ND: Zu Irak-Politik
Neues Deutschland: Zu Irak-Politik
Berlin (ots) - Ministerpräsident Nuri al-Maliki pfiff gestern sehr
laut im dunklen Wald, denn er sprach von einem Tag der Souveränität
für sein Land Irak. Auch die US-»Partner« waren nicht kleinlich im
Selbstlob bei der offiziellen Übergabe der »Grünen Zone« an die
Bagdader Regierung. Maliki erklärte den 1.Januar deshalb gleich zum
Nationalfeiertag. Nun ist die Grüne Zone kein Wald und kein
Pressekonferenz-Saal, sondern eine waffenstarrende Festung, und so
gab es für diese Verheißung weder verbale An- noch handfeste
Schuhwürfe von den aus sicherer Entfernung Angesprochenen.
Was da verkündet wurde, war eine durchaus schöne Vision, aber leider
mit dem Glaubwürdigkeitswert eines Märchens aus Tausendundeiner
Nacht. Denn es soll künftig tatsächlich so sein, dass die
US-Besatzer, außer wenn sie angegriffen werden, immer erst die Iraker
um Erlaubnis fragen, wenn sie im Lande bomben, schießen oder auch nur
verhaften wollen. Sein Amtskollege in Afghanistan könnte Maliki
erzählen, was bei der US-Army alles unter Selbstverteidigung fällt.
Deren Opfer können es nicht mehr.
Der angehende Präsident Obama müsste seinen Truppen schon einen
kompletten Mentalitätswechsel verordnen. Geschähe das und gelänge er
auch noch, hätten die Iraker wirklich etwas zu feiern und die
Historiker ein Novum in der US-Geschichte. Doch die Zweifel daran
sind sehr, sehr groß.
Originaltext: Neues Deutschland
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