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Auswahl: [Der Rabe Ralf]
DNR Matthias Bauer <matthias.bauer ät dnr.de>25. May 2009 06:48

Slum life: Die Probleme des Slumlebens sind zahlreich - aber nicht unloesbar


Slum life

Lang ist die Liste der Probleme des Slumlebens - doch sie sind nicht unlösbar

Ein Slum, das ist ein stark bevölkertes Gebiet einer Stadt, das aus ärmlichen Hütten besteht und wo die Anzahl der "Armen" ihr höchstes Ausmaß erreicht. Ich selbst komme aus einem Land, in dem das größte Slumgebiet Afrikas zu finden ist.

Ich bin sicher, dass die meisten den Begriff "Slum" mit vielen negativen Dingen in Verbindung bringen. Kriminalität, Drogen, Gewalt und Krankheit sind nur ein paar davon. Viele mögen sich deshalb wundern, weshalb sich so viele Menschen entscheiden in diesen Randgebieten zu leben.

Um aus meiner Erfahrung zu sprechen: Niemand sucht sich dieses Leben aus, es ist die letzte Wahl in oft ausweglosen Situationen. Eine andere Option wäre oft nur das Leben auf der Straße. Und so entstehen die dicht besiedelten Bereiche. Das Leben in den Slums ist nicht - und war auch nie - einfach. Es mag zwar billig sein, doch auch das hat seinen Preis.

In den kleinen Gebieten, die etwa zwei Quadratkilometer groß sind, leben bis zu eine Million Menschen. Die kleinen Hütten stehen dort sehr eng beieinander. Dicht genug, um jedes kleinste Detail aus dem Leben des Nachbarn zu kennen. Die meisten dieser Häuser bestehen lediglich aus Blech, Holzresten, Plastikabfall oder Schlamm. Ein "Zimmer" im Inneren misst etwa drei mal drei Meter und wird von bis zu 12 Menschen bewohnt. Für die meisten Europäer ist das sicher kaum vorstellbar.

Mit dem Leben in den Slums gehen auch gesundheitliche Probleme und das Fehlen von sozialen Annehmlichkeiten einher. "Luxusartikel" wie Toiletten oder Mülltonnen fehlen meist oder sind nur extrem spärlich vorhanden. Meistens wird der Müll auf die Straßen oder die nahen Wege geworfen. Abwasser fließt hindurch und in die schmalen, offenen und selbst gegrabenen Gräben zwischen den Siedlungen.

Toiletten und andere sanitäre Anlagen müssen meist bezahlt werden. Für diejenigen, die sich das nicht leisten können, bleibt nur die Möglichkeit sich in Plastiktüten zu erleichtern. Dieser Abfall wird natürlich nicht im Haus aufbewahrt - normalerweise wird er auf die Dächer der Nachbarn geworfen. "Fliegende Toiletten" werden diese Beutel dann genannt. Glücklicherweise hatte ich bei meinen Besuchen dort niemals das Pech, nachts von einem solchen Wurfgeschoss getroffen zu werden.

Außerdem gibt es ein Wasserproblem. In den Slumgebieten ist kaum Trinkwasser vorhanden, und die Bewohner, die das Glück haben in ihrer Nähe Wasserhähne mit fließendem Wasser zu besitzen, verkaufen das kostbare Gut. Das kühle Nass wird in riesigen Kanistern von bis zu 20 Litern zu den Häusern gebracht. Manchen geht es allerdings so schlecht, dass sie weder körperlich noch finanziell in der Lage sind sich dieses Wasser zu beschaffen, weshalb sie gezwungen sind, das Wasser aus den nahen Flüssen zu holen. Allerdings sind diese Flüsse stark mit industriellen Abwässern, menschlichen Exkrementen und jeder Art von Unrat verseucht.

Bedrohung durch Krankheiten

Aber für viele der Slumbewohner, ist dies ist die einzige Möglichkeit überhaupt an Wasser zu kommen. Daraus resultierend herrschen gerade bei Krankheiten wie Typhus, die direkt durch das verschmutzte Wasser ausgelöst werden, und Malaria, die auf die Stechmückenbrut im Wasser und den Mangel an Moskitonetzen zurückzuführen ist, geradezu seuchenähnliche Zustände. Geradezu als Ironie des Schicksals erscheint es, dass diese Krankheiten für die meisten Erkrankten zwar eine Bedrohung sind, sie jedoch nicht umbringen, als würde Gott sie beschützen. Nichtsdestotrotz stellen die Erkrankungen natürlich weiterhin eine Gefahr für die Slumbewohner dar.

Die unbestritten größten Probleme und die gefürchtetsten Bedrohungen sind allerdings der Kindesmissbrauch, HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten. Größtenteils aufgrund der hohen Armuts- und- Arbeitslosenrate wurde auch die Sexualität kommerzialisiert. Kinder müssen die Schule verlassen, nicht nur um hart zu arbeiten, Mädchen ab zwölf Jahren müssen auch ihren Körper "verkaufen", um für ihre Familien das tägliche Brot zu verdienen. Auch Jungs sind davon nicht ausgenommen und werden sogar zu Sodomie gezwungen. Dazu kommt noch, dass in den meisten Fällen nicht verhütet wird. Nicht weil es niemanden interessiert, sondern weil die Verlockung, für ungeschützten Sex mehr Geld zu bekommen, zu groß ist. Und so verbreiten sich HIV-Infektionen in einem Slum wie ein Lauffeuer, von den Jüngsten bis zu den Ältesten.

Kriminalität fast überall

Wenn ein anstrengender Tag mit Versuchen, einen Job zu bekommen und ein wenig Geld zu verdienen, wieder nicht erfolgreich war, beginnt die Frustration. Auch kommt der Konsum von gefährlichem Billigalkohol hinzu. Größtenteils sind diese Genussmittel sogar verboten, da besonders verschiedene Biersorten kaum Kontrollen unterliegen und so oft gefährlich für die Gesundheit sind. Es gibt zahlreiche Berichte von Menschen, die nach dem Konsum solcher Alkohole erblindeten. Auch von Unfruchtbarkeit und Impotenz ist die Rede.

Doch getrunken wird trotzdem, um all die Probleme zu vergessen - was diese natürlich nur noch verschärft. Der illegale Alkohol hat bereits das Leben von vielen Menschen zerstört, und es ist traurig, gerade den jungen Leuten bei ihrer Selbstzerstörung zuzusehen.

Ein weiteres Problem sind die zahlreichen zwischenmenschlichen Streitigkeiten zwischen den Slumbewohnern. Hauptsächlich geht es bei diesen Zwistigkeiten um Land, Stämme oder Politik. Fast jeder möchte etwas zu sagen haben oder wenigstens ein wenig Land oder eine begrenzte Ressource besitzen. So kommt es auch zur Formation von Gangs, die versuchen eine Art Herrschaft über die verfügbaren Ressourcen auszuüben. Daraus resultieren Gewalt, Blutvergießen und Verbrechen. Gerade die rivalisierenden Gangs machen das Slum-Gebiet zu einer von Kriminalität bestimmten Gesellschaft. Auch durch die zunehmende Überbevölkerung der Slums ist es kaum möglich, Kriminelle zu finden und zu bestrafen, weshalb viele Bewohner in Angst leben.

Die Liste der alltäglichen Probleme des Slumlebens scheint schier endlos zu sein. Wichtig sind allerdings auch die Auslöser, die zum Leben in den Slums führen. Vor allem die Armut, die Wirtschaft und eine oft schlechte Regierung. Diese Faktoren haben tausende Familien arm und arbeitslos gemacht, sodass sie sich kaum die grundlegenden lebenserhaltenden Dinge wie Essen, Kleidung und Schutz leisten können. Etwa neunzig Prozent aller Bewohner in den Slums leben unterhalb der Armutsgrenze.

Was können wir tun?

Ich glaube, dass wir mit ein bisschen Hilfe die Richtung dieses Problems ändern können. Ich bin mir sicher, dass die Industriestaaten, NGOs und die "Privilegierten" in der Lage sind zu helfen und das Leben dieser Leute zu verändern. Die Slumgebiete können in produktivere Gebiete verwandelt werden, die das Leben ihrer Einwohner wieder lebenswert machen.

Es gibt viel Potenzial zu entdecken. Ich möchte dazu aufrufen, zu versuchen, diesen vom Glück benachteiligten Menschen das Gefühl eines schönen, eines besseren Lebens zu geben.

"There are people suffering. If you care enough for the living make it a better place for you and for me."

Jay X.

Der Autor ist Journalist afrikanischer Herkunft und lebt in Brandenburg.

Übersetzung: Laura Sophie Glienke


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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - April/Mai 09
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