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Gerhard Lange c/o GIV <G.LANGE ät NADESHDA.org>31. Aug 2005 08:35

Libyen/USA/GB/Irak: Gefaelschte Beweise - Libyen an Lockerbie unschuldig? // Police chief - Lockerbie evidence was faked // Frauen und Kinder als US-"Kollateralschaeden"


* Gefälschte Beweise
Libyen an Lockerbie unschuldig?
* Police chief - Lockerbie evidence was faked
* Frauen und Kinder als US-»Kollateralschäden«
Irak: Schwere Luftangriffe nahe der syrischen Grenze.
Sunniten wollen Bündnis gegen Verfassung
* Kinder-Terroristen?
USA bombardieren Al-Qaim
* Wieder schwere Kämpfe im Irak
Zahlreiche Menschen getötet



Gefälschte Beweise
Libyen an Lockerbie unschuldig?

30.08.2005

Am 21. Dezember 1988 explodierte an Bord des PanAm-Fluges 103 während
des Fluges von London nach New York eine Bombe, als sich die Maschine
über dem schottischen Ort Lockerbie befand. Durch den Absturz wurden
alle an Bord befindlichen 259 Menschen getötet. 11 weitere Menschen
starben in dem Ort, als die mit Kerosin beladenen Tragflächen mehrere
Häuser trafen und explodierten.

Wurde anfänglich die in Syrien ansässige und vorgeblich vom Iran
unterstützte "Popular Front for the Liberation of Palestine - General
Command" (PFLP-GC, "Volksfront für die Befreiung Palästinas - General-
kommando") verdächtigt, für den Anschlag verantwortlich zu sein, so
richteten sich die Vorwürfe später gegen Libyen und dessen Geheim-
dienstoffizier und Sicherheitschef der Lybian Arab Airlines (LAA), Abd
al-Basset Ali Mohmed al-Megrahi.

Letztlich wurde al-Megrahi von einem Gericht schuldig gesprochen und
am 31. Januar 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Berufungsver-
fahren scheiterte am 14. März 2002 und der Europäische Gerichtshof
für Menschenrechte lehnte ein Berufungsverfahren im Juli 2003 ab. Der
zweite Angeklagte, der Leiter des Standorts Malta der LAA, Al-Amin
Khalifa Fhimah, wurde hingegen schon in dem ersten Verfahren freige-
sprochen. Gegen Libyen wiederum wurden strikte Sanktionen verhängt.
Al-Megrahi beteuert noch heute seine Unschuld, während Libyen im
Sommer 2003 offiziell seine Verantwortung bekannte und den Familien
der Opfer jeweils eine Entschädigung von 8 Millionen US-Dollar
zahlte, woraufhin die Sanktionen aufgehoben wurden. Die Vermutung,
daß dieses Schuldeingeständnis nur erfolgte, um letztlich die Auf-
hebung der Sanktionen zu erreichen, nachdem zuvor jahrelang jede
Schuld bestritten wurde, ist sicherlich naheliegend.

Die Verurteilung al-Megrahis erfolgte allein aufgrund zweier
"Beweisketten".

Ermittlern war es gelungen, in den Trümmern des Wracks Reste von
Kleidungsstücken auszumachen, die sich Untersuchungen zufolge im
gleichen Koffer wie die in einem Toshiba RT-SF 16 "BomBeat" Radio-
Cassetten-Spieler versteckte Bombe befunden hatten, als die Bombe
explodierte. Dies wurde anhand von kleinen Fragmenten des Geräts
in den gefundenen Stoffetzen nachgewiesen. Ein "glücklicher Zufall"
- mindestens ebenso wahrscheinlich wie der aus dem Inferno im World
Trade Center herausgeschleuderte und später einige Blocks weiter
gefundene Ausweis eines der vorgeblichen Entführer - sorgte dafür,
daß mehrere dieser Fetzen exakt jene Stoffstücke der Bekleidung
darstellten, die den Herstellernamen oder zumindest das Herstellungs-
land trugen.

Eines dieser Kleidungsstücke trug den Vermerk "Made in Malta", ein
anderes stammte von einer Hose der Marke "Yorkie", die in Irland und
Malta hergestellt wurde. Daraufhin flogen Ermittler nach Malta und
sprachen mit dem Besitzer des Unternehmens, der sie an die Hauptver-
kaufsstelle auf der Insel verwies. Der Besitzer des Geschäfts, Tony
Gauci, sagte aus, er würde sich noch gut an den Kunden erinnern, der
zwei Wochen vor dem Anschlag ein Tweed-Jackett, einen Baby-Strampel-
anzug, eine wollene Strickjacke, mehrere weitere Kleidungsstücke
und einen Regenschirm bei ihm kaufte. Anfänglich beschrieb er diesen
Kunden als einen 6 Fuß (1,83 Meter) großen, etwa 50 Jahre alten Mann
von "libyscher Erscheinung". Al-Megrahi ist allerdings nur 1,73 Meter
groß und war zum damaligen Zeitpunkt 36 Jahre alt. In dem Gerichts-
verfahren zeigte Gauci auf al-Megrahi und sagte "Er sieht ihm sehr
ähnlich." Es ist anzunehmen, daß Gauci für seine Aussage die von den
USA ausgelobte Belohnung von 4 Millionen US-Dollar erhalten hat.
http://news.scotsman.com/international.cfm?id=74962002

Der zweite "Beweis" bestand aus einem weiteren Stück Stoff, das drei
Wochen nach dem Anschlag gefunden worden war und in dem neben weiteren
Spuren des Cassettenspielers ein etwa ein Zentimeter großes Stück
einer Platine gefunden wurde. Dieses wurde dann im Juni 1990 von dem
FBI-"Sprengstoffexperten" Thomas Thurman als Teil eines Zeitzünders
"identifiziert". 1997 stellte sich allerdings unabhängig von der
damaligen Untersuchung heraus, daß Thurman Laborberichte gefälscht
hatte. Auch gegen Alan Feraday, der die Untersuchung des Platinen-
fragments auf britischer Seite durchführte sind ähnliche Vorwürfe
erhoben worden. In drei Fällen wurden Urteile aufgehoben, in denen er
"Beweise" gegen die Angeklagten vorgelegt hatte.
http://www.nacdl.org/TESTIFY/test0017.htm
http://news.bbc.co.uk/1/hi/scotland/4164422.stm

Dieses Fragment einer Platine wurde von den "Experten" als Teil einer
Zeitschaltuhr des schweizer Herstellers Mebo - Meister und Bollier -
identifiziert. Einer der Firmeneigentümer sagte aus, er habe 1985
20 Zeitschaltuhren vom Typ MST-13 an Libyen in der Hoffnung verkauft,
einen größeren Auftrag zu erhalten. Er habe selbst Versuche des
libyschen Militärs in der Wüste gesehen, bei denen mit den Geräten
Explosionen ausgelöst wurden.

Am Sonntag nun berichtete der Scotsman, daß ein früherer schottischer
Polizeichef Kontakt mit al-Megrahis Anwälten aufgenommen hat. Seiner
schriftlichen und unterzeichneten Aussage nach wurde eben dieses
Platinenfragment durch CIA-Agenten an seinem Fundort plaziert.
http://news.scotsman.com/index.cfm?id=1855852005

Der frühere Offizier, der Mitglied der "Vereinigung leitender Polizei-
offiziere Schottlands" war, bestätigte damit entsprechende Aussagen
eines ehemaligen CIA-Agenten gegenüber al-Megrahis Anwälten im Jahr
2003, der damals sagte, seine Vorgesetzten hätten "das Drehbuch ge-
schrieben", um Libyen zu beschuldigen.

Eine "eingeweihte Quelle" berichtete gegenüber dem Scotsman, warum
der Polizeioffizier erst jetzt sein Wissen preisgab. "Auf die Frage,
warum er sich nicht eher gemeldet habe, gab er zu, daß er nicht aus
der Reihe tanzen wollte, weil er befürchtete, verunglimpft zu werden",
berichtete die Quelle.

"Er sagte auch, daß zu dem Zeitpunkt, als er von der Angelegenheit
erfuhr, niemand glaubte, daß es zu einem Verfahren kommen würde. Als
es dazu kam, glaubte er, beide Angeklagten würden freigesprochen.
Als Megrahi verurteilt wurde, sagte er sich, daß er in der Berufung
freigesprochen würde", so die Quelle. "Als auch dies fehlschlug,
erklärte er, er habe sich gefühlt, daß er sich melden müsse." Tat-
sächlich erklärt dies allerdings nicht vollständig, warum er sich
erst jetzt - zwei Jahre nach Ablehnung des Berufungsverfahren durch
das Europäische Gericht - meldete. Andererseits haben al-Megrahis
Anwälte derzeit mit neuen Bemühungen begonnen, ein Wiederaufnahme-
verfahren anzustrengen, was möglicherweise der Auslöser für die
Aussage gewesen sein mag.

"Er hat bestätigt, daß Teile des Falles fabriziert waren und daß
Beweise gelegt wurden. Zuerst wollte er anonym bleiben, hat aber
nachgegeben und wird identifiziert werden, falls und wenn der Fall
wieder vor das Berufungsgericht kommt", so die Quelle.

Selbst der US-Geheimdienst war allerdings in Wahrheit offenbar von
der Unschuld der Angeklagten als auch Libyens überzeugt, tauchten
doch Jahre später aus dem Jahr 1994 - offiziell wurde damals seit
über zwei Jahren Libyen beschuldigt - stammende interne Geheimdienst-
dokumente auf, in denen das PFLP-GC als Lockerbie-Bomber bezeichnet
wurde.

Eine weitere, al-Megrahis Verteidigern nahestehende Quelle sagte:
"Großbritannien und die USA sagten der Welt es war Libyen, aber in
ihrer nicht-öffentlichen Kommunikation gaben sie zu, daß sie wußten,
daß es das PFLP-GC war."

http://www.freace.de/artikel/200508/300805a.html

* * *

Police chief - Lockerbie evidence was faked

MARCELLO MEGA

Sun 28 Aug 2005

A FORMER Scottish police chief has given lawyers a signed statement
claiming that key evidence in the Lockerbie bombing trial was
fabricated.

The retired officer - of assistant chief constable rank or higher -
has testified that the CIA planted the tiny fragment of circuit board
crucial in convicting a Libyan for the 1989 mass murder of 270 people.

The police chief, whose identity has not yet been revealed, gave the
statement to lawyers representing Abdelbaset Ali Mohmed Al Megrahi,
currently serving a life sentence in Greenock Prison.

The evidence will form a crucial part of Megrahi's attempt to have
a retrial ordered by the Scottish Criminal Cases Review Commission
(SCCRC). The claims pose a potentially devastating threat to the
reputation of the entire Scottish legal system.

The officer, who was a member of the Association of Chief Police
Officers Scotland, is supporting earlier claims by a former CIA
agent that his bosses "wrote the script" to incriminate Libya.

Last night, George Esson, who was Chief Constable of Dumfries and
Galloway when Megrahi was indicted for mass murder, confirmed he
was aware of the development.

But Esson, who retired in 1994, questioned the officer's motives.
He said: "Any police officer who believed they had knowledge of any
element of fabrication in any criminal case would have a duty to act
on that. Failure to do so would call into question their integrity,
and I can't help but question their motive for raising the matter
now."

Other important questions remain unanswered, such as how the officer
learned of the alleged conspiracy and whether he was directly involved
in the inquiry. But sources close to Megrahi's legal team believe they
may have finally discovered the evidence that could demolish the case
against him.

An insider told Scotland on Sunday that the retired officer approached
them after Megrahi's appeal - before a bench of five Scottish judges -
was dismissed in 2002.

The insider said: "He said he believed he had crucial information.
A meeting was set up and he gave a statement that supported the long-
standing rumours that the key piece of evidence, a fragment of circuit
board from a timing device that implicated Libya, had been planted by
US agents.

"Asked why he had not come forward before, he admitted he'd been wary
of breaking ranks, afraid of being vilified.

"He also said that at the time he became aware of the matter, no
one really believed there would ever be a trial. When it did come
about, he believed both accused would be acquitted. When Megrahi
was convicted, he told himself he'd be cleared at appeal."

The source added: "When that also failed, he explained he felt he had
to come forward.

"He has confirmed that parts of the case were fabricated and that
evidence was planted. At first he requested anonymity, but has backed
down and will be identified if and when the case returns to the appeal
court."

The vital evidence that linked the bombing of Pan Am 103 to Megrahi
was a tiny fragment of circuit board which investigators found in
a wooded area many miles from Lockerbie months after the atrocity.

The fragment was later identified by the FBI's Thomas Thurman as being
part of a sophisticated timer device used to detonate explosives, and
manufactured by the Swiss firm Mebo, which supplied it only to Libya
and the East German Stasi.

At one time, Megrahi, a Libyan intelligence agent, was such a regular
visitor to Mebo that he had his own office in the firm's headquarters.

The fragment of circuit board therefore enabled Libya - and Megrahi -
to be placed at the heart of the investigation. However, Thurman was
later unmasked as a fraud who had given false evidence in American
murder trials, and it emerged that he had little in the way of
scientific qualifications.

Then, in 2003, a retired CIA officer gave a statement to Megrahi's
lawyers in which he alleged evidence had been planted.

The decision of a former Scottish police chief to back this claim
could add enormous weight to what has previously been dismissed as
a wild conspiracy theory. It has long been rumoured the fragment
was planted to implicate Libya for political reasons.

The first suspects in the case were the Syrian-led Popular Front
for the Liberation of Palestine - General Command (PFLP-GC), a
terror group backed by Iranian cash. But the first Gulf War altered
diplomatic relations with Middle East nations, and Libya became the
pariah state.

Following the trial, legal observers from around the world, including
senior United Nations officials, expressed disquiet about the verdict
and the conduct of the proceedings at Camp Zeist, Holland. Those
doubts were first fuelled when internal documents emerged from the
offices of the US Defence Intelligence Agency. Dated 1994, more
than two years after the Libyans were identified to the world as the
bombers, they still described the PFLP-GC as the Lockerbie bombers.

A source close to Megrahi's defence said: "Britain and the US were
telling the world it was Libya, but in their private communications
they acknowledged that they knew it was the PFLP-GC.

"The case is starting to unravel largely because when they wrote the
script, they never expected to have to act it out. Nobody expected
agreement for a trial to be reached, but it was, and in preparing a
manufactured case, mistakes were made."

Dr Jim Swire, who has publicly expressed his belief in Megrahi's
innocence, said it was quite right that all relevant information
now be put to the SCCRC.

Swire, whose daughter Flora was killed in the atrocity, said last
night: "I am aware that there have been doubts about how some of
the evidence in the case came to be presented in court.

"It is in all our interests that areas of doubt are thoroughly
examined."

A spokeswoman for the Crown Office said: "As this case is currently
being examined by the SCCRC, it would be inappropriate to comment."

No one from the Association of Chief Police Officers in Scotland was
available to comment.

This article:
http://www.scotsman.com/?id=1855852005

Lockerbie:
http://news.scotsman.com/topics.cfm?tid=184

Websites:

Scottish Courts - Lockerbie trial
http://www.scotcourts.gov.uk/library/lockerbie/index.asp

* * *

Frauen und Kinder als US-»Kollateralschäden«
Irak: Schwere Luftangriffe nahe der syrischen Grenze.
Sunniten wollen Bündnis gegen Verfassung

Die USA bomben weiter im Irak. Bei Luftangriffen nahe der syrischen
Grenze hat die Besatzungsarmee am Dienstag mindestens 56 Menschen
getötet. Unter den Opfern seien zahlreiche Frauen und Kinder, sagte
ein Arzt des Krankenhauses im westirakischen Al Kaim. Aus Bagdad
verlautete, daß es sich bei den Getöteten um »mutmaßliche Terroristen«
handelte. Die US-Armee in Falludscha bestätigte die Bombardierung,
erklärte aber, sie habe drei Verstecke von Al Qaida angegriffen. In
der Mitteilung des Militärs hieß es außerdem: »Die Koalitionstruppen
haben alle Vorkehrungen getroffen, um Kollateralschäden so klein wie
möglich zu halten und den Tod von Zivilisten zu verhindern.«

Zwei Wochen vor dem Referendum über den Verfassungsentwurf rief am
Dienstag NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer alle Iraker auf,
sich an der Abstimmung zu beteiligen. Dagegen erklärte von sunnitischer
Seite deren Sprecher Selah Al Motlak am selben Tag, daß sich die
Sunniten mit Gleichgesinnten anderer Volksgruppen gegen die unter
Besatzerrecht entstandene Verfassung verbünden wollen: »Wir wollen
alle vereinen, die gegen den Föderalismus sind.« Dies sei »eine
Angelegenheit aller, die nicht wollen, daß der Irak zerfällt«. Deshalb
wollten die Sunniten schon bald mit Schiiten-Prediger Moktada Al Sadr
verhandeln.

Bereits am Montag abend war ein US-Militärhubschrauber im kurdischen
Norden des Iraks beschossen und zu einer Notlandung gezwungen worden.
Nach Angaben der amerikanischen Besatzer wurden bei dem Vorfall in
Tal Afar ein Soldat getötet und ein weiterer verletzt. In Bagdad fiel
der Polizeichef des Bezirks Ghasalija am Dienstag einem Mordanschlag
zum Opfer. In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurde ein weiterer
Polizeioffizier erschossen, der für den Schutz von Ölförderanlagen
zuständig war. In Samarra starben zwei Polizisten bei einem Selbst-
mordanschlag.

(AP/AFP/jW)

junge Welt vom 31.08.2005
http://www.jungewelt.de/2005/08-31/008.php

* * *

Kinder-Terroristen?
USA bombardieren Al-Qaim

30.08.2005

Wie Al-Jazeera am Dienstag berichtete, sind bei drei Bombardements
nahe der westirakischen Stadt Al-Qaim 47 Menschen, darunter zahl-
reiche Frauen und Kinder, getötet worden.
http://english.aljazeera.net/NR/exeres/26914D3F-489D-449B-9D66-
4F1E59ECB34C.htm

"Unter den Opfern waren Kinder und Frauen und auch zwei Mediziner,
die in eine andere Zentrale verlegt waren, um Opfer des US-Bombar-
dements zu behandeln", sagte Dr. Hamdi al-Alusi, Leiter des Kranken-
hauses von Al-Qaim, gegenüber Al-Jazeera.

In einer veröffentlichten Erklärung behauptete das US-Militär, die
Angriffe hätten sich gegen "Al-Qaida-Mitglieder" gerichtet.

"Geheimdienstinformationen bringen Koalitionsstreitkräfte dazu, zu
glauben, daß Abu Islam und zahlreiche weitere seiner Gefährten bei
dem Luftschlag getötet wurden", so eine Sprecherin des US-Militärs.
Bemerkenswert ist hier sicherlich, daß nicht nur das Bombardement
von drei Häusern allein auf "Informationen" beruhte, sondern selbst
der vermeintliche "Erfolg" nicht vor Ort von Soldaten überprüft
wurde, sondern hierfür eben solche "Informationen" herangezogen
werden. Bemerkenswert ist aber auch, daß die getöteten Kinder von
ihr mit keiner Silbe des Bedauerns erwähnt wurden. Offenbar ist sie
der Ansicht, daß es sich bei ihnen auch um "Terroristen" handelte.

Eine solche Vorgehensweise, bei der ein Militär sich offenbar außer-
stande sieht, selbst die Tötung von "Feinden" direkt zu überprüfen,
scheint nur damit erklärbar, daß dieses Militär die Überlegenheit
am Boden längst eingebüßt hat und sich bei Angriffen allein auf die
weiterhin bestehende Lufthoheit verlassen muß. Dies erinnert sicher-
lich nicht zufällig an die Vorgehensweise der sowjetischen Armee in
Afghanistan, die allerdings durch von den USA gelieferte Boden-Luft-
Raketen (SAMs) vernichtend gebrochen wurde.

Tatsächlich setzte das US-Militär mit diesen Bombardements nur die
Erfüllung einer bereits am Samstag ausgesprochenen Drohung fort.

http://www.freace.de/artikel/200508/300805b.html

* * *

Wieder schwere Kämpfe im Irak
Zahlreiche Menschen getötet

28.08.2005

In den vergangenen Tagen ist es im Irak mehreren Berichten zufolge
offenbar zu schweren Kämpfen gekommen, die auf beiden Seiten, aber
auch unter der Zivilbevölkerung, zahlreiche Opfer gefordert haben.

So berichtete Al-Jazeera am Samstag, daß Kämpfe in der nahe der
Grenze zu Syrien gelegenen Stadt Al-Qaim bei Kämpfen mindestens
20 Menschen getötet und dutzende verwundet worden sind.

Hassan Jasim, ein Bewohner der Stadt, sagte gegenüber Al-Jazeera,
US-Streitkräfte hätten die Einwohner über Lautsprecher aufgefordert,
die Stadt zu verlassen, da es zu schweren Bombardements durch die
US-Luftwaffe kommen würde.

"US-Soldaten haben einen grausamen Angriff auf die Stadt begonnen
und eine große Zahl von Menschen wurde getötet und verletzt", so
Jasim. "Das Bombardement begann vor einer halben Stunde." Hierdurch
sei die Wasser- und Stromversorgung unterbrochen worden. "Die Straßen
sind voll mit den getöteten und verwundeten Menschen und niemand
kann sie aufgrund der Kämpfe erreichen oder ihnen helfen", sagte er.

In einer kaum beachteten Meldung hatte Reuters am vergangenen Dienstag
berichtet, daß in der Stadt Ar-Ramadi US-Soldaten in kurzer Folge mit
drei Autobomben angegriffen worden sind.

Das erste Auto explodierte, als ein US-Konvoi in der Stadtmitte daran
entlang fuhr. Dabei wurde nach Angaben der "Polizei" der Stadt ein US-
Militärfahrzeug "beschädigt". Reuters lagen keinerlei Informationen
vor, ob hierbei US-Soldaten verletzt oder getötet worden sind.

Nur wenige Minuten später wurde ein von US-Soldaten "häufig besetztes"
Haus in einem Industriegebiet am Rande der Stadt von einem mit
Sprengstoff beladenen Lastwagen gerammt, woraufhin ein Teil des Hauses
einstürzte. Auch hier gab es Reuters zufolge keine Informationen über
Opfer.

Als US-Soldaten kurz darauf ankamen, um den Opfern dieser zweiten
Explosion zu helfen - ein klarer Hinweis, daß sehr wohl zu Opfern
unter den US-Soldaten gekommen ist - explodierte dort eine weitere
Autobombe.

Das US-Militär hat für den 23. August bisher nur einen in Ar-Ramadi
getöteten US-Soldaten gemeldet. Dieser wurde demnach von einem
Scharfschützen erschossen.

Der "Bericht des irakischen Widerstands" ist sicherlich ebenso als
Propaganda anzusehen wie Verlautbarungen des US-Militärs, der Bericht
für den 23. August deckt sich allerdings in weiten Teilen sehr genau
mit der Reuters-Meldung, allerdings ereigneten sich danach noch zwei
weitere Bombenangriffe.

Demnach wurde durch die erste Autobombe ein US-Humvee vollständig
zerstört, als das Fahrzeug auf der Hauptstraße inmitten eines US-
Konvois gelenkt und dort zur Explosion gebracht wurde. Der Bericht
spricht allerdings von 5 getöteten US-Soldaten.

Die zweite Bombe traf dem Bericht zufolge ein Gebäude in der Nähe des
Industriegebiets im östlichen Teil der Stadt, das von den US-Soldaten
als örtliches Hauptquartier benutzt wurde. Ein Widerstandskämpfer
habe ein großes Fahrzeug vorbei an den Betonbarrikaden in den Hof des
Gebäudes gelenkt und dort zur Explosion gebracht, berichteten Anwohner.
Das Gebäude sei durch die Explosion vollständig zerstört worden. Zu
dem Zeitpunkt hätten sich über 20 US-Soldaten in dem Gebäude aufge-
halten.

Bei der dritten Bombe handelte es sich nach Darstellung des Berichts
um einen Tanklastwagen, der inmitten von US-Soldaten, die gekommen
waren, um den Opfern des vorangegangenen Angriffs zu helfen, explo-
dierte. Augenzeugen zufolge wurden dabei etwa 25 weitere US-Soldaten
verwundet oder getötet.

Der vierte Angriff erfolgte wiederum auf der Hauptstraße, dieses Mal
nahe dem östlichen Ortsende. Dort wurde Augenzeugenberichten zufolge
ein US-Konvoi, der auf dem Weg zum Ort der vorangegangenen beiden
Explosionen war, mit einer Autobombe angegriffen. Das Fahrzeug habe
die Spitze des Konvois gerammt und zwei Humvees zerstört. Hierbei
seien 5 US-Soldaten getötet und 3 weitere verletzt worden.

Am Nachmittag schließlich wurde dem Bericht zufolge dann im Westen
der Stadt ein weiterer US-Konvoi angegriffen. Das mit Sprengstoff
beladene Fahrzeug zerstörte demnach einen US-Truppentransporter,
wobei alle Soldaten am Bord getötet worden seien, so ein Sprecher
der "irakischen Armee", Hauptmann Husayn Abd al-A'immah.

Den Berichten der Folgetage nach wurde am Mittwoch ein US-Kontroll-
posten mit einer Autobombe angegriffen, wobei 9 US-Marines getötet
wurden. Am Donnerstag dann wurde ein US-Transporthubschrauber vom
Typ CH-47 "Chinook" abgeschossen worden, während er "eine große Zahl"
von US-Soldaten transportierte.

Auch wenn die "Berichte des irakischen Widerstands" mit Skepsis zu
behandeln sind, so scheint es doch mindestens ebenso unglaubwürdig,
daß bei den auch von Reuters gemeldeten drei Bombenangriffen weder
US-Soldaten getötet noch verletzt worden sein sollen. Sollte es
sich bei dem zerstörten Gebäude tatsächlich um ein "Hauptquartier"
gehandelt haben, so erschienen die in dem Bericht genannten Zahlen
andererseits durchaus glaubhaft.

http://www.freace.de/artikel/200508/280805a.html

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