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Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>23. Sep 2010 19:45

Stoppt die JNF Kampagne im Negev!


Ein Beduinendorf im Süden Israels 5 Mal zerstört -
Menschenrechtsorganisationen und soziale Aktivisten protestieren:
Stoppt die JNF Kampagne im Negev!

Bis 1948 gab es kaum jüdische Siedlungen im Negev, der Wüstenregion im
Süden Israels; Schätzungen über die beduinische Bevölkerung vor der
Staatsgründung sprechen von 65'000 bis 110'000 Menschen. Nach dem Krieg
waren nur noch wenige innerhalb der neuen Staatsgrenzen geblieben; zu
Beginn der sechziger Jahre ist die Rede von 11'000.

Einige wenige jüdische Siedlungen wurden auf Land gegründet, das der
Jüdische Nationalfonds (JNF/KKL) von Beduinen abgekauft hatte. Sowohl die
ottomanische wie die britische Regierung, als auch die Landexperten vom
JNF, erkannten das beduinische Landrecht an, obschon allen klar war, daß
die amtliche Registrierung nur wenige Landstücke umfaßte.

Durch verschiedene Gesetze in den ersten Jahren nach Staatsgründung
verloren die Beduinen fast gänzlich ihr Land. Seit Beginn der 70er Jahre
begannen beduinische Bürger, ihr Land zurückzufordern, aber in den
allermeisten Fällen wurde nichts erreicht. Es ist wichtig festzuhalten,
daß es in all diesen Kämpfen und Auseinandersetzungen, die zu großer Pein
führten und ein bitteres Gefühl der Diskriminierung erweckten, um nicht
mehr als 6% oder 7% des Landes im Negev geht - der kleine Rest, den die
Beduinen immer noch reklamieren.

Das beduinische Dorf Al-Arakib, wenige Kilometer nördlich von Be'er
Sheva, war die Siedlungs-region von vielen Beduinen vor der israelischen
Staatsgründung. Seine Wurzeln befinden sich im Friedhof in der Nähe; der
beduinische Grund-besitz ist durch Gerichtsverhandlungen, Gerichtsakten,
Kaufbriefe, Steuerzahlungen und die lokale Tradition bezeugt. Anfang der
50 Jahre, kurz nach Gründung des Staates wurden die Beduinen
aufgefordert, die Region zu verlassen - mit dem Versprechen, daß sie nach
kurzer Zeit wieder zurückkommen könnten. Immer wieder wurde das jedoch
auf die lange Bank geschoben.

Die Beduinen von Al-Arakib haben förmlich ihr Land zurückgefordert; das
Land ist unbesiedelt - keine jüdische Siedlung wurde darauf errichtet.
Vor etwa zehn Jahren, nach-dem sie 50 Jahre lang abgewartet hatten,
kehrten sie zu ihrem Dorf zurück, denn sie fürchten, daß wenn sie ihr
Land nicht selbst bebauten, es für immer verloren und unwiderruflich
enteignet sein würde. Heute hat das Dorf ungefähr 300 Bewohner, ohne
Wasserleitung, ohne Stromanschluß oder sonstige Infrastruktur - als ein
unter der 45 "nichtanerkannten" Dörfer im Negev.

Obschon vor Gericht die Besitzverhältnisse noch nicht entschieden sind,
übertrug die staatliche Behörde das Land dem Jüdischen Nationalfonds
(JNF) zum Aufforsten. Ein einseitiges Aufforsten schafft Fakten. Hinter
dem schönen Slogan, "Die Wüste zum Erblühen bringen", versteckt sich die
Absicht, den ursprünglichen Einwohnern des Negevs ihr Land wegzunehmen
und die Region, die von den Beduinen schon landwirtschaftlich bearbeitet
wurde, unfruchtbar zu machen. Die beduinische Landwirtschaft in Al-
Arakib ist den lokalen Verhältnissen angemessen, wogegen zum Fall der
JNF-Wälder der israelische Land-wirtschaftsminister im Parlament
öffentlich zugab (am 3.3.2010), daß die Aufforstung zum Ziel hat, das
Land zu beherrschen und daß die Bäume später vielleicht wieder
ausgerissen würden. Genauso geschah es in nächster Nähe, um die
Erweiterung der neugegründeten jüdischen Mittelstandssiedlung Giv'ot Bar
zu ermöglichen.

Im Versuch, die Beduinen zu entmutigen, bespritzte der Staat die Felder
aus Flugzeugen mit Chemikalien, und dazu auch noch das Dorf selber. Die
giftigen Pestizide haben ökologischen und gesundheitlichen Schaden
angerichtet, bis der Oberste Gerichtshof diese Praxis im Jahre 2003
untersagte. Seither versucht der Staat durch Pflügen und Aufforstung die
Beduinen daran zu hindern, ihr Land zu kultivieren.

Dieser Konflikt erreichte nun seinen Höhepunkt mit der wiederholten
kompletten Zerstörung des Dorfes Al-Arakib seit dem 27. Juli. Bis heute,
dem 15.9.2010, wurde das Dorf fünfmal dem Erdboden gleichgemacht.
Hunderte von Kindern, Frauen und Männern blieben ohne Obdach in der
brennenden Sonne des Negevs in der heißesten Zeit des israelischen
Sommers. Menschenrechtsorganisationen und Presse sowie auch verschiedene
israelische Intellektuelle haben protestiert, darunter berühmte
Schriftsteller (Petition in Haaretz, 13.9.2010). Inzwischen wird
berichtet, daß die US-Branche der JNF Gelder in die Gründung neuer
jüdischer Siedlungen investiert - viele davon, wie Giv'ot Bar, auf
Ländern, die Beduinen beanspruchen.

Bäume sind ein mächtiges Symbol, sowohl für Araber wie für Juden; sie
sind Symbol für Leben und Fruchtbarkeit. Der Negev soll erblühen - aber
im Interesse aller seiner Einwohner, ohne Diskriminierung und ohne
Enteignung. Es ist kaum unvorstellbar, daß JNF-Spender wissen, daß die
Bäume, die in ihrem Namen gepflanzt werden, dazu benutzt werden, um die
ursprünglichen BewohnerInnen des Negevs, die Beduinen, zu enteignen.

Wir bitten Sie, gegen die Aufforstungsbestrebungen in Al-Arakib zu
protestieren und vom JNF zu verlangen, sein Engagement in der Kampagne
gegen die Beduinen zu stoppen, eine Kampagne, die die Beziehungen
zwischen Arabern und Juden im Negev zum Eskalieren bringen wird.

Was können Sie tun?

- Schicken Sie Protestbriefe an die KKL in ihrem Land:
(Liste: http://www.kkl.org.il/kkl/english/top_toolbar/kkl_offices/office_addresses/officesaddresses.x) und an die israelische Botschaft.

- Unterschreiben Sie die Petitionen: Amnesty International hat eine
Petition lanciert, die sich an die israelische Staatliche
Landverwaltung richtet (
http://www.amnesty.org/en/appeals-for-action/end-demolition-bedouin-
homes-southern-israel ); die Jewish Alliance for
Change hat eine andere Petition initiiert, die sich an den israelischen
Premierminister richtet (
http://humanrights.change.org/petitions/view/
end_the_destruction_of_bedouin_villages_in_israel )

- Schicken Sie diesen Brief weiter!

Negev Coexistence Forum for Civil Equality
info ät dukium.org

Tarabut - Hit'habrut - Arab-Jewish Movement for Social & Political Change
tarabut ät gmail.com

Kontakt auf Deutsch: Gadi.Algazi ät gmail.com
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