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Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>17. Jan 2012 22:11

Gen-Technik: Teilrueckzug von BASF

Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer
persönlichen Information.
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http://linkszeitung.de/

Linkszeitung, 16.1.12
Volltextsendung mit freundlicher Genehmigung der Linkszeitung -
dankeschön dafür !


Gen-Technik
Teilrückzug von BASF

Ludwigshafen (LiZ). Ein großer Erfolg für die Gentechnik-Gegnerinnen in
Europa: Der weltgrößte Chemie-Konzern BASF kündigt einen Teilrückzug an.
Das Unternehmen verlegt seine Gentechnik-Zentrale in die USA. Damit ist
offenbar auch ein endgültiges Urteil über die umstrittene Gen-Kartoffen
Amflora gesprochen.

Der weltgrößte Chemie-Konzern BASF gibt den europäischen Markt für Agro-
Gentechnik weitgehend auf und begründet dies mit der fehlenden Akzeptanz
in Europa. Moralische Einsicht in die verbrecherischen Unternehmungen der
vergangenen Jahrzehnte ist damit offensichtlich jedoch nicht verbunden.
So hofft die Branche nach wie vor, sich nach einem strategischen Rückzug
langfristig auch in Europa durchzusetzen. BASF-Vorstand Stefan
Marcinowski erläuterte die Konzern-Entscheidung heute mit einer
zwiespältigen Äußerung in Bezug auf die Akzeptanz von Gentechnik in
Europa: "Ich habe keine Hoffnung auf einen schnellen Meinungswandel."

Weil entsprechende Profite aber derzeit vor allem in Nord- und Südamerika
erwartet werden, verlegt BASF den Sitz seines Tochterunternehmens für die
sogenannte grüne Gentechnik von Limburgerhof bei Ludwigshafen in die USA.
Ein Konzern-Sprecher beklagte heute, in weiten Teilen Europas fehle noch
immer die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und
Politiker für die Pflanzenbiotechnologie. Verschwiegen wurde hierbei, daß
vor allem die deutsche Stärke-Industrie nicht in dem von BASF erhofften
Maß von der eigens für den industriellen Bedarf konstruierten Gen-
Kartoffel Amflora zu überzeugen war. BASF war insbesondere wegen diesem
Knollen-Konstrukt in die Kritik geraten. So waren entgegen öffentlicher
Sicherheits-Bekundungen von BASF des öfteren genmanipulierte Amflora-
Knollen außerhalb eingezäunter Versuchsflächen aufgefunden worden.

Weder Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner noch Wirtschaftsminister
Philipp Rösler wollten sich zu der für sie sicherlich bitteren
Entscheidung der Konzerns äußern. Lediglich ein Sprecher der "F"DP
lamentierte einmal mehr über "Fortschrittsfeindlichkeit". Greenpeace-
Biologe Dirk Zimmermann bezeichnete die BASF-Entscheidung als konsequent:
"Es gibt aus gutem Grund keine Chancen für die Gentechnik in Europa." Die
VerbraucherInnen lehnten genmanipulierte Pflanzen und Nahrungsmittel ab
und für die LandwirtInnen berge die Haftungsfrage große Risiken. Zudem
sei die sogenannte Koexistenz von gentechnischer Landwirtschaft auf der
einen und herkömmlicher oder Bio-Landwirtschaft auf der anderen Seite
nicht möglich. "Wir wollen nicht, dass diese Pflanzen auf die Äcker
kommen, weil sie nicht beherrschbar sind," so Zimmermann. Auch der
Landwirtschafts-Verband Bioland in Mainz begrüßte den Teilrückzug von
BASF. Dies zeige, daß der massive Widerstand gegen die Agro-Gentechnik
eine Wirkung habe, sagte Bioland-Sprecher Gerald Wehde.

BASF will den Standort der Tochter 'BASF Plant Science' ins
Forschungszentrum 'Research Triangle Park' nahe Raleigh im US-Bundesstaat
North Carolina verlegen. 'BASF Plant Science' hat nach eigenen Angaben
weltweit rund 840 MitarbeiterInnen, 157 davon in Limburgerhof (Rheinland-
Pfalz) und 57 in Gatersleben (Sachsen-Anhalt). Laut BASF sollen in
Limburgerhof nur noch elf MitarbeiterInnen beschäftigt werden, der
Standort Gatersleben werde geschlossen, die Stellen zum großen Teil
verlegt, so daß im Verlauf von zwei Jahren insgesamt lediglich 78 Stellen
in Europa abgebaut würden. Der konzerninterne Umbau, der laut BASF-
Angaben bis Ende 2013 abgeschlossen sein soll, werde zwischen 10 und 15
Millionen Euro kosten. Dies zeigt, daß es sich bei dem Manöver des
Konzerns keineswegs um einen radikalen Schnitt handelt.

Freuen werden sich aber vor allem die Gentechnik-GegnerInnen in Europa
über die heutige Ankündigung von BASF-Vorstand Stefan Marcinowski: "Es
findet kein Amflora-Anbau mehr in Deutschland statt." Wie wenig Einsicht
damit verbunden ist, zeigt allerdings die sofort nachgeschobene Aussage,
daß es aber wohl noch den ein oder anderen Freilandversuch im Rahmen
laufender Verfahren geben werde. Im laufenden Jahr werden daher
vermutlich weitere Entschärfungs-Aktionen von Gentechnik-GegnerInnen die
Performance des Konzerns motivierend begleiten.
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