Ein Sprachrohr für palästinensische Jugendliche
Kölner Fotoausstellung „Inside Out“ dokumentiert Alltag in Bethlehem
Köln/Bethlehem - „Ich kann nicht anders als schreien, angesichts dieser
Barrieren, die jeden Tag zu einem Kampf machen. Ich bin Palästinenser,
aber sie sagen mir das stimme nicht, wegen meines israelischen Ausweises
“, kommentiert der Jugendliche Sara sein Foto, auf dem er sich schreiend
gegen eine Glaswand drückt. Das Foto ist Teil der Ausstellung „Inside
Out“, welche seit vergangenem Samstag im Lichthof des Rathauses Spanischer
Bau in Köln zu sehen ist.
Das Gesicht von Sara spiegelt eine Mischung aus Zorn und Verzweiflung
wider. „Dieses Gefühl gehört zum Alltag der palästinensischen
Jugendlichen. Sie sind staatenlos und werden von einer Mauer eingeengt,
welche die Stadt Bethlehem von Jerusalem trennt. Viele von ihnen stehen
ihrer Lebenslage ohnmächtig gegenüber, viele von ihnen haben das Gefühl,
keinen Einfluss zu haben und vergessen zu werden“, so die Initiatorin der
Fotoausstellung „Inside Out“, Ingeborg Tiemann. Die deutsche Fachkraft im
Zivilen Friedensdienst der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe
(AGEH)
http://www.ageh.de arbeitet an der Universität Bethlehem. Gemeinsam
mit den Studenten und dem Fotografen Andrea Merli besuchte sie das
Bethlehemer Flüchtlingslager Aida und bat die dort lebenden Jugendlichen,
sich so fotografieren zu lassen, wie es ihren Gefühlen entspricht –
anschließend sollten sie einen erklärenden Text verfassen.
“Für mich als Fachkraft im Zivilen Friedensdienst der AGEH sind politische
und religiöse Konflikte erst einmal ein natürlicher Bestandteil jedes
gesellschaftlichen Zusammenlebens. Das Ziel ist es nicht, Konflikte zu
unterdrücken oder zu vermeiden, sondern sie gewaltfrei und konstruktiv zu
bearbeiten“, so Tiemann. Eine nachhaltige Konfliktbearbeitung könne aber
nur dann funktionieren, wenn die Betroffenen durch Introspektion ihre
erlebten Gefühle und Gedanken zunächst ganz bewusst wahrnehmen.
Für Jugendliche sei eine solche Möglichkeit des gewaltlosen Ausdrucks ein
entscheidendes Erlebnis. Es ist daher als Zeichen der Hoffnung zu werten,
dass sich die jungen Palästinenser trotz anfänglichen Widerstandes dazu
überwinden konnten, ihre Gefühle verbal und visuell nach außen zu kehren.
„Viele sind das in ihrem Alltag nicht gewohnt. Doch ihr Enthusiasmus stieg
im Laufe des Projektes zunehmend an. Wir hoffen, dass sie einen
vergleichbar friedvollen Umgang mit Konfliktsituationen beibehalten und
ausbauen und dieses Verständnis in ihrem Privat- und Berufsleben
verbreiten. Das Projekt stürzt die Mauer zwar nicht ein, aber es bricht
ihre bedrohlich Stille“, so Tiemann abschließend.
Die Ausstellung ist bis zum 30. Oktober 2008 geöffnet: montags, mittwochs
und donnerstags von 8 bis 16 Uhr, dienstags von 8 bis 18 Uhr sowie
freitags von 8 bis 12 Uhr im Lichthof des Rathauses Spanischer Bau,
Rathausplatz, 50667 Köln.
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