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Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>30. Nov 2011 21:47

Bilanz Castor: Die Sani-Zentrale muss ihre Zahlen korrigieren


Wolfgang Ehmke 0170 510 56 06



Korrektur der Sani-Zentrale (Aktualisierung)

Wir müssen die Zahlen und Bewertungen unserer Pressemitteilung
teilweise revidieren.

I. Verletzung und Misshandlung durch die Polizei

Die Anzahl der von uns versorgten Verletzten hat sich nach Rückmeldung
der letzten Teams auf 416 erhöht. Die schweren Verletzungen haben sich
auf 8 Fälle erhöht. Hierunter gab es folgende Fälle, die alle von
einem Rettungssanitäter direkt beobachtet bzw. behandelt wurden und
ins Krankenhaus verbracht werden mussten:

- Eine Frau erlitt einen epileptischen Anfall und lag am Boden.
5 Polizeibeamte standen mit gezogenen Schlagstöcken um sie herum. Erst
nach Intervention eines Anwalts ließen die Beamten von ihr ab und ein
Sanitäter konnte sie versorgen.

- Einer Person wurde aus nächster Nähe der gesamte Inhalt einer OC-
Spray-Flasche ins Gesicht gesprüht.

- Einer Person wurde von einem Polizisten mit seinem Schlagstock auf
das Schienbein geschlagen, während ein anderer Polizist das Bein
festhielt (Verdacht auf Schienbeinfraktur).

Eine Frau mit dem Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma wurde trotz
Anwesenheit eines Arztes, der um die Freilassung der Person zur
weiteren Behandlung bat, aus einem Polizeikessel heraus ohne Betreuung
in ein Polizeifahrzeug gesperrt. Dort erbrach sie, bekam jedoch keine
weitere ärztliche Betreuung.

Die Berichte über Polizeischikanen haben wir nicht gezählt.
Exemplarisch seien zwei Situationen beschrieben:

Bei der Blockade in Vastorf wurde den Angeketteten von dem anwesenden
Polizeiarzt die Amputation der Arme mehrfach angedroht, während dem
Arzt der Sani-Zentrale die Betreuung der Personen verweigert wurde.

Während eine angekettete Frau bei der Blockade in Hitzacker pinkeln
musste und die anwesenden SanitäterInnen hierfür einen Sichtschutz
errichteten, hielt ein Polizist die Videokamera über die Absperrung
und filmte die pinkelnde Frau von oben.


II. Behinderung der Arbeit der Erste-Hilfe-Teams

Es gab deutlich mehr Übergriffe durch Schubsen und Beleidigungen auf
Erste-Hilfe-Teams als zunächst angenommen. Auch gab es weitere
Berichte, nach denen Erste-Hilfe-Teams an Polizeiabsperrungen
aufgehalten wurden.

An der Oldendorfer Brücke wurden DemonstrantInnen und SanitäterInnen
von der Polizei mit aus dem Wald selbst gesammelten Stöcken traktiert.

Einem Rettungssanitäter wurde von einem Beamten bei Grünhagen sein
Mobil-Telefon abgenommen, und in absichtsvolller Weise fallengelassen
und zertreten. Dies passierte, während unser Sanitäter eine Situation
dokumentieren wollte, bei der ihm der Kontakt zu verletzten
Festgenommenen verweigert wurde.


I. Bilanz

Die vorherigen Absprachen zwischen Polizeiführung, Landkreis und Sani-
Zentrale funktionierten in der Zeit des Straßentransportes nicht. Auch
ist festzuhalten, dass die Polizeiführung in der Zeit davor zwar
bemüht war, den Sani-Teams den Zugang zu ermöglichen, es allerdings
nicht vermochte, diese Information vorab an die Einsatzkräfte
weiterzugeben, von denen einige offenbar weitgehend autonom von den
Vorgaben der Polizeileitung agierten.

Die Polizeiführung sollte zur Kenntnis nehmen, dass die Anwesenheit
unserer Erste-Hilfe-Teams in vielen Fällen Verletzungen verhindert.
Die Behinderung und Schikanierung von Sani-Teams widerspricht daher in
eklatanter Weise dem behaupteten Deeskalationskonzept der Polizei für
den Castor-Transport.

Eine Sicherung friedlichen Protests (so Innenminister Schünemann), ist
mit einer Polizei, von der Gewalttaten und Schikanen ausgehen, nicht
möglich.
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