Japan im Handelsdefizit: Atomstrom erwies sich als teuerste Form der Energiegewinnung
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EU-News
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25.01.2012
Atomstrom als teuerste Form der Energiegewinnung
Japan wegen Fukushima erstmals seit vielen Jahren im Handelsdefizit
Hohe Entschädigungs- und Haftungszahlungen, Dekontaminierungsmaßnahmen sowie
Ersatz-Stromimporte nach Fukushima-Unfall ruinieren japanische Wirtschaft.
Die jahrelangen Versuche der Atomlobby, Kernkraft als eine günstige und
saubere Alternative zu fossilen Brennstoffen zu bewerben, erweisen sich im
Zuge des Atomkraft-Unfalls von Fukushima als immer haltloser.
Die japanische Regierung muss jetzt zum ersten Mal seit über dreißig Jahren
ein Handelsdefizit bekanntgeben. Schuld daran seien laut Regierungsangaben
unter anderem die hohen Importkosten für Ersatz-Strom, da zur Zeit in Japan
viele Atomkraftwerke abgeschaltet sind, sowie die Folgekosten der
Atomkatastrophe von Fukushima.
Die Tokyo Electric Power Co (Tepco), die das Atomkraftwerk von Fukushima
besitzt und betreibt, musste laut britischer Tageszeitung "Guardian" erst
vor 2 Monaten die japanische Regierung um mehr als 8 Milliarden Euro (7
Milliarden Pfund) zur Entschädigung der Opfer der Atomkatastrophe bitten.
Jetzt suchte Tepco bei der Regierung um weitere 7 Milliarden Euro (6
Milliarden Pfund) an.
Im Oktober schätzte ein japanisches Expertenteam die Höhe der
Entschädigungszahlungen an die Opfer während der nächsten zwei Jahre auf
über 44 Milliarden Euro.
In diesen Betrag sind Haftungszahlungen an nicht direkt betroffene Bürger
der Provinz Fukushima noch gar nicht eingerechnet. Tepco muss laut
Berechungen des Juristen Julius Weitzdörfer mit bis zu 90 Milliarden Euro
Ersatzforderungen als Folge des Atomreaktorunfalls rechnen. Der Jurist
kalkulierte im Auftrag des deutschen Max-Planck-Instituts im August 2011 die
Folgekosten der Atomkatastrophe.
Nicht nur die evakuierte Bevölkerung würde laut Weitzdörfer
Ersatzforderungen stellen, sondern auch das Kraftwerkspersonal,
Bauernverbände, Fischereikooperationen sowie Industrie- und
Tourismusunternehmen.
Zu den Haftungs- und Entschädigungszahlungen kommen jetzt auch noch enorme
Kosten für die Entkontaminierung der Umwelt dazu. Die Säuberungsaktivitäten
könnten für die Region eine zweite Naturkatastrophe bedeuten. Große Mengen
an Erdreich, Pflanzen und Bäumen müssten abgetragen werden. Gebäude und
Straßen müssen dekontaminiert werden. Nicht geklärt dürfte nach wie vor auch
die Endlagerung des verseuchten Erdreiches sein, das abgetragen werden muss,
berichtet der "Guardian". Die Kosten für die Entkontaminierung der Umwelt
werden laut "Guardian" mindestens weitere 10 Milliarden Euro betragen.
Dazu kommen weitere Kosten, wie zum Beispiel Folgekosten der Atomkatastrophe
für das Gesundheitssystem des Landes, wirtschaftliche Ausfälle durch die
radioaktive Verunreinigung der japanischen Lebensmittel und der daraus
resultierende Handelsboykott japanischer Lebensmittel durch Drittstaaten,
sowie jetzt notwendig gewordene Importkosten für Ersatzstrom aus dem
Ausland.
Guardian: Japan to report first trade deficit since 1980 following Fukushima
desaster
http://gu.com/p/35xz7
Guardian: Fukushima nuclear cleanup could create its own environmental
desaster
http://gu.com/p/34hdn
Guardian: Fukushima nucear disaster firm asks for extra £6bn to compensate
victims
http://gu.com/p/34bee
Studie: Die Haftung für Nuklearschäden nach japanischem Atomrecht -
Rechtsprobleme der Reaktorkatastrophe von Fukushima I
http://www.mpipriv.de/shared/data/pdf/zjapanr31_09_weitzdoerfer.pdf