Kommentar zur UN-Vollversammlung (Suedwest Presse)
Südwest Presse: Kommentar zur UN-Vollversammlung
Ulm (ots) - Als "Schwatzbude" diffamierten einst die Nazis das
Parlament. Unwillkürlich mag einem das ins Gedächtnis kommen
angesichts der Tiraden, die selbstverliebte Machthaber wie Gaddafi,
Ahmadinedschad oder Chavez der Öffentlichkeit als Redner der
UN-Vollversammlung zumuten. Wäre nicht "Speakers Corner", die
berühmte Meckerecke im Londoner Hydepark, das angemessenere Forum für
diese Herren?
Oder sollte man den ohnehin so gut wie machtlosen Dachverband der
Staatengemeinschaft nicht einfach dichtmachen, um sich vor derartigen
Ergüssen zu schützen? Zum Glück machen Resolutionen wie die gestrige
zur Abschaffung der Atomwaffen, Reden wie die des US-Präsidenten
Obama und Treffen am Rande, wie das Obamas mit seinem russischen
Amtskollegen Medwedew den eigentlichen Sinn des Treffens der
Vereinten Nationen deutlich. Es ist eben kein auf 20 Teilnehmer (oder
ein paar mehr oder weniger) beschränktes Gipfeltreffen, es gibt
keinen gastgebenden Staat, der mit der üblichen diplomatischen
Zurückhaltung zu behandeln wäre. Es herrschen fast basisdemokratische
Verhältnisse.
Missbrauch nicht ausgeschlossen - haben nicht die USA selbst in
Zeiten des unseligen George Bush jun. die Uno skrupellos als
Propagandabühne etwa für ihr Irak-Lügengebilde missbraucht? Deshalb
müssen nun auch die grotesken Sichtweisen der Gaddafi & Co. ertragen
werden. Es handelt sich bei ihnen auch nicht um ohnmächtige Hofnarren
der internationalen Politik. Es sind Chefs bedrohlich aufgerüsteter
Staaten, mit deren Ansichten sich die Weltgemeinschaft tunlichst
ernsthaft auseinanderzusetzen hat.
Originaltext: Südwest Presse
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