zu Antisemitismus (3 Kommentare)
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Antisemitismus
Bielefeld (ots) - Judenfeindlichkeit bleibt ein Problem in der
deutschen Gesellschaft. Alles Gerede, die Erfahrungen des Dritten
Reiches gehörten der Vergangenheit an und man solle die jüngeren
Generationen nicht immer wieder mit der Schuld der Vorfahren
konfrontieren, wird als naiv entlarvt. Gerade diese Generation ist
es, die dafür Sorge trägt, dass sich der Judenhass nicht
klammheimlich den Weg bahnt. Es geht nicht um Schuld, sondern um das
dauerhafte Erinnern! Besonders beängstigend ist, dass diese Gesinnung
laut der neuen Antisemitismus-Studie gerade im Alltag mehr Raum
einnimmt. Auf Fußballplätzen, in der Schule und im Internet sei
Judenfeindlichkeit gegenwärtig. Hier braucht es Menschen, die
aufstehen, wenn »Juden gehören in die Gaskammer« quer über den Platz
gebrüllt wird. Am Ende bleibt allerdings die Frage offen, wo
Antisemitismus anfängt - bei der Kritik an Israel sicherlich nicht.
Das ist die Schwäche der Untersuchung. Was genau »latent
judenfeindlich« ist, wird nicht klar definiert. Doch dass es weiter
Judenhass gibt, ist beschämend - ganz egal, wie viele auf diesem
Irrweg sind.
Originaltext: Westfalen-Blatt
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Rheinische Post: Antisemitismus
Düsseldorf (ots) - So eisig muss man es sagen: Wer in Deutschland
einen Antisemiten finden will, muss nicht lange suchen. Zum Abzählen
reicht eine Hand, denn bei jedem fünften Deutschen gibt es latenten
Antisemitismus. Diesen Befund einer Expertengruppe kann man
bestürzend und den Zustand unserer Gesellschaft bedenklich nennen.
Alles richtig. Es ist das wohlfeile Urteil, das aus der Haltung einer
Betroffenheit erwächst, mit der oft Aufklärung betrieben wird. An
Büchern und Filmen über die Shoah mangelt es ja nicht, ebenso wenig
an Gedenkstätten und Museen. Nur: Ihre Wirkung war offenbar gering.
Zu lange hingen wir dem Glauben an, man könne aus der Geschichte
lernen; aus einer Historie freilich, die wir stets nur im Präteritum
erzählten: Es war einmal. Dabei versäumten wir, die Geschichte in die
Gegenwart zu verlängern. Ein "routiniertes Gedenken" nannte das
gestern Charlotte Knobloch, Vizepräsidentin des Jüdischen
Weltkongresses. Diese Routine hat uns die Geschichte vom Leib
gehalten, sie war weit weg, sie stand in der Vitrine zur Betrachtung.
Nun müssen wir erkennen, dass Geschichte nicht endet, dass sie keine
Stichtage hat. Das zu begreifen ist unser Erbe: Wir sind es den
Opfern von damals und ihren Nachfahren von heute schuldig.
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Neue OZ: Kommentar zu Bundestag / Antisemitismus / Studie
Osnabrück (ots) - Strategie fehlt
Welcher junge Mensch weiß heute, dass der Industrielle und 1922
von Rechtsextremisten ermordete deutsche Außenminister Walter
Rathenau Jude war? Rathenau war einer der angesehensten Politiker der
Weimarer Republik, und er war ein deutscher Patriot. Jude und
deutscher Patriot, liest sich das seltsam? Für viele Menschen in
diesem Lande tut es das.
Wie wenig die deutsche Gesellschaft bis heute die Juden als die
Ihren begreift, als Teil von sich, belegt der gestern vorgestellte
Antisemitismus-Bericht. Juden haben Deutschland stets mitgestaltet
und bereichert, lange bevor es einen deutschen Nationalstaat
überhaupt gab. Dennoch passen die Attribute jüdisch und deutsch nach
dem Empfinden eines Teils der deutschen Gesellschaft offenbar nicht
zusammen. Immer noch schlummert bei uns ein völkisches, von der
Vorstellung rassischer Unterschiede geprägtes Verständnis von Nation.
Regelmäßig, etwa in antisemitischen Gesängen von Fußballfans, bricht
es hervor.
Seit Jahrzehnten versuchen engagierte Menschen in der
Bundesrepublik der Judenfeindlichkeit entgegenzuwirken. Dennoch
gedeiht sie in unserer Gesellschaft weiter. Deutschland fehlt eine
wirksame Gesamtstrategie gegen Antisemitismus. Wie sehr wir eine
solche brauchen, zeigt auch die Tatsache, dass rechtsterroristische
Mörder über Jahre ihr Unwesen treiben konnten.
Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung
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