Petitionen gegen Entlassung von belgischer Forscherin nach Anti-Gentech-Aktion -- deutschsprachig
http://threerottenpotatoes.wordpress.com/#de
Three rotten potatoes [1]
05. Juni 2011
English Version / Nederlandse versie / Version française / Versión Española:
http://threerottenpotatoes.wordpress.com/
Wiedereinstellung jetzt!
Am Freitag 3. Juni 2011 hat die Katholische Universität Leuven die
Forscherin Barbara Van Dyck entlassen, weil sie öffentlich die Aktionen des
Field Liberation Movements (FLM) unterstützt hat, die im Zusammenhang einer
Aktion gegen ein genetisch modifiziertes Kartoffelfeld in Wetteren in
Belgien am Sonntag 29. Mai stehen. Ob man die Ziele und Taktiken dieser
Aktion unterstützt oder nicht, die Sanktion ist unverhältnismäßig und
verstößt gegen die akademische Freiheit und gegen die Meinungsfreiheit. Wir
wenden uns daher an Akademiker weltweit, dieser Entlassung entgegenzustehen
und diesen offenen Brief zu unterzeichnen.
Keine Entlassung für die Forscherin Barbara Van Dyck!
Am Freitag den 3. Juni haben wir erfahren, dass Barbara Van Dyck entlassen
wurde, weil sie Solidarität mit den Aktivisten des Field Liberation
Movements gezeigt hat. Die Aktion betraf gentechnisch veränderte Organismen
(Genetically Modified Organisms (GMOs)), in diesem Fall Kartoffeln, in
Wetteren am 29. Mai 2011. Wir sind von dieser Sanktion schockiert, weil sie
unverhältnismäßig ist und gegen geltendes Arbeitsrecht sowie gegen die
akademische Freiheit und freie Meinungsäußerung verstößt. Barbara Van Dyck
nahm an der Aktion in Wetteren in ihrer Freizeit (an einem Sonntag) und
nicht während ihrer Arbeitszeit teil. Sie ist zudem nicht entlassen worden,
weil sie Aktionen selbst verübt oder einen Ort widerrechtlich betreten hat,
sondern weil sie sich solidarisch mit den Aktivisten gezeigt hat und deren
Aktionen öffentlich unterstützt hat. Wir hinterfragen eindringlich die
Gründe, wegen der die Universität Frau Van Dyck entlassen hat.
Mit dieser unverhältnismäßigen Sanktion, die auf ein Berufsverbot
hinausläuft, bricht die Universität mit den Grundwerten ihres eigenen
Leitbildes: akademischer Freiheit. Wir möchten die Verantwortlichen daran
erinnern, dass akademische Freiheit nicht nur die Möglichkeit eigener
unabhängiger Forschungen beinhaltet, sondern auch die individuelle Freiheit
der Akademiker, "eine kritische Haltung gegenüber gewissen Tendenzen und
gesellschaftlichen Gruppen einzunehmen. Diese individuelle Freiheit ist der
Eckpfeiler unserer akademischen Identität" (Eröffnungsrede des Rektors
Akademisches Jahr 2003 [i]).
Eine ähnliche Argumentationslinie findet sich in den Empfehlungen der
UNESCO, § 26: "die Mitglieder des Lehrpersonals im Bereich des
Hochschulwesens sollten Gedanken- und Gewissensfreiheit genießen dürfen
(...) Sie sollten nicht daran gehindert und ihnen sollte nicht verboten
werden, ihre Grundrechte als Bürger auszuüben. Dies beinhaltet das Recht,
zum sozialen Wandel durch freie Meinungsäußerung beizutragen (...). Sie
sollten nicht wegen der bloßen Ausübung eben dieser Rechte bestraft
werden."[ii]
Darüber hinaus verletzt die Universität demokratische Rechte, die unserer
Gesellschaft zugrunde liegen: Meinungsfreiheit. Indem die KU Leuven eine
Forscherin wegen ihrer Sympathien mit Aktivisten entlässt, verschreibt sie
sich einem neuen Klima der Kriminalisierung von Aktivismus und sogar der
Krimininalisierung der Sympathie für Aktivismus. Denn Frau Van Dyck ist für
ihre offenen Sympathien und Solidarität mit einer Aktivistenbewegung
sanktioniert worden, nicht für ihre Taten.
Man muss nicht mit dem Ziel und den Taktiken der Aktion übereinstimmen, um
ihre weitere soziale Relevanz anzuerkennen: Was bedeutet sozial gerechte und
ökologisch nachhaltige Landwirtschaft? Welche Rolle spielen gentechnisch
veränderte Organismen (GMOs) in diesem Zusammenhang und wie verteilen wir
Forschungsförderungsmittel in einer angemessenen Art und Weise auf
verschiedene mögliche Ansätze? Das Banalisieren dieser Aktionen als eines
Gewaltaktes verlagert die Aufmerksamkeit weg von einer äußerst notwendigen
sozialen Debatte. Die Präsenz von Wissenschaftlern in beiden Lagern belegt,
dass auch in der Wissenschaft kein Konsens über die Notwendigkeit und über
den Wert der GMOs herrscht.
Wir rufen die Universitätsleitung dazu auf, ihren Glauben in die kritische
Reflexion und das soziale Engagement ihrer Forschenden aufrechtzuerhalten.
Wir fordern, dass die Entlassung zurückgezogen wird. Wir rufen das Personal
der KU Leuven und die internationale akademische Gemeinschaft dazu auf,
gegen diese Entlassung zu protestieren. Dieser Fall hat Auswirkungen, die
über den Einzelfall Barbara Van Dycks hinausgehen, weil es hier um die
Zukunft der Wissenschaft (und ihre Verbindungen mit der Wirtschaft) geht,
sowie um die akademische Freiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung.
[i] Rektor Oosterlinck, Eröffungsrede Akademisches Jahr 2003-2004
[ii] Empfehlung hinsichtlich des Status des Lehrpersonals im Bereich der
Höheren Bildung, UNESCO, 11/11/97
UNTERSCHREIBEN SIE DIE PETITION HIER!
http://tinyurl.com/6hjx8xs
------------------------------------------------------------------------
Please note:
ANOTHER PETITION is circulating around the Internet. If you have not signed
this one, please consider doing it. This petition will be presented to
K.U.Leuven's Rectorate Office.
SIGN THE PETITION HERE!
http://www.thepetitionsite.com/4/petitie-tegen-ontslag-barbara-van-dyck/
In addition to sign the petition please consider sending individual messages
of concern to the rector of K.U.Leuven University emphasizing the
fundamental right to dissent and freedom of speech as well as the dangerous
precedent this sets to academic freedom and the conditions of academic
employment in a context of increasing encroachment of the private sector
into universities.
Rector Mark Waer
mark.waer ät rec.kuleuven.be
3RT
threerottenpotatoes ät gmail.com
------------------------------------------------------------------------
[1] Three rotten potatoes is a loose collective of individuals that have got
together to constitute a solidarity platform to demand the immediate and
unconditionally reinstatement of the KULeuven dismissed employee. Eventually
we hope with this blog to address important issues that have emerged as a
result of the Field Liberation Movement (FLM) action in Wetteren and the
subsequent criminalization of those who participated or voiced their support
in some way or another.