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Auswahl: [Der Rabe Ralf]
Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>10. Jan 2010 14:49

Gewaesser im Klimastress: Experten-Dialog am Berliner Mueggelsee


Gewässer im Klimastress

Zweiter Experten-Dialog am Berliner Müggelsee

Ein Expertengespräch im Juni mit Teilnehmern aus Forschung, NGOs, Politik
und Verwaltung war hochkarätig besetzt. Direktor Prof. Dr. Klement Tockner
vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
erläuterte eingangs die neuen Herausforderungen an die Gewässer: "Der
weltweite Klimawandel wird in Zukunft gravierende Auswirkungen auf Struktur
und Funktion von Flüssen, Seen und Feuchtgebieten haben. Das betrifft die
Wasserqualität ebenso wie die verfügbare Wassermenge und die saisonale
Verteilung des Wassers. Zu wenig oder in seiner Qualität verändertes Wasser
geht auf Kosten der Lebensgemeinschaften im Gewässer, so dass sich der
Konflikt zwischen Wasserbedarf und den ökologischen Ansprüchen verschärfen
wird. Der erwartete Klimawandel in der Region Berlin-Brandenburg kann nicht
nur die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gefährden, sondern auch andere
Bereiche wie Landwirtschaft, Energiegewinnung, Tourismus und
Binnenschifffahrt beeinträchtigen".

Welche Aufgaben sich daraus für Politik und Forschung ergeben, darüber
sprach Prof. Dr. Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes
Brandenburg. Es gehe vor allem um Perspektiven und Möglichkeiten für eine
nachhaltige Bewirtschaftung unserer Gewässer. In seinem kritischen Beitrag
verglich Prof. Freude wissenschaftlich fundierte Umwelt-Voraussagen aus dem
Jahre 1994 mit der heutigen Situation: Fast alle damals entwickelten
Szenarien seien heute bereits Realität, darunter ausgetrocknete Gewässer
(zum Beispiel 15 Seen), sinkende Grundwasserspiegel, verringerte Abflüsse
bis zu 5 Prozent pro Jahr, versalzene Grundwasservorräte, Bergbaufolgen für
die Spree, Extremereignisse. Positiv zu bewerten sei die jetzt vorliegende
gesicherte Datenbilanz im Rahmen der Arbeiten zur Wasserrahmenrichtlmie
(WRRL) und daraus abzuleitende Maßnahmen.

Experten des IGB widmeten sich in dem Dialog dem Einfluss des Klimas auf die
Wasserqualität und die Lebensgemeinschaften im Gewässer. Diskutiert wurden
die Themen: Herausforderungen der Zukunft für die Bewirtschaftung von
Gewässern, praktischer Gewässerschutz, die Zukunft des wassergebundenen
Tourismus in Brandenburg, die Ausbreitung von durch Stechmücken übertragenen
Krankheiten, Klimafolgenforschung und Langzeitforschungsprogramme an
Gewässern. Alle aktuellen Studien zur Biodiversität kennzeichnen ein
komplexes Herangehen, das unter anderem Aquakultur, den Verlust der Nacht
als Schaden für Mensch und Natur sowie das 21. Jahrhundert als Jahrhundert
der Renaturierung berücksichtigen. So hat das internationale Jahr der
Astronomie 2009 die Aufmerksamkeit auf das Problem der Lichtverschmutzung
gelenkt: Aufgrund der immer weiter zunehmenden Beleuchtung von Straßen und
Gebäuden gibt es nur noch wenige Orte auf der Erde, an denen es nachts
richtig dunkel wird. Unter Leitung des Leibniz-Instituts für
Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) wurde nun ein groß angelegtes
transdisziplinäres Projekt gestartet, in dem Forscher wissenschaftlich
fundierte Beleuchtungskonzepte erarbeiten wollen, welche Mensch und Natur
gerecht werden. Geplant ist auch der Aufbau eines Genom-Zentrums für
Biodiversität in Berlin.

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist das
größte deutsche Zentrum für ökosystemare Forschung an limnischen Systemen.
Die Arbeiten des IGB verbinden Grundlagen- mit Vorsorgeforschung als Basis
für die nachhaltige Bewirtschaftung der Gewässer. GK

Kontakt:
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
Müggelseedamm 310, 12587 Berlin
Tel.: (030) 641815
www.igb-berlin.de

--
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - August/September 09
Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin
www.raberalf.grueneliga-berlin.de

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