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Auswahl: [Globalisierung]
Greenhouse Infopool <greenhouse ät jpberlin.de>8. Sep 2009 00:17

Rezension: Die Krisen des Kapitalismus - Eine andere Studie der politischen Ökonomie


Klaus Steinitz

Die Krisen des Kapitalismus

Die gegenwärtige weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat eine wahre Flut
von Publikationen hervorgebracht, die sich mit Ursachen, weiterem Verlauf,
Besonderheiten und ihren voraussichtlichen Folgen beschäftigen.

Das Buch von Saral Sarkar, "Die Krisen des Kapitalismus. Eine andere Studie
der politischen Ökonomie" zeichnet sich durch die Langfristigkeit der
Untersuchungen sowie die differenzierte und umfassende Auseinandersetzung
mit anderen Auffassungen zu den Krisenursachen aus. Es verdient, von der
Öffentlichkeit beachtet zu werden.

Sarkar analysiert die Wirtschaftskrisen seit Beginn des vorigen Jahrhunderts
bis heute. Insbesondere die Krise 1929-33 und die Krisen im globalisierten
neoliberalen Kapitalismus, wie er sich im letzten Drittel des 20.
Jahrhunderts herausgebildet hat. Die Frage nach dem Ausweg aus der
Wirtschaftskrise wird von ihm eng mit den Konsequenzen verbunden, die aus
der Umwelt- und Klimakrise gezogen werden müssen. Ausgehend vom breiten
gesellschaftlichen Konsens, dass der neoliberale Marktradikalismus
diskreditiert und gescheitert ist, befasst er sich mit möglichen
Alternativen. Einen Ausweg durch ökologisch und sozial zukunftsfähige
Veränderungen im Kapitalismus sieht er als unrealistisch und illusorisch an.
Nur eine Systemalternative zum Kapitalismus, ein ökologischer Sozialismus,
kann nach seiner Überzeugung die Überlebensfähigkeit der Menschheit sichern.

Es gelingt dem Autor, die wirtschaftshistorische Beschreibung der Krisen mit
einer kritischen Wertung der in verschiedenen Wirtschaftstheorien gegebenen
Erklärungen der Krisen sowie der Vorstellungen zu ihrer Überwindung zu
verbinden.

Sarkar setzt sich mit Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Theorien,
insbesondere mit Keynes und seinen Anhängern, mit Schumpeter und den
bekannten Vertretern des Neoliberalismus auseinander. Er argumentiert
sachlich und charakterisiert Widersprüche und Unzulänglichkeiten der
jeweiligen Theorien. Das gelingt ihm nicht immer überzeugend, u.a. in seiner
Polemik mit der Marxschen Arbeitswertlehre.

Die zur Überwindung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise unterbreiteten
keynesianischen Vorschläge - höhere Kaufkraft zur Stärkung der Nachfrage und
zur Fortsetzung des Wirtschaftswachstums als Bedingungen für die Schaffung
von Arbeitsplätzen - werden von Sarkar kritisch beurteilt, da sie die Klima-
und Ressourcenprobleme verschärfen. Überlegungen, die notwendige Senkung des
CO2-Ausstoßes sowie des Ressourcenverbrauchs durch eine umfassende
Effizienzrevolution und die Ablösung fossiler durch erneuerbare Energien zu
erreichen, sieht er als unrealistisch an. Seine Schlussfolgerung: "Was übrig
bleibt, ist der Weg der Suffizienzrevolution." (S. 347)

Es bleiben wichtige Fragen unbeantwortet, z.B.: Wie kann ein demokratischer
Übergang zu einer schrumpfenden Wirtschaft in den Industrieländern erreicht
werden? Wie können die riesigen wirtschaftlichen und sozialen
Nord-Süd-Niveauunterschiede ohne oder bei nur sehr geringer
Wirtschaftsdynamik in den Entwicklungsländern überwunden werden?

Leider wird die breite Diskussion der letzten Jahre in der Linken zu den im
Buch behandelten Problemen einer sozialistischen Transformation und eines
neuen Sozialismus im 21. Jahrhundert wenig beachtet.

Auf jeden Fall ein anregendes und lesenswertes Buch.


Saral Sarkar, Die Krisen des Kapitalismus.
Eine Studie der politischen Ökonomie
382 Seiten
Herausgegeben von der Initiative Ökosozialismus, Köln 2009
http://www.oekosozialismus.net/buchankuendigung.html

Das Buch kann bezogen werden über: Bruno Kern, Mombacher Straße 75 A, 55122
Mainz, Tel.: 06131/236461; E-Mail: fackelkraus ät gmx.de

Als PDF-Datei ist es auch auf der Website der Initiative Ökosozialismus
verfügbar: http://www.oekosozialismus.net/krisendeskapitalismus.pdf

Kommentare

Re: Rezension: Die Krisen des Kapitalismus - Eine andere Studie der politischen Ökonomie

 <REINHOLDGerd ät aol.com> am 3. Jan 2010 22:37 Uhr ( Kommentieren | Drucken | Download | Quelltext )



Hallo!

Öko-Sozialismus? Also doch und munter weiter: Sozialismus, wo dieser doch (leider! und durch wen?) vollkommen diskreditiert wurde? Da weiß ich etwas Glaubwüdigeres - siehe: www.Ultimatum-Online.info (ff)!

Allen hier ein gutes Jahr 2010!

gez. Dr. Gerd REINHOLD, München
KOLLEG DR REINHOLD München









Am 03.01.2010 um 23:34 wurde geantwortet auf:
Greenhouse Infopool <greenhouse ät jpberlin.de> schrieb:
>
> Klaus Steinitz
>
> Die Krisen des Kapitalismus
>
> Die gegenwärtige weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat eine wahre Flut
> von Publikationen hervorgebracht, die sich mit Ursachen, weiterem Verlauf,
> Besonderheiten und ihren voraussichtlichen Folgen beschäftigen.
>
> Das Buch von Saral Sarkar, "Die Krisen des Kapitalismus. Eine andere Studie
> der politischen Ökonomie" zeichnet sich durch die Langfristigkeit der
> Untersuchungen sowie die differenzierte und umfassende Auseinandersetzung
> mit anderen Auffassungen zu den Krisenursachen aus. Es verdient, von der
> Öffentlichkeit beachtet zu werden.
>
> Sarkar analysiert die Wirtschaftskrisen seit Beginn des vorigen Jahrhunderts
> bis heute. Insbesondere die Krise 1929-33 und die Krisen im globalisierten
> neoliberalen Kapitalismus, wie er sich im letzten Drittel des 20.
> Jahrhunderts herausgebildet hat. Die Frage nach dem Ausweg aus der
> Wirtschaftskrise wird von ihm eng mit den Konsequenzen verbunden, die aus
> der Umwelt- und Klimakrise gezogen werden müssen. Ausgehend vom breiten
> gesellschaftlichen Konsens, dass der neoliberale Marktradikalismus
> diskreditiert und gescheitert ist, befasst er sich mit möglichen
> Alternativen. Einen Ausweg durch ökologisch und sozial zukunftsfähige
> Veränderungen im Kapitalismus sieht er als unrealistisch und illusorisch an.
> Nur eine Systemalternative zum Kapitalismus, ein ökologischer Sozialismus,
> kann nach seiner Überzeugung die Überlebensfähigkeit der Menschheit sichern.
>
> Es gelingt dem Autor, die wirtschaftshistorische Beschreibung der Krisen mit
> einer kritischen Wertung der in verschiedenen Wirtschaftstheorien gegebenen
> Erklärungen der Krisen sowie der Vorstellungen zu ihrer Überwindung zu
> verbinden.
>
> Sarkar setzt sich mit Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Theorien,
> insbesondere mit Keynes und seinen Anhängern, mit Schumpeter und den
> bekannten Vertretern des Neoliberalismus auseinander. Er argumentiert
> sachlich und charakterisiert Widersprüche und Unzulänglichkeiten der
> jeweiligen Theorien. Das gelingt ihm nicht immer überzeugend, u.a. in seiner
> Polemik mit der Marxschen Arbeitswertlehre.
>
> Die zur Überwindung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise unterbreiteten
> keynesianischen Vorschläge - höhere Kaufkraft zur Stärkung der Nachfrage und
> zur Fortsetzung des Wirtschaftswachstums als Bedingungen für die Schaffung
> von Arbeitsplätzen - werden von Sarkar kritisch beurteilt, da sie die Klima-
> und Ressourcenprobleme verschärfen. Überlegungen, die notwendige Senkung des
> CO2-Ausstoßes sowie des Ressourcenverbrauchs durch eine umfassende
> Effizienzrevolution und die Ablösung fossiler durch erneuerbare Energien zu
> erreichen, sieht er als unrealistisch an. Seine Schlussfolgerung: "Was übrig
> bleibt, ist der Weg der Suffizienzrevolution." (S. 347)
>
> Es bleiben wichtige Fragen unbeantwortet, z.B.: Wie kann ein demokratischer
> Übergang zu einer schrumpfenden Wirtschaft in den Industrieländern erreicht
> werden? Wie können die riesigen wirtschaftlichen und sozialen
> Nord-Süd-Niveauunterschiede ohne oder bei nur sehr geringer
> Wirtschaftsdynamik in den Entwicklungsländern überwunden werden?
>
> Leider wird die breite Diskussion der letzten Jahre in der Linken zu den im
> Buch behandelten Problemen einer sozialistischen Transformation und eines
> neuen Sozialismus im 21. Jahrhundert wenig beachtet.
>
> Auf jeden Fall ein anregendes und lesenswertes Buch.
>
>
> Saral Sarkar, Die Krisen des Kapitalismus.
> Eine Studie der politischen Ökonomie
> 382 Seiten
> Herausgegeben von der Initiative Ökosozialismus, Köln 2009
> http://www.oekosozialismus.net/buchankuendigung.html
>
> Das Buch kann bezogen werden über: Bruno Kern, Mombacher Straße 75 A, 55122
> Mainz, Tel.: 06131/236461; E-Mail: fackelkraus ät gmx.de
>
> Als PDF-Datei ist es auch auf der Website der Initiative Ökosozialismus
> verfügbar: http://www.oekosozialismus.net/krisendeskapitalismus.pdf
>
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