Wie kam die Neonazi-Terrorbande zu gefaelschten Paessen? - Eine unglaubliche Geschichte
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Linkszeitung, 19.12.11
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Wie kam die Neonazi-Terrorbande zu gefälschten Pässen?
Eine unglaubliche Geschichte
Berlin (LiZ). Nachdem seit Wochen die Frage im Raum steht, wie die
Neonazi-Terrorbande um Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu brillant
gefälschten Pässen kam, tischt der Thüringer "Verfassungsschutz" nun eine
unglaubliche Geschichte auf. Im Jahr 2000 will er der Bande mehr als 2000
Mark für die Beschaffung gefälschter Ausweise zur Verfügung gestellt
haben.
Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Z. waren Ende Januar 1998
untergetaucht, nachdem die Polizei in Anwesenheit von Uwe Böhnhardt am
24. Januar 1998 in einer Garage eine Bombenwerkstatt entdeckt hatte. Um
in den Jahren 1998 und 1999 unentdeckt zu bleiben und erfolgreich
Banküberfälle begehen zu können, wären gefälschte Ausweise sicherlich
sehr nützlich gewesen. Am 13.11. dieses Jahres war bekannt geworden
(siehe unseren Artikel), daß die Polizei Ausweise von Böhnhardt und
Mundlos sicherstellte, die von solch hervorragender Qualität waren, daß
sie dem Vernehmen nach nur im Auftrag eines Geheimdienstes gefälscht
worden sein konnten. Eine ganze Reihe weiterer Indizien (siehe unseren
Artikel vom 20.11.11) deutet darauf hin, daß die Neonazi-Terrorbande
gezielt aufgebaut wurde und daß die Mord-Serie nicht ohne die Kenntnis
von Geheimdienst-Kräften oder gar in deren Regie stattfand.
Nun wird über die Mainstream-Medien die Meldung verbreitet, ein
Mitarbeiter des "Verfassungsschutzes" habe bei einer Sitzung der geheim
tagenden Kontrollkommission des Thüringer Landtages am 6. Dezember
ausgesagt, im Jahr 2000 seien mehr als 2000 Mark für gefälschte Pässe an
die Neonazi-Terrorbande geflossen. Der "Verfassungsschutz" habe auf
diesem Wege herausfinden wollen, wo sich die Untergetauchten aufhalten.
Zu diesem Zweck seien dem Neonazi Tino Brandt 2000 Mark übergeben worden.
Bekanntlich arbeitete Tino Brandt unter dem Decknamen "Otto" als V-Mann
für die Behörde. Interessant wäre, zu erfahren, ob der angebliche 2000-
Mark-Fluß noch vor oder bereits nach der Demission des Präsidenten des
Thüringer "Verfassungsschutzes", Helmut Roewer, vonstatten gegangen sein
soll. Tatsache ist, daß Roewer den Chef der Neonazi-Organisation
"Thüringer Heimatschutz", Tino Brandt, als V-Mann im Mai 2000
abgeschaltet hatte, nachdem dessen geheimdienstliche Tätigkeit in
Neonazi-Kreisen aufgeflogen war.
Tino Brand alias "Otto" soll das Geld an einen Mittelsmann weitergeleitet
haben. Nach Aussage des "Verfassungsschutz"-Mitarbeiters vor der
Kontrollkommission des Thüringer Landtages am 6. Dezember scheiterte
jedoch der Plan, den Aufenthaltsort der Neonazi-Terrorbande aufzudecken.
Zwar habe sich die Bande tatsächlich neue Pässe beschafft, aber der
Thüringer "Verfassungsschutz" habe vergessen, die Meldeämter in Sachsen
einzuweihen und so habe die Bande nicht entdeckt werden können.
Diese Geschichte wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. So ist kaum
nachvollziehbar, warum erfolgreiche Bankräuber Geld nötig gehabt haben
sollen, um sich gefälschte Ausweise zu besorgen. Es erhebt sich die
Frage, wie die Bande zwei Jahre lang ohne gefälschte Ausweise unentdeckt
bleiben konnte. Und es bleibt die Frage offen, woher die Ausweise
stammten, die offenbar von außergewöhnlich professionellen Fälschern
gefertigt wurden. Und überdies: Warum sollte der "Verfassungsschutz"
falsche Ausweise bezahlen, anstatt sie selbst zur Verfügung zu stellen -
selbstverständlich ohne der Bande deren Herkunft zu offenbaren.
Noch brisanter wird die Aussage des "Verfassungsschutz"-Mitarbeiters vom
6. Dezember durch dessen Hinweis, seine Behörde habe aus abgehörten
Telefonaten vom dringlichen Wunsch der Bande nach gefälschten Pässen
erfahren. Hier erhebt sich selbstverständlich sofort die Frage, wie es
möglich sein soll, daß die Telefonate abgehört, zugleich aber der
Aufenthaltsort nicht festgestellt wurde.