zu Hartz IV (Kommentar)
Neues Deutschland: zu Hartz IV
Berlin (ots) - Dass sich in der Bundesrepublik ein
Niedriglohnsektor mit mehr als sieben Millionen Beschäftigten
etabliert hat, ist hinlänglich bekannt. Diese Entwicklung ist weder
neu noch unbeabsichtigt. Es war SPD-Kanzler Schröder, der mit seinen
Arbeitsmarktreformen einst die Büchse der Pandora öffnete. Seitdem
hat sie sich vergrößert, jene industrielle Reservearmee. In der
marxistischen Wirtschaftstheorie zählt man dazu jene Arbeiter, die
gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, aber dafür keinen
Käufer finden.
Wenn man so will, bilden Niedriglöhner, zu denen auch viele
Leiharbeiter gehören, die Vorhut dieser Reservearmee. Sie sind
gezwungen, ihre Arbeitskraft zu einem extrem geringen Preis zu
verkaufen. Einem Preis, der oft nicht einmal ihre Lebenshaltungskosten
deckt. Und so müssen Hunderttausende ihre schmalen Einkommen mit
Hartz-IV-Leistungen aufstocken. Zudem sind viele dieser Billigsoldaten
nur befristet angestellt. Selbst wenn sie einmal so viel verdienen, dass
sie in die Arbeitslosenversicherung einzahlen können, werden sie oft vor
Erreichen der magischen 12-Monats-Grenze wieder auf die Straße gesetzt.
Diese Niedriglöhner arbeiten ohne Netz und doppelten Boden. Wenn man
sie entlässt, dann rutschen sie gleich in den Hartz-IV-Bezug.
Und doch erfüllen auch gering Qualifizierte ihren Zweck. Sie, »die
zunächst nutzlos« sind, »bis das Kapital sie verwerten kann« (Marx),
drücken die Löhne auch jener besser Qualifizierten in
Normalarbeitsverhältnissen. Und ganz nebenbei erwirtschaftet diese
Arme Armee satte Profite.
Originaltext: Neues Deutschland
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