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Auswahl: [Europa]
Sabine Ellersick <sabine.ellersick ät nadeshda.org>1. Aug 2009 17:29

***Separatismus in Europa


Separatismus in Europa. Hintergrund

19:20 | 30/ 07/ 2009

http://de.rian.ru/analysis/20090730/122522273.html

MOSKAU, 30. Juli (RIA Novosti). Gegenwärtig sind in Europa sowohl
Integrations- als auch separatistische Prozesse im Gange. Nach
Expertenschätzungen können im 21. Jahrhundert theoretisch mehr als zehn
neue Staaten in der Alten Europa entstehen.

Spanien

Das traditionellste Beispiel für europäischen Separatismus ist das
Baskenland. In Spanien leben circa zwei Millionen Basken, die in drei
Provinzen der als Baskenland bekannten Region leben. Es hat die
weitestgehenden Rechte im Vergleich zu anderen spanischen Regionen, die
Lebensqualität liegt über dem spanischen Durchschnitt, die baskische
Sprache ist als Staatssprache anerkannt. Doch diejenigen, die eine
Abspaltung von Spanien und einen Anschluss des von Basken bewohnten
Gebiets in Frankreich fordern, wollen noch mehr.

Grund für den steigenden Separatismus war die Politik von Francisco
Franco. Damals war es den Basken verboten, Bücher und Zeitschriften zu
veröffentlichen, Unterricht in ihrer Sprache Euskera zu erteilen, den
Kindern baskische Namen zu geben und die nationale Flagge zu hissen. Die
1959 gegründete Organisation ETA (Euskadi Ta Askatasuna - Baskenland und
seine Freiheit) hatte ursprünglich den Kampf mit dem Frankismus als
Ziel. Franco ist seit langem tot, das Baskenland ist autonom, doch damit
wollen sich die baskischen Terroristen nicht begnügen. Im Kampf für die
"Unabhängigkeit" mussten bereits mehr als 900 Menschen ihr Leben lassen.

Auch Katalonien, eine autonome Provinz in Nordostspanien, die ihre
Nationalsprache und eigene Kultur hat, bereitet Madrid Kopfschmerzen.
Die Katalanen haben ihren Unterschied zu anderen spanischen Regionen
immer betont. Die Provinz genießt unter der Herrschaft der spanischen
konstitutionellen Monarchie weitgehende Autonomie. Die Beziehungen zur
Zentralregierung in Madrid werden durch eine Sondercharta geregelt.

In der Neubearbeitung der Charta von 2005 werden die Katalanen als
separate Nation anerkannt. Doch in der Region gibt es Dutzende Parteien
und öffentliche Organisationen, größtenteils linksgerichtete, die sich
für eine Abspaltung von Spanien einsetzen. Ihr Ziel ist ein Referendum
über die Unabhängigkeit, das sie bis 2014 versprechen.

Auch die spanische Provinz Valencia hat im Juli 2007 einen autonomen
Status erhalten.

Frankreich

Frankreich hat langjährige Erfahrungen mit der Bekämpfung von
Separatismus und Extremismus im eigenen Land, vor allem auf der
Mittelmeerinsel Korsika. Die korsischen nationalistischen Gruppen
machten Mitte der 70er Jahre durch Zusammenstöße mit der französischen
Armee auf sich aufmerksam. Die größten und einflussreichsten sind die
"Nationalistische Vereinigung" und "Die Bewegung für Selbstbestimmung",
die beide über Kampfgruppen verfügen.

Der Status der Insel wurde in den letzten 25 Jahren zweimal, 1982 und
1990, erweitert. Dabei bekamen die korsischen Behörden immer mehr
Vollmachten in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft,
Energiewirtschaft, Verkehr, Bildung und Kultur. Vor einigen Jahren hatte
das französische Parlament die Existenz des korsischen Volkes anerkannt.
Doch später wurde diese Entscheidung als verfassungswidrig rückgängig
gemacht.

In der nordwestfranzösischen Provinz Bretagne ist seit Anfang der 70er
Jahre die Bretonische Revolutionäre Armee aktiv. Die Nachfahren der
Kelten, die einst von den britischen Inseln an die französischen Küste
auswanderten, empfinden sich nicht ganz als Franzosen oder als besondere
Franzosen. Bei den Volkszählungen bezeichnen sich viele als Bretonen,
obwohl sie Französisch als Muttersprache angeben.

Die Bretonische Revolutionäre Armee, die ihren Namen offensichtlich im
Einklang mit der Irischen Republikanischen Armee gewählt hat, gehört zum
extremistischen Flügel der nationalistischen Bewegung Emgann, die gegen
die "französischen Unterwerfer" kämpft.

Italien

In Italien sind separatistische Stimmungen in den industriellen Regionen
des Nordens stark ausgeprägt. Die einflussreiche "Liga Nord" hat bislang
auf eine Abspaltungsforderung verzichtet und will Italien in eine
Föderation umgestalten. Auch Stimmen, die eine Wiedervereinigung
Südtirols mit Österreich nach dessen Übergang an Italien nach dem Ersten
Weltkrieg fordern, sind zu hören.

Belgien könnte sich mit einiger Wahrscheinlichkeit in den
niederländischen sprechenden flämischen Teil und den
französischsprachigen wallonischen Teil aufspalten. Die Ursache der
Konfrontation zwischen den beiden Sprachgemeinschaften liegen in den
Anfängen der Geschichte des unabhängigen Belgiens, als sich die Wallonen
und Flamen zu einer Union gegen die Niederlande vereinigten.

Einst im Namen der Freiheit vereint, versuchen sie seit knapp 200 Jahren
getrennte Wege zu gehen. Aufrufe zur Spaltung werden im Land immer
häufiger laut: Das wirtschaftlich stärkere Flandern will Wallonien nicht
unterhalten. Laut Umfragen schließen mehr als 60 Prozent der Flamen und
mehr als 40 Prozent der Wallonen eine Spaltung Belgiens nicht aus.

Großbritannien

In Großbritannien hat sich der Mittelpunkt der separatistischen
Stimmungen aus Ulster nach Schottland verschoben. Bei der letzten
Parlamentswahl ging in Schottland die Nationale Partei als Sieger
hervor, die einen neuen unabhängigen Staat fordert.

Regierungschef Alex Salmond sagt voraus, dass Schottland im kommenden
Jahrzehnt unabhängig werden könne. Allerdings unterstützen nur 23
Prozent der Schotten die Idee der Unabhängigkeit ihres Landes (vor einem
Jahr waren es noch 30 Prozent).

Dennoch hat der spätere Premier Gordon Brown, damals noch
Finanzminister, in der Presse gewarnt: Wenn der vor 300 Jahren
geschlossene Bund zwischen England und Schottland schwächer werden
sollte, so droht Großbritannien eine "Balkanisierung".

Dänemark

Die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln sind halbautonom und leben von
den Fördergeldern der Regierung in Höhe von fast 170 Millionen US-Dollar
im Jahr. Das hält die Separatisten zurück, obwohl sie noch vor knapp
sieben Jahren versucht haben, ein Unabhängigkeitsreferendum durchzusetzen.

Schweiz

Auch in der ruhigen Schweiz gibt es Separatisten. Die Befreiungsfront
von Jura fordert seit mehr als 30 Jahren die Unabhängigkeit des Kantons
von der Eidgenossenschaft. Einst wurde das von französischsprachigen
Katholiken bevölkerte Jura dem Kanton Bern angegliedert, in dem
größtenteils deutschsprachige Protestanten leben. Doch die Anführer der
Front sehen ein, dass die Chancen auf einen Sieg äußerst gering sind.

Serbien

Der Verband der Ungarn in der Wojwodina fordert für die autonome Region
in Serbien (35 Kilometer von Belgrad entfernt) den Status einer Republik
und dann eine Volksbefragung über eine Konföderation mit Ungarn. Die
Vertreter des Verbandes regieren fast 70 Prozent der Region. Im März
2007 baten Wojwodina-Magyaren die EU darum, eine Mission "zur Analyse
der Situation" zu entsenden. Der ungarische Anteil der Bevölkerung in
der Region beträgt gegenwärtig über 40 Prozent.

Rumänien

Ein ähnliches Szenario entwickelt sich auch im rumänischen
Transsilvanien, wo der Anteil der Ungarn mehr als 45 Prozent beträgt.
Von 1940 bis 1945 war Transsilvanien ein Teil von Ungarn, 1919 bis 1939
gehörte es zu Rumänien und davor zu Österreich-Ungarn.

Die noch zu Ceausescus Zeiten gegründete Union für die Wiedergeburt des
Ungarischen Transsilvaniens veranstaltete bereits mehrere
Volksbefragungen über die Autonomie, wie zum Beispiel im März 2007 in
drei transsilvanischen Landkreisen. Die dortigen Ungarn haben für eine
größtmögliche Autonomie von Bukarest und selbständige Beziehungen der
Region zu Budapest gestimmt.

Auch auf der italienischen Insel Sardinien sowie in den hauptsächlich
von Kroaten und Slowenen bevölkerten österreichischen Provinzen
Steiermark und Kärnten sind "antikoloniale" Zwischenfälle häufiger
geworden. Die südalbanischen Griechen und die Bewohner der
portugiesischen Azoren fordern auch immer wieder Autonomierechte.

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Hallo zusammen,

die Veröffentlichung dieser Meldung von RIA Nowosti erfolgt mit freundlicher
Genehmigung durch

Dmitri Tultschinski,
Leiter des Deutschland-Büros
Russische Informationsagentur Nowosti
tel. (030) 226 05 681
fax 814
eMail tulchin ät t-online.de

Sollte jemand den Beitrag übernehmen wollen, informiert doch bitte Herrn
Tultschinski davon und schickt ihm einen Beleg - dankeschön !!

Gruß

Sabine
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