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Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>1. Feb 2012 22:56

Baeuerliche Notgemeinschaft: die BGR und die Kleemann-Studie

Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer
persönlichen Information.
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http://wendland-net.de/index.php/artikel/20120127/baeuerliche-
notgemeinschaft-die-bgr-und-die-kleemann-studi-16574

wendland-net, 27.1.12


Bäuerliche Notgemeinschaft: die BGR und die Kleemann-Studie

Nach der ausführlichen Stellungnahme der Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) reagierte nun die Bäuerliche
Notgemeinschaft darauf. Grundsätzlich begrüßt es die Notgemeinschaft,
wenn die Behörde sich endlich einer öffentlichen schriftlichen
Auseinandersetzung stellt ...

Doch statt die wesentlichen Kritikpunkte in der Studie ernsthaft zu diskutieren, weicht die BGR auf inhaltliche Randaspekte aus, so die Bäuerliche Notgemeinschaft, operiert teilweise mit Halbwahrheiten und beruft sich immer wieder auf interne, bisher unveröffentlichte Berichte. Außerdem versuchen die Behördengutachter nach altbekannter Manier, ihren Kritiker Kleemann und seine Auftraggeber zu diskreditieren. So wird der Begriff Studie in Anführungszeichen gesetzt und Geologe Kleemann durchgehend nur als "Autor der Unterlage" tituliert.

Die Bäuerliche Notgemeinschaft erklärt dazu:

Kleemann hatte in seiner Studie auf der Grundlage einer umfassenden Literaturrecherche die mangelhafte wissenschaftliche Arbeit der BGR scharf kritisiert. Fazit des früheren Fachbereichsleiters im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) der Studie: Die Aussagen der BGR über die "Eignungshöffigkeit" des Gorlebener Salzstockes sind ungenügend begründet. Neuere wissenschaftliche Ergebnisse, die die Eignung des Salzstocks in Frage stellen, werden komplett ausgeblendet. Die BGR erklärt dagegen, sie habe sich sehr wohl mit den von Kleemann angeführten Quellen auseinander gesetzt. Die seien allerdings nicht in ihren offiziellen Übersichtsbänden zu Gorleben, sondern nur in den zugrunde liegenden Fachberichten zitiert, auf die sich Kleemann kaum beziehen würde. Dabei verschweigt die Bundesanstalt, dass diese Unterlagen gar nicht veröffentlicht und deshalb jeder fachlichen Beurteilung von außen entzogen sind. Berichte unter Verschluss sind wissenschaftlich ohne Wert.

Die BGR nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau

Auch bei anderen Fragen nimmt es die BGR mit der Wahrheit nichts so genau. So versucht sie fälschlicherweise den Eindruck zu erwecken, als würde sich Kleemann beim Thema "aktive Störungszone" nur auf die frühen, damals auch von Duphorn und Schneider bezweifelten Aussagen von Prof. Grimmel stützen. Tatsächlich erwähnt Kleemann den Fall Grimmel eher am Rande, um die frühe Festlegung der BGR auf Gorleben und den Umgang mit Kritikern zu dokumentieren. Seine These einer aktiven Störungszone begründet er vor allem mit einer Vielzahl neuerer Befunde und Zitate, die die BGR auch in ihrer aktuellen Stellungnahme wieder hartnäckig ignoriert.

Selbst für Nicht-Geologen anrüchig ist der Versuch der BGR, die Diskussion über die Bedeutung eines stabilen Deckgebirges als unsinnig darzustellen. Bis zur Entdeckung der Gorlebener Rinne war die Bundesanstalt der gleichen Meinung wie Kleemann und andere Geologen. In ihrer Salzstudie empfahl die BGR sogar noch 1995, bei Standortvergleichen die Salzstöcke mit intaktem Deckgebirge vorzuziehen. Heute dagegen behauptet die Behörde, eine solche Beurteilung "blende selektiv bestimmte Zeiträume aus". Schließlich sei es nicht auszuschließen, dass eiszeitliche Gletscher im Laufe der nächsten Million Jahre auch andere Standorte in Norddeutschland beschädigen könnten. Schon auf den ersten Blick ist das ein fadenscheiniges Argument. Kein Pilot würde durch ein schweres Gewitter fliegen, weil er nicht ausschließen kann, dass es womöglich auch woanders ein Unwetter geben könnte. Es ist offensichtlich, dass die BGR ein Sicherheitskriterium, das sie gestern noch selbst für wichtig gehalten hat, heute vom Tisch fegt, weil es eindeutig gegen den Standort Gorleben spricht.

Zentralen Kritikpunkte nicht entkräftet, sondern bestätigt

Unseriös ist zudem die Behauptung der BGR, Kleemann würde mit seiner Einschätzung zur Gorlebener Rinne "auch im Widerspruch zu einer aktuellen Aussage der BfS" stehen. Kleemann selbst kommentiert das so: "Diese Aussage in dem sogenannten VERSI-Bericht des BfS basiert allein auf den Arbeiten der BGR, also des Herrn Keller. Besser konnte die BGR ihre Arbeitsweise des wiederholten Selbstzitats nicht verdeutlichen."

Mit ihrer Stellungnahme zur Kleemann-Studie kann die BGR den Verdacht nicht entkräften, dass sie bei ihrer Aufarbeitung der Erkundungsergebnisse die Absicht verfolgt, die politische Vorfestlegung auf den Salzstock Gorleben zu stützen und mögliche KO-Kriterien aus dem Weg zu räumen. Im Gegenteil: Die zweifelhaften Methoden, mit denen die Bundesanstalt die Kritik der Kleemann-Analyse zu entkräften versucht, bestätigen gerade die zentralen Kritikpunkte der Expertise. Dabei hat die Arbeit der BGR größte politische Konsequenzen: Sie bildet das Fundament, auf dem die "Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben" (VSG) Aussagen über die Eignung des Salzstockes treffen wird. Wenn die BGR schon durch in ihren Untersuchungen Vorfestlegungen trifft, ist das Ergebnis der "Sicherheitsanalyse" automatisch verzerrt.

Kernfragen der Kleemann-Studie sind bisher unbeantwortet

Deswegen hofft die N, dass diese Diskussion fortgesetzt wird. Folgende Kernfragen, die sich aus der Kleemann-Studie ergeben, sind von der BGR bisher gar nicht oder nur unzureichend beantwortet worden:

* Warum werden die unveröffentlichten Berichte der BGR nicht veröffentlicht?

* Die BGR erwähnt zwar, dass Bewegungen im Erdmantel - also in ca. 30 km Tiefe - zu einer Aufwölbung auch im Bereich Gorleben geführt haben. Sie ignoriert aber, dass durch diese Aufwölbung die Erdkruste instabil geworden ist. Welche Folgen hat diese Instabilität für den Salzstock, wenn die nächsten Eiszeiten Gletscher über die Region Gorleben schieben? Warum setzt die BGR sich nicht mit der jüngeren Literatur zu den entsprechenden Störungen auseinander, die durch Eiszeiten ausgelöst werden können?

* Zum Ausschluss von Tiefenstörungen ist die 2D-Seismik untauglich ¬ - warum verzichtet die BGR auf Untersuchungen mittels 3D-Seismik?

* Wo berücksichtigt die BGR die Verhältnisse im Rotliegenden, also der Gesteinsschicht unter dem Salzstock, in der sich Gasvorkommen gebildet haben?

* Auch die BGR streitet die Existenz von Bruchzonen, über die Gas von unten in den Salzstock gelangen könnte, nun nicht mehr ab. Die entscheidende Frage ist: Wann waren sie noch aktiv? Die BGR schweigt dazu.

* Wie belegt die BGR, dass keine Gase in den Endlagerbereich eindringen können?

* Eiszeitgletscher haben tiefe Rinnen in die norddeutsche Erdoberfläche gefräst. Allerdings nicht bei jeder Eiszeit und überall, sondern überwiegend nur in der Elsterzeit und in der mitteleuropäischen Senkungszone. Dabei ist das Deckgebirge des Gorlebener Salzstockes verletzt worden, andere Salzstücke blieben dagegen unversehrt. Wie begründet die BGR ihre Auffassung, dass diese Salzstöcke in Zukunft ebenfalls von Eiszeitgletschern beschädigt werden?

* Warum bezieht die BGR die Arbeiten des Geologischen Landesamtes von Brandenburg nicht mit ein, die eine bedeutende Bruchzone im Bereich des Gorlebener Salzstockes zeigen? (Beispielsweise sämtliche Arbeiten Stackebrandts, auch aus den Jahren 2004 und 2005?)

* Warum wurden und werden auch andere wesentliche Literaturstellen nicht erwähnt?



Auf unseren Internetseiten Gorleben-Epilog.de, baeuerliche-
notgemeinschaft.de und rechtshilfe-gorleben.de werden wir den Stand der
Dinge dokumentieren.


Rechtshilfe Gorleben

Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg

von pm , 2012-01-27 15:49
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