung in manchen Regionen der Republik einen Stundenlohn von weniger als 3 EUR.« -

Die Mehrheit der Beschäftigten hat keine Chance dem Niedriglohnsektor zu entkommen. Der Niedriglohnsektor bleibt eine soziale Falle, - ohne gemeinsamen Lohnkampf aller DGB-Gewerkschafter/innen (- einschließlich der gut bezahlten Stammbelegschaften der Konzerne und im Staatsdienst).

Der Lobby-Staat subventioniert Profite und Dividenden:

»Der Staat subventioniert Armutslöhne und leistet damit einen erheblichen Beitrag zur Ausweitung des Niedriglohnsektors. 1,3 Mio. Erwerbstätige verdienen so wenig, dass ihr Einkommen durch Leistungen der Grundsicherung aufgestockt werden muss. Davon arbeiten 350.000 in Vollzeit, weitere 230.000 in sozialversicherter Teilzeit. Das "Aufstocker-Modell" ist nichts anderes als ein staatlich gefördertes Kombilohn-Modell.« - Es dient der Subventionierung der Gewinne und Profite!

»Seit 2005 hat der Staat für diese Form der Lohnkostenzuschüsse über 50 Milliarden Euro ausgebeben. Zusätzlich zu diesen Kosten für die Aufstockung niedriger Löhne subventioniert der Steuerzahler Minijobs mit fast 4 Milliarden Euro.«

[Ein modifizierter Auszug.]

Quelle vgl.: DGB, 30.08.2011: Entwicklung des Niedriglohnsektors: Deutschland europaweit Spitzenreiter.
www.dgb.de/themen/++co++17f2321c-d301-11e0-4902-00188b4dc422
Daten: Institut Arbeit und Qualifikation, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit.

Empfehlung (weiterhin aktuell):

A) Der Armutsbericht der Bundesregierung ist ein Schwindel nach unten!
www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/schramm.pdf

B) Ohne Kampf gibt es keinen ('auskömmlichen') "Mindestlohn"!
www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/kombilohn/mindeschramm.pdf

C) Lohnverzicht reduziert Altersrente!
www.labournet.de/diskussion/wipo/rente/verzicht.pdf

Merke: Daher ist der praktische Klassenkampf (nicht nur) der Gewerkschaften für einen Mindestlohn in Deutschland - ab 12 Euro-Std. aufwärts - unverzichtbar!


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Quelle: scharf-links, 2.9.11
http://www.scharf-links.de/43.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=18269&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=84c4b46b9f
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