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Auswahl: [Kurdistan]
Kurdistan Infos <kigb ät gmx.de>10. Dec 2009 00:09

news: 9.12.2009

## Nachricht zur Information/Dokumentation weitergeleitet


*Aktionen gehen weiter ? trotz 10 Tagen Repression*

Die Bilanz der letzten zehn Tage Protest ist schwerwiegend. Um gegen die
Verschlechterungen der Haftbedingungen Abdullah Öcalans, gegen die
Repression und Unterdrückungspolitik des türkischen Staates und das
drohende DTP-Verbot zu protestieren, versammelten sich in vielen Städten
täglich viele tausend Menschen. Fast immer setzte die Polizei gegen die
DemonstrantInnen Tränengas, Pfefferspray, Wasserwerfer ein und an
einigen Orten wurde von der Polizei auch scharf geschossen. Gegen die
Angriffe wurde mit Steinen Widerstand geleistet. In Amed wurde der
Student Ayd?n Erdem (23) von Polizeikugeln getötet. In Van, A?r?,
Hakkari, Batman, Siirt, ??rnak, Mardin, Urfa, Bingöl, ?zmir, ?stanbul,
Adana und Mersin stattfindenden Auseinandersetzungen wurden bis jetzt,
Kinder eingeschlossen, 768 Personen in den letzten 10 Tagen fest- 134
davon in Untersuchungshaft genommen. Hunderte wurden verletzt. Immer
wieder versuchten türkische Nationalisten, angestachelt von der
antikurdische Hetze, kurdische Vereine, DTP Büros und KurdInnen im
Allgemeinen anzugreifen.

Dennoch gingen auch am Dienstag vielerorts die Proteste weiter. In
vielen Städten gab es Demonstration, Straßenschlachten wie z.B. in
?emdinli, Hakkari und Antalya und vielerorts auch militante Angriffe. In
Saray, Kars und Ardahan gab es ebenfalls Demonstrationen und Kundgebungen.

BA?KALE
In Ba?kale in der Provinz Wan öffneten am Dienstag die Läden aus Protest
nicht. Es versammelten sich mehrere hundert Menschen zu einer
Protestdemonstration. Die Polizei griff die Demonstration mit
Tränengasgranten an. Aus dem Angriff entwickelte sich eine
Straßenschlacht, bei der zwei Personen von einer Gasgranate am Kopf
getroffen wurden. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht.
Polizei und Militär bezogen an der Ortsgrenze Stellung und hinderten
weitere DemonstrantInnen an der Teilnahme.

Während die Kämpfe andauerten, machte die DTP eine Kundgebung auf der
Straße zwischen Wan und Hakkari, auf der sie den Polizeiangriff
verurteilte. Der Kreisvorsitzende der DTP Dervi? Polat erklärte, dass
sich die Bevölkerung durch solche Angriffe nicht einschüchtern lassen
werde.

?EMDINLI
Seit drei Tagen dauern die Straßenschlachten und Proteste in ?emdinli in
der Provinz Hakkari an. Soldaten rückten in das Stadtzentrum vor und
griffen die Protestierenden an. 7 Personen wurden festgenommen, 4 davon
sind mittlerweile in Untersuchungshaft.
http://www.yuksekovahaber.com/video/semdinli-savas-alani-294.htm

ANTALYA
Hunderte kurdische Jugendliche protestierten in Antalya. Als die Polizei
eingriff kam es zur Straßenschlacht. Die Jugendlichen bauten Barrikaden
aus Mülleimern und warfen Steine auf die Polizei. Die Polizei setzte
Tränengas und Panzerfahrzeuge ein.

KARS
Angriff mit Molotowcocktails auf ein AKP-Büro, es entstand Sachschaden.

URFA
Die apoistische Jugend hat in Urfa gestern Nacht eine große Zahl von
Aktionen mit Molotowcocktails durchgeführt. Unter anderem griff sie zwei
Banken an.

Quelle: ANF, 08.12.2009, ISKU




*Hakkari: Polizeiübergriffe und Straßenkämpfe*

Auch am 8. Tag dauern die Straßenschlachten in Hakkari an. Wieder
beteiligten sich Hunderte jugendliche Mädchen und Jungen an
Straßenschlachten und am Barrikadenbau im Medrese Stadtviertel von
Hakkari. Die Polizei greift die Jugendlichen einerseits mit Tränengas
und Wasserwerfern an und versucht sie andererseits als Demonstranten
verkleidet in einen Hinterhalt zu locken. Dabei riefen die Polizisten
auch Parolen für Öcalan und warfen teilweise auch Steine.

Die Auseinandersetzungen, bei denen auch Überwachungskameramasten
zerstört wurden (siehe Video) dauern an. Es gab eine große Zahl
verletzter Polizisten, da die Polizei aus Versehen in die eigenen als
Demonstranten verkleideten Einheiten Gasgranaten schoss. Die
Zivilpolizisten forderten sofort per Funk, dass der Beschuss auf sie
gestoppt werden müsse.

Da die Polizisten keine DemonstrantInnen festnehmen konnten, begannen
sie kurdische Frauen, die sie antrafen sexistisch zu beleidigen und zu
verprügeln. An einigen Orten im Viertel finden sich die Blutspuren
dieser Übergriffe, auch an Schuhen, die von den Festgenommenen und
Zusammengeschlagenen zurückgeblieben sind. Die 55-jährige Fatma A., die
von der Polizei zusammengeschlagen wurde, berichtet: ?Als ich Müll
rausbrachte griffen mich die Polizisten, die ins Viertel eindrangen, mit
Knüppeln an und brachen meinen Arm. In unsere Häuser warfen sie
Gasgranaten.? Eine Jugendliche erklärte: ?Die Polizisten drangen ins
Stadtviertel ein und griffen die Frauen mit Knüppeln an. Wir wollen
diese Ungerechtigkeit nicht mehr. Es reicht. Egal ob Frau oder Kind, sie
ziehen alle aus den Häusern raus? Wir werden alle zur Direktion gehen
und es zur Sprache bringen. Entweder bringt uns alle um oder hört damit
auf.?

Die Augenzeugin ?ükrü K. berichtet: ?Sie nahmen ein Frau und
beschimpften sie aufs übelste. Ich ging auch raus. Ich dachte, weil ich
alt bin tun sie mir nichts und sagte, sie sollen diese Beschimpfungen
unterlassen. Dann schossen mir eine Gasgranate gegen mein Bein. Das was
wir heute Abend gesehen habe, hat man nicht einmal in Palästina erlebt.
Es ist unerträglich, wie weit sie gehen. Sie holen kleine Kinder aus den
Häusern und verfrachten sie in ihre Panzer. Dann sagen sie dem Richter,
sie hätten an Aktionen teilgenommen. Aber sie haben sie vor unseren
Augen aus den Häusern geholt.?

Der Sprecher vom Menschenrechtsverein IHD Ismail Akbulut, der Augenzeuge
des Geschehens war, erklärte, dass er morgen zu den Übergriffen durch
Zivilpolizisten auf Frauen eine Presseerklärung machen würde.

Videos zu den heutigen Ereignissen in Hakkari:
http://www.hakkarihabertv.com//haber/hakkaride_olaylar_8_gunune_girdi.asp
<http://www.hakkarihabertv.com/habe/hakkaride_olaylar_8_gunune_girdi.asp>

http://www.yuksekovahaber.com/video/hakkaride-gerginlik-bitmiyor-295.htm

Quelle: ANF, 08.12.2009, ISKU




*Ayd?n Erdem von mehr als 10.000 Menschen zu Grabe getragen*

Der von der Polizei in Amed/Diyarbakir erschossene Ayd?n Erdem, wurde
von 10.000 Menschen unter ?Rache? Rufen zu Grabe getragen. Der Onkel von
Ayd?n. Zeki Erdem erklärte: ?Einer geht, Tausende kommen. Ayd?n ist ein
Märtyrer des kurdischen Volkes.?

Bei der Autopsie von Erdem kam heraus, dass er aus nächster Nähe mit
einem Schuss getötet worden war. Nach Augenzeugenberichten, tötete ihn
ein Polizist mit einem gezielten Schuss.

Ein 17-jähriger Augenzeuge sagte aus: ?Die Demonstranten warfen Steine
auf die Polizei. Die Polizei erwiderten mit Schusswaffen. Zwischen der
erschossenen Person und dem schießenden Polizisten gab es nur einen
geringen Abstand. Der Zivilpolizist richtete die Waffe auf ihn und
schoss.? Ein anderer Augenzeuge sagte aus: ? Der Tod dieses jungen
Mannes ist kein Zufall, die Polizei schoss absichtlich.?

Die DTP hatte zuvor eine Demonstration mit mehreren 10.000
TeilnehmerInnen gegen die Verschlechterung der Haftbedingungen von
Abdullah Öcalan durchführen wollen. Doch die Behörden verboten die
Demonstration und griffen die Menschenmenge an. Vor dem AKP-Büro wurde
der 23-Jährige mit einem Schuss in den Rücken getötet. Er wurde seinen
KommilitonInnen und DTPlerInnen aus der Leichenhalle abgeholt. Der
Körper von Ayd?n wurde in einem aus mehreren hundert Autos bestehenden
Konvoi in seine Heimatstadt K?z?ltepe gebracht und dort von der
Bevölkerung und seinen Angehörigen in Empfang genommen. Bei der
Beerdigungszeremonie, an der mehr als 10.000 Menschen teilnahmen,
sprachen mehrere DTP-BürgermeisterInnen und Abgeordnete. Nach der
Beerdigung legten viele Nelken auf dem Grab nieder.

Der Kreisvorsitzende der DTP von Diyarbak?r, F?rat Anl?, erklärte auf
der Beerdigung: ?Seit sechs Monaten sprechen sie von Öffnung. Bei der
Öffnung ist für das kurdische Volk nur Tod und Folter herausgekommen.
Jeder soll wissen, dass sich die KurdInnen nicht mehr fürchten und nicht
mehr betrogen werden können.?

Die Literaturfakultät der Dicle-Universität reagierte mit einem
3-tägigen Streik auf die Ermordung ihres Kommilitonen.

Quelle: ÖP, 08.12.2009, ISKU


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