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Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>18. Dec 2011 21:20

24.12., Bielefeld - Woche des Widerstandes


Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Woche des Widerstandes Der
Wutbürger ist gefragt CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Die Deutschen sind ein Volk von Protestierern
und Demonstranten geworden. Das ist gut, denn sie nehmen damit ihre
demokratischen Rechte in Anspruch. Sie gehen gegen einen Bahnhof auf
die Straße, sie protestieren gegen die Dichtigkeitsprüfung der
häuslichen Abwasserleitungen, sammeln in Windeseile 40.000
Unterschriften gegen die Schließung von Grundschulen. Auch gegen
Windräder, gegen Stromleitungen und gegen Autobahnen lässt es sich
trefflich demonstrieren. Es ist gute demokratische Kultur, sich gegen
etwas zu wehren, das einem nicht passt. Manchmal sogar erfolgreich.
Die Anti-Atom-Bewegung ist durch hartnäckige Proteste schließlich zum
Erfolg gekommen, der Ausstieg ist perfekt. Jetzt gibt es eine neue
Gelegenheit zu demonstrieren.

Diesmal können die Menschen in Ostwestfalen-Lippe nicht gegen, sondern
für etwas demonstrieren: für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte.
Denn am Samstag, 24. Dezember, darf die Straße nicht den Neonazis allein
gehören. Die wollen eine andere Gesellschaft, eine, in der Andersdenkende
nicht für ihre Interessen demonstrieren dürfen, in der Gewalt und Willkür
herrschen. Die braunen Horden wollen am Heiligen Abend in Bielefeld die
Straße für sich, wollen "Ausländer raus!" bölken.

Das haben sie schon oft getan und - seien wir ehrlich - die bürgerlichen
Kreise haben sich gelangweilt abgewandt. Es sah aus wie ein Ritual: Die
Nazis demonstrierten, die Antifaschisten und ein paar Aufrechte aus
Kirchen und Gewerkschaften demonstrierten dagegen, manchmal gab's Randale
und die Polizei sorgte irgendwann für Ruhe. Im Einfamilienhausidyll, in
den gehobenen Altbauvierteln wurde das schulterzuckend zur Kenntnis
genommen.
Spätestens jedoch seitdem bekannt geworden ist, dass drei Neonazis aus
Zwickau zehn Menschen umgebracht haben, ist alles anders. Sie haben
Türken ermordet, weil es Türken waren und keine Deutschen. Eine
widerliche Vorstellung. Den Neonazis werden rund 150 Morde in den
vergangenen Jahren zur Last gelegt, und die NPD ist die politische
Organisation, die dahintersteht.
Die RAF hat in den 70er und 80er Jahren deutlich weniger Menschen
getötet, als die rechten Terrorbanden. Die RAF erhielt aber wesentlich
mehr Aufmerksamkeit, nicht nur von den Ermittlungsbehörden, auch von der
Bevölkerung.
Ist ein türkischer Friseur weniger wert als ein deutscher
Arbeitgeberpräsident oder ein Chef der Deutschen Bank? Eine Antwort auf
die Frage erübrigt sich.

Deshalb ist es wichtig, dass am Wochenende breite Kreise der
Bevölkerung für die Freiheit und gegen die Neonazis in Bielefeld
demonstrieren. Die Wutbürger sind gefragt. Nicht weil die
Rechtsradikalen ausgerechnet am Heiligen Abend ihre widerlichen Ziele
verfolgen wollen. Es ist gleichgültig, ob die Weihnachten oder am 24.
Juli demonstrieren. Die Neonazis sind mit allen demokratischen,
juristischen und polizeilichen Mitteln zu bekämpfen. Alle Bürger sind
gefragt. Dann ist die Demokratie wehrhaft. Ich bin dabei.

Originaltext: Neue Westfälische (Bielefeld)
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/65487
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_65487.rss2

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten ät neue-westfaelische.de

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