Lage in Pakistan immer verzweifelter: Fast drei Millionen auf der Flucht
Lage in Pakistan immer verzweifelter: Fast drei Millionen auf der
Flucht / World Vision ruft höchste Nothilfe-Einsatzstufe aus /
Unterbringung in Flüchtlingszelten ist für Paschtunen-Kultur tabu
Friedrichsdorf, Islamabad (ots) - Die Situation der Flüchtlinge im
Nordwesten Pakistans spitzt sich dramatisch zu. Mitarbeiter der
Hilfsorganisation World Vision schätzen, dass insgesamt 2,5 bis 3
Millionen Menschen auf der Flucht sind. Es ist die größte
Flüchtlingskatastrophe Pakistans. Das Hilfswerk hat heute die höchste
Stufe für Nothilfeeinsätze ausgerufen. Die Familien, die vor den
Kämpfen zwischen pakistanischer Armee und Taliban aus dem Swat-Tal
geflüchtet sind, brauchen dringend Lebensmittel, Trinkwasser,
Kleidung, Hygieneartikel und medizinische Versorgung.
Eine Besonderheit dieses Flüchtlingsdramas ist der kulturelle
Hintergrund: Die Familien, die geflüchtet sind, stammen aus einer
Kultur, die eine strikte Geschlechter-Trennung vorsieht. Die
Privatsphäre ist enorm wichtig. "In einem Flüchtlingscamp zu leben
ist, als wenn ein Fremder in Deiner Unterwäsche wühlt", beschreibt
World Vision-Mitarbeiter Syed Haider Ali. Deshalb suchten auch nur
etwa 20 Prozent der Flüchtlinge in den 26 vorhandenen Zeltlagern
Schutz. Der weitaus größte Teil habe sich zu Gastfamilien, Freunden,
in Schulen und in öffentliche Gebäude geflüchtet.
Vor diesem Hintergrund setzt World Vision's Nothilfe in den
Gemeinden und Privathaushalten an. Von einem Warenlager in Totaalay
im Distrikt Buner haben die Helfer bereits mehr als 2000 Flüchtlinge
mit Seife, Zahnpasta, Plastikeimern, Kerzen, Moskitonetzen und
weiteren Hilfsgütern versorgt. Allerdings scheint die Not
überwältigend, angesichts des enormen Flüchtlingsstroms.
Die Aufnahme-Kapazitäten der Dörfer und Gemeinden sind begrenzt.
Innerhalb einer Woche ist die Einwohnerzahl verschiedener Gemeinden
um eine Drittel gestiegen. "Stellen Sie sich vor, da stehen auf
einmal 30 verzweifelte Menschen vor Ihrer Tür und vor jedem anderen
Haus in der Nachbarschaft auch jeweils 30", sagt World Vision's
Landesdirektor Graham Strong. World Vision Pakistan sei eine der
wenigen Hilfsorganisationen in diesem Gebiet und deshalb besorgt,
dass Hundertausende Männer, Frauen und Kinder ohne Unterkunft und
Versorgung blieben.
Seit Anfang Mai sind rund 2,4 Millionen Vertriebene registriert
worden. Etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder. "Die Mädchen und
Jungen sind am schlimmsten betroffen", sagt Graham Strong. Ihnen
stehe die Angst ins Gesicht geschrieben, sie seien schwach und krank,
weil sie nicht genug zu essen haben. "Viele weinen, weil sie nach
Hause möchten und zur Schule gehen möchten. Andere leiden unter der
heißen Temperatur, die über 40 Grad liegt, sie haben Fieber,
Hautausschlag und Augenentzündungen." World Vision plant, mehrere
Kinderbetreuungszentren einzurichten.
Originaltext: World Vision Deutschland e. V.
Digitale Pressemappe:
http://www.presseportal.de/pm/6795
Pressemappe via RSS :
http://www.presseportal.de/rss/pm_6795.rss2
Pressekontakt:
World Vision Deutschland: (06172) 763-151 oder -155.
Fotos abrufbar. Interviews mit Englischsprachigem Mitarbeiter in
Pakistan möglich.
HINTERGRUND
World Vision Deutschland e.V. ist ein christliches Hilfswerk mit den
Arbeitsschwerpunkten nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit,
humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit. Im
Finanzjahr 2008 wurden 253 Projekte in 49 Ländern durchgeführt.
www.worldvision.de