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Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>16. Jan 2012 21:06

Neue Ungereimtheiten zu Gorleben - BI fordert umfassende Atommuelldebatte


Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow - Dannenberg e.V.
Rosenstr. 20
29439 Lüchow
http://www.bi-luechow-dannenberg.de
Büro: Tel: 05841-4684 Fax: -3197
buero ät bi-luechow-dannenberg.de


Pressemitteilung 16.01.12


Neue Ungereimtheiten zu Gorleben
BI Umweltschutz fordert umfassende Atommülldebatte

Es gibt kein schlüssiges Konzept für die Endlagerung atomarer Abfälle
in Deutschland: die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg
(BI) verweist auf immer neue Ungereimtheiten.

Bisher galt, dass schwach- und mittelaktive Abfälle in der ehemaligen
Erzgrube Schacht Konrad eingelagert werden sollten, hochaktive Abfälle
im Salzstock Gorleben, vorausgesetzt die Eignung würde nachgewiesen.
Aktuelle Parlamentarische Anfragen in Nordrhein-Westfalen wie auch im
Bundestag ergäben aber ein völlig anderes Bild, resümiert die BI. Vor
kurzem erst war die Frage aufgetaucht, wo die Brennelemente aus dem
Versuchsreaktor Jülich konditioniert werden könnten, das
Bundesumweltministerium verwies die BI "Kein Atommüll in Ahaus" auf
Gorleben. Jetzt wird in der Antwort auf eine Linken-Anfrage aus
Nordrhein-Westfalen auch deutlich gesagt, dass die Abfälle aus der
Urananreicherungsanlage Gronau definitiv nicht "Konrad-gängig" sind.

Wohin mit diesen Abfällen?
Im Zweifel nach Gorleben: Das BMU schreibt, Gorleben sei ein mögliches
Endlager für "insbesondere wärmeentwickelnde Abfälle". "Das Wörtchen
"insbesondere" enthält Sprengkraft: Die Mischung von schwach- und
mittelaktiven mit hochaktiven Abfällen in einer Deponie setze jedoch
ein völlig neu zu durchdenkendes Endlagerkonzept voraus", betont
BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Völlig unklar sei zudem, wohin der Müll aus
dem havarierten Endlager Asse II verbracht werden soll, wenn er denn
wirklich geborgen wird.

Noch krasser als bisher stellt sich nach der Auskunft des BMU die
Frage, warum in Gorleben bisher nahezu 1,6 Mrd. Euro verbaut wurden,
obwohl nach der Antwort des BMU die obertägige Erkundung eines
Standorts rund 50 Mio. Euro kostet, die untertägige Erkundung in etwa
250 Mio. Euro.

"Es liegt auf der Hand, dass in Gorleben vorbei am Atomrecht die
Infrastruktur für ein Atommüllendlagerung gebaut wurde und wird. Das
Zögern Norbert Röttgens (CDU), auf Gorleben wegen der katastrophalen
geowissenschaftlichen Erkenntnisse zu verzichten, wird jedoch immer
weitere Kosten nach sich ziehen und am Ende zu Klagen der Financiers
führen, denn immerhin wird Gorleben über die Atomstromproduzenten
finanziert. Letztlich über die Kosten für die Stromrechnungen
derjenigen, die noch nicht den Stromanbieter gewechselt haben und
Ökostrom beziehen", so Ehmke.

Vor einem Neustart der Endlagersuche - ohne Gorleben - fordert die BI
deshalb eine umfassende Atommülldebatte. Demonstriert wird auch wieder:
am 27.Januar vor den Toren des "Schwarzbaus".

Wolfgang Ehmke 0170 510 56 06

Quellen:

LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN - 15. Wahlperiode Drucksache 15/3712
"Das bei der Urananreicherung in Gronau entstehende abgereicherte Uran
(Tails) ist ein radioaktiver Reststoff, der - wenn er nicht weiter
verwertet werden kann - als radioaktiver Abfall geordnet zu beseitigen
ist. Die Endlagerplanung und -bereitstellung hierfür obliegt dem Bund.
Abgereichertes Uran ist weniger radioaktiv als natürliches Uran und nicht
Wärme entwickelnd. Dennoch wäre eine Endlagerung großer Mengen von Uran
im zukünftigen Endla-ger Konrad nach dessen derzeitigen
Endlagerungsbedingungen aus wasserrechtlichen Gründen nicht zulässig.
Deshalb werden bei den bisherigen Planungen für ein Endlager für Wärme
entwickelnde radioaktive Abfälle auch "nicht Konrad-gängige radioaktive
Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung" berücksichtigt.
(vergleiche Bundestagsdrucksache 17/7777 vom 21. November 2011)."

Und hier ist der Vergleich (Bundestagsdrucksache 17/7777):
"Das BfS hat im Jahr 2003 eine Kostenschätzung für geowissenschaftliche
Erkundungsmaßnahmen in einem unterstellten Auswahlverfahren bis zur
Entscheidung für einen Endlagerstandort durchgeführt. Die damalige
Kostenschätzung basierte auf den Empfehlungen des Arbeitskreises
Auswahlverfahren Endlagerstandorte und einer Konzeptplanung, die zeit-
und kostenoptimiert wurde. Die Dauer des Auswahlverfahrens wurde dabei
mit 18 Jahren angesetzt. Die Dauer des Auswahlverfahrens hat wegen der
Offenhaltungskosten für ein Erkundungsbergwerk maßgeblichen Einfluss
auf die Gesamtkosten. Eine längere Dauer des Auswahlverfahrens würde zu
zusätzlichen Kosten führen. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse würden
nach den damaligen Schätzungen des BfS an einem Standort die Erkundung
von Übertage in der Größenordnung von 50 Mio. Euro und die untertägige
Erkundung in der Größenordnung von 250 Mio. Euro pro Standort kosten.
Hinzu kamen veranschlagte Kosten für das Projektmanagement und die
Beteiligung der Bevölkerung in der Größenordnung von 100 Mio. Euro.
Nicht berücksichtigt waren Aufwendungen für eine begleitende
Begutachtung durch eine Genehmigungsbehörde. Ob damalige Überlegungen
auf die heutigen Verhältnisse übertragbar wären, kann insbeson- dere
auch von den festzulegenden Rahmenbedingungen abhängen."

"Die Gesamtinvestitionskosten bis zur möglichen Inbetriebnahme von
Gorleben als Endlager für insbesondere wärmeentwickelnde radioaktive
Abfälle lassen sich erst dann belastbar einschätzen, wenn ein
vollständiges technisches Endlagerkonzept entsprechend den
Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder
radioaktiver Abfälle festgelegt ist, sowie belastbare Er-
kundungsergebnisse über den nutzbaren Bereich des Salzstocks vorliegen.
Im Übrigen wird darauf hingewiesen, dass sich Bund und Länder kürzlich
darauf verständigt haben, die Suche nach einem Endlager für
hochradioaktive Abfälle im nationalen Konsens zu lösen."

Quelle: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/077/1707777.pdf
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