Thyssen-Krupp-Stahlwerk zerstoerte Bucht bei Rio - Fischer protestiert bei deutschen Aktionaeren
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www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2011/12/03/a0033
taz, 03.12.2011
Der Fischer und das Meer. Und der Stahl
WELTWIRTSCHAFT Ein Seemann im Rollstuhl wollte verhindern, dass der
Industriegigant Thyssen-Krupp ein Werk in Brasiliens Boden stampft. Heute
muss der Fischer im Exil leben. In seiner Heimat tobt der Konflikt
AUS SANTA CRUZ GERHARD DILGER
Dem Fischer Luís Carlos Oliveira ist das Meer gestohlen worden. Er hängt
fest in seinem Versteck, er bohrt Kokosnüsse auf, er knüpft Netze, er kehrt
abends in die möblierte Wohnung zurück, die ihm das
Menschenrechtsministerium zahlt, seit ein Mann ihn mit der Pistole bedroht
hat. Netterweise haben ihm die Leute vom Schutzprogramm einen Küstenort
ausgesucht. Aber der liegt weit weg von seinem Zuhause in Santa Cruz im
Westen von Rio de Janeiro, wo er Thyssen-Krupp herausgefordert hat, dieses
Unternehmen von der anderen Seite der Welt. Er kann nicht mehr raus zum
Fischen in die Sepetiba-Bucht, und ein Meer, das man nur anschauen kann, ist
nichts für Luís Carlos Oliveira, denn er hat es sich von klein auf erkämpfen
müssen.
Vom Wasser her weht ein kühler Wind, aber die Sonne scheint, Oliveira trägt
T-Shirt und Shorts. Ein 61 Jahre alter Mann, Brille, die Haare hat er
dunkelbraun gefärbt, seine muskulösen Arme fallen auf. Und der Rollstuhl.
Er ist gegen den Konzern aus Deutschland angetreten, der nach Brasilien
ging, um Eisenerz gleich dort, wo es vorkommt, zu Stahl zu kochen. Und um
den Stahl dann nach Deutschland und die USA zu schaffen, wo die
verarbeitende Industrie sitzt. Ein Globalisierungsprojekt: Der Norden
bedient sich beim Süden, Reiche bei Armen.
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