CL Startseite
Termine
Über uns
Das /CL-Netz
KuNM e.V.
Uns unterstützen
Impressum
Teilnehmen
Anmelden
Schreiben
Angenehmer lesen
RSS
Kontakt
/CL bei G+
Links
/CL-Netz Online-Medien Radio Fernsehen Zeitungen & Zeitschriften Wissen Mehr Links
Auswahl: [Nordamerika]
Greenhouse/JPBerlin <greenhouse ät jpberlin.de>4. Sep 2005 20:54

Fw: [Z-Net] US-Gruene: "Die Regierung verweigerte Hurrikan-Opfern Wasser und Nahrung"


http://www.zmag.de/artikel.php?id=1566

Die Dom-Menschen

von Mitchel Cohen*

ZNet 03.09.2005

Les Evenchick, ein unabhängiger Grüner aus New Orleans, lebt in einem dreigeschossigen Gebäude des French Quarter. Les berichtet, rund 90 Prozent der sogenannten "Plünderer" seien Leute, die sich Wasser, Lebensmittel, Windeln und Medizin nehmen, da Bundes- bzw. Landesregierung ihnen die Grundversorgung verweigern.


Les: "Die Nichtplünderer - Alte, Kranke und Kinder - überleben nur dank der Plünderer".

Jene, die TV-Geräte und andere größere Nichtnotfall-Waren klauen, verkauften sie, so Les, weil sie das Geld brauchen, um die Gegend zu verlassen (Les hat einige dieser "Deals" mit eigenen Augen gesehen).

Über Folgendes sollten wir uns im klaren sein:

- Man hatte den Leuten gesagt, verlasst die Gegend. Gleichzeitig nahm man sämtliche Bushaltestellen schon in der Nacht vor dem Hurrikan außer Betrieb und schickte die Mitarbeiter heim zum packen.

- Viele Menschen hätten sich das Busticket ohnehin nicht leisten können.

- Viele sind gestrandet, andere wollten ihre Tiere und ihr Haus, usw. nicht im Stich lassen. Viele hatten kein Auto.

Man will, dass die Leute mit plündern aufhören? Okay, dann muss man ihnen zu essen geben und die Möglichkeit, die Gegend zu verlassen.

Touristen aus dem Monteleone Hotel zahlten 25.000 Dollar für 10 Busse. Die Busse kamen zwar (ich nehme an, für zahlende Kundschaft standen jede Menge Busse bereit), wurden aber vom Militär konfisziert - nicht etwa zum Abtransport der Menschen im Dom sondern für militärische Zwecke. Die Touristen konnten nicht abreisen. Das Militär schickte sie ins berüchtigte Convention Center.

Wie einfach wäre alles gewesen, hätten Bundesstaat und/oder Regierung Busse bereitgestellt, bevor der Hurrikan zuschlug - oder im Verlauf der letzten Woche. Für die Evakuierung von 100 000 Eingeschlossenen hätte man 3000 Busse gebraucht. Das sind weniger, als anlässlich unserer großen Friedensdemonstrationen nach Washington fahren. Und selbst wenn jede Fuhre wirklich 2.500 Dollar kostete - simple Wegelagerei - 7,5 Millionen Dollar hätten ausgereicht, um alle, die es nicht aus eigener finanzieller Kraft schaffen, aus der Region zu evakuieren.

Man hat es nicht getan. Sehen Sie sich die humanitären und ökonomischen Folgekosten an!

Aber warum hat man es nicht getan?

Am Mittwoch versuchten Aktivisten der Green Party, große Mengen Wasser in den Superdome zu bringen. Sie wurden nicht durchgelassen - wie viele andere. Warum wurden Nahrung und Wasser nicht zu den Zehntausenden Armen durchgelassen?

Am Donnerstag dienten der Regierung einige vereinzelte Schüsse (es gab zwei oder drei Vorfälle) als Entschuldigung. In New York City kommen an einem durchschnittlichen Tag 50-mal mehr Schießereien vor. Aber die Schüsse dienten als Rechtfertigung, um die freiwilligen Rettungsoperationen zu blockieren und nach 5000 Nationalgardisten zu rufen - voll bewaffnet und mit "shoot to kill"-Order. Von den immensen ökonomischen Kosten ganz zu schweigen.

Am Donnerstag wurde sogar jenen freiwilligen Helfern, die in den Tagen zuvor über 1000 Menschen mit Booten gerettet hatten, ihre Arbeit verboten. Die vereinzelten Schüsse (wer weiß, wer sie abgefeuert hat) dienten als Erklärung: "Es ist zu gefährlich". Die Freiwilligen glaubten nicht an Eigengefährdung und wollten die Rettungsoperationen fortsetzen. Sie wurden mit vorgehaltener Waffe "überzeugt", "aufzuhören und aufzugeben".

Wir haben es hier mit etwas Finstererem zu tun als bloßer Inkompetenz und Schlamperei.

Oder wie kommt es, dass FEMA und Homeland Security es nicht schafften, etwas so Grundlegendes wie Trinkwasserflaschen in den Superdome zu bringen? Trinkwasser in Flaschen war seit langem Bestandteil der Hurrikan-Notfallplanung. Ein Polizist, der 120 Leute unter sich hat, sagte gestern, seiner Einheit stünden lediglich 70 kleine Wasserflaschen für den Eigenbedarf zur Verfügung.

Vor zwei Jahren hatten sich die Bürger von New Orleans erfolgreich gegen die Privatisierung ihrer Trinkwasserversorgung gewehrt. New Orleans war die einzige Region in Louisiana, in der die Bürger sehr massiv gegen die Kandidatur von George Bush stimmten. Es gab auch massiven Widerstand gegen eine von Shell Oil geplante Flüssiggasanlage und (leider vergeblichen) Widerstand gegen den Abriss städtischen Wohnraums. Sowohl was Shell als auch die Vernichtung städtischen Wohnraums angeht, hatte sich Bürgermeister Ray Nagin auf die andere Seite gestellt - auf die Seite der Ölkonzerne und der Stadtplaner.

Eine der ersten Aktionen von Gouverneurin Kathleen Blanco (übrigens eine Demokratin) in dieser Krise war es, das Trinkwasser abzustellen. Auf diese Weise sollten die Menschen zum Verlassen der Stadt gezwungen werden. Gesundheitliche Gründe für die Kappung der Trinkwasserversorgung gab es nicht. Das Wasser kommt aus dem Mississippi (ein separates System), mit dem verseuchten See Pontchartrain hat es nichts zu tun. Das Wasser wird in Anlagen gereinigt, die mit eigenen Generatoren arbeiten und nicht vom allgemeinen Stromnetz abhängig sind. Im Bedarfsfall hätte man die Menschen immer noch anweisen können, ihr Wasser abzukochen. Seltsam, die städtische Gasversorgung in den Haushalten (Herde) funktionierte noch bis Donnerstagnacht einwandfrei!

Tausende Menschen in New Orleans wollten nicht gehen, weil sie ihre Tiere oder ihr Haus nicht im Stich lassen wollten oder weil sie schlicht kein Geld hatten bzw. keinen Ort, wo sie hingehen konnten. Die Regierung hätte den Bürgern Wasser und Nahrung zur Verfügung stellen können und müssen. Sie tat es bewusst nicht, um die Leute durch Aushungern zum Verlassen der Stadt zu bewegen. Ein Verbrechen, wie es schlimmer kaum sein könnte.

Wir müssen uns über Folgendes im klaren sein: Von Anfang an wäre es möglich gewesen, Wasser und Lebensmittel zum Convention Center zu fahren. Die Straßen waren frei. Die Nationalgarde kam auf diesen Straßen in die Stadt.

Lassen Sie es mich klar sagen: Bevor die Nationalgarde am Freitag einmarschierte, hatte die Regierung ganz bewusst die Verteilung von Wasser und Nahrung untersagt.

Das ist die Wahrheit.

MSNBC interviewte Dutzende, die es aus der Stadt geschafft hatten. Sie waren alle weiß.

Die Armen (die meisten Armen sind schwarz, aber es gibt auch zahlreiche arme Weiße dort) dürfen den Superdome endlich verlassen. Die Zustände waren einfach fürchterlich. Viele werden mit Bussen in den AstroDome von Houston transportiert.

Nennen wir sie einfach die "Dom-Menschen".

Aber falls die Nationalgarde auf Widerstand stößt und die Menschen sich weigern, gegen ihren Willen abtransportiert zu werden - wird New Orleans dann in die Geschichte eingehen als das erste Schlachtfeld in der neuen Amerikanischen Revolution?


* Mitchel Cohen, Brooklyn Greens/Green Party von New York, Mitherausgeber der grünen Zeitung "G".


Übersetzt von: Andrea Noll

Orginalartikel: "People of the Dome"
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=72&ItemID=8652


ZNet > US-Gesellschaft > Hurrikan Katrina
http://www.zmag.de/thema.php?topic=12&subtopic=3

Kommentare
Bisher keine Antworten oder Kommentare.
Auswahl: [Nordamerika]