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Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>13. Jan 2012 23:35

Schlagabtausch zwischen BGR und Gorleben-Kritiker Kleemann - BI: "Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich ueber das Eigentor der BGR"


Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow - Dannenberg e.V.
Rosenstr. 20
29439 Lüchow
http://www.bi-luechow-dannenberg.de
Büro: Tel: 05841-4684 Fax: -3197
buero ät bi-luechow-dannenberg.de


Pressemitteilung 13.01.12


Schlagabtausch zwischen BGR und Gorleben-Kritiker Kleemann
BI Umweltschutz: "Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich über das
Eigentor der BGR"

"Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) schlägt
zurück, aber voll ins Leere", mit diesen Worten kommentiert die
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) die Antwort der
Bundesanstalt auf eine Studie des Geologen Dr. Ulrich Kleemann, die er
im Auftrag der Rechtshilfe Gorleben fertigte und in der Mängel und
Versäumnisse bei der Begutachtung und Bewertung des Salzstocks Gorleben
als potentielles nukleares Endlager aufgezeigt wurden.
Seit gestern hat die BGR ihre 15-seitige Erwiderung öffentlich gemacht
und ins Internet gestellt.
http://www.bgr.bund.de/DE/Home/homepage_node.html

Darin zieht die BGR das Fazit, Kleemanns Studie vom 29.11.2011 würde
einer fachlichen Überprüfung nicht standhalten. Er habe sich im
Wesentlichen auf einige und teilweise aus dem Zusammenhang gerissene
Aussagen gestützt und hätte keinen Bezug auf die mehreren hundert
zugrunde liegenden Fachberichte der BGR genommen. Die Juckepunkte sind
die Bewertung von Gaseinschlüssen, ein vermutetes Gasfeld unter dem
Salzstock und das fehlende Deckgebirge sowie die Frage, ob die BGR der
Frage nachgegangen ist, ob Gorleben in einer tektonischen Störungszone
liegt - allesamt K.o-Kriterien für den Standort.

Kleemann hält dagegen:"Ich hatte in meiner Studie darauf hingewiesen,
dass die Zitierung einer großen Zahl von unveröffentlichten Berichten
dann zulässig ist, wenn nur die durchgeführten Arbeiten dargestellt
werden sollen. Wenn jedoch wertende Aussagen - wie: der Standort ist
als ruhig zu bezeichnen, es spricht nichts gegen eine Eignung -
getroffen werden, muss das aktuelle Schrifttum erwähnt werden. Das ist
der Hauptvorwurf. Hierauf geht die BGR jedoch nicht ein, sondern macht
nur einige ablenkende Bemerkungen."

Wesentliche Einwände der Studie Kleemanns, die von der BGR in gehabter
Manier in Anführungszeichen gesetzt werden, um sie zu diskreditieren,
könne die Bundesanstalt aber nicht entkräften. Kleemann betont: "Die
BGR wiederholt ihre falschen Aussagen zu fehlenden Sockelstörungen.
Dabei ist die Methode der 2D-Seismik (wie ich an einem Beispiel gezeigt
habe) nicht geeignet, einen sicheren Ausschluss von Bruchzonen im
Untergrund zu führen. Zudem ist eine tektonische Entstehung von
Salzstöcken die Regel und es gibt zahlreiche Hinweise auf Bruchzonen
(u.a. von den DDR-Erdgas-Geologen), die von der BGR nachwievor nicht
zur Kenntnis genommen werden."

Auch das aktuell viel diskutierte Thema Gasvorkommen spielt in dem
Streit um Gorleben eine große Rolle."Unabhängig davon, dass ich keinen
Vergleich mit anderen Standorten hinsichtlich der Gasvorkommen
vorgenommen habe, geht die BGR-Stellungnahme am eigentlichen Thema
vorbei. Warum wurde das Thema nicht in den BGR-Berichten diskutiert?
Warum wird nicht auf die Paläogeographie des Rotliegenden eingegangen?
Warum werden Arbeiten zur Verbreitung potenziell gasführender Schichten
von der BGR nicht erwähnt oder diskutiert? Das sind die Fragen, die von
der BGR unbeantwortet geblieben sind!" hält Kleemann dem BGR vor.
Selbst Nicht-Geologen falle bei Durchsicht der BGR-Thesen auf, dass
wichtige Ausschlusskriterien Gorlebens als potentiellem Standort für
ein Atommüllendlager wortreich umschifft würden, sagte BI-Sprecher
Wolfgang Ehmke. Ein Beispiel sei die wasserführende Rinne, die den
Salzstock Gorleben auf einer Länge von 12 Kilometern und einer Tiefe
von bis zu 320 Metern quert. Im zentralen Salzstockbereich haben
Schmelzwässer der Elstereiszeit die schützende Tonschicht auf einer
geschlossenen Fläche von 4,5 Quadratkilometern abgeräumt. Die BGR
schreibt jetzt: "Ein Sicherheitsnachweis ist angesichts der
Rinnenproblematik nur für solche Endlager in Norddeutschland möglich,
die in einer größeren Tiefe liegen als der tiefste mögliche Punkt einer
Rinnen-Erosion. Da für den gesamten norddeutschen Raum die Verbreitung
von Rinnen nicht vorherbestimmt werden kann, müssen in einer
Sicherheitsanalyse Rinnen als existent betrachtet werden. Insofern
ergibt sich für Gorleben kein Standortnachteil gegenüber alternativen
Standorten in Norddeutschland."

Für Gorleben lasse sich aber mit Sicherheit sagen, dass es eine
wasserführende Rinne und dass es keine schützende Tonschicht über dem
Lagergestein, dem Salz, gibt, betont BI-Sprecher Ehmke: "Das Prinzip
einer doppelte geologischen Barriere wurde schlicht fallen gelassen,
nachdem die Tiefbohrungen Anfang der 80er Jahre dieses Negativergebnis
zu Tage förderten. Es ist interessant, zwischen den Zeilen
herauszulesen, dass dieser gewaltige Standortnachteil für Gorleben
inzwischen von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
zugegeben wird. Der Fachmann staunt und der Laie wundert sich über das
Eigentor der BGR."

Wolfgang Ehmke 0170 510 56 06
Rückfragen an Herrn Kleemann 0176 63 016 879
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