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Auswahl: [Der Rabe Ralf]
Der Rabe Ralf - Onlineredaktion <matthias.bauer ät grueneliga.de>29. Dec 2008 16:32

Einfache Klaeranlagen sollen Palaestinensern aus der Wassernot helfen


Filtern für den Frieden

Wasserprobleme in Israel können durch einfache Kläranlagen behoben werden

Der Boden zwischen den Olivenbäumen in dem Dorf Beit Sahur im Westjordanland
ist ausgedörrt und steinhart. In der Mittagshitze sucht ein Esel nach
Futter. Doch außer ein paar vertrockneten Grashalmen gibt es nichts mehr.
Zwischen Mai und Oktober fällt hier bei Bethlehem kein einziger Tropfen vom
Himmel.

Der ganze Nahe Osten leidet seit vier Jahren unter akutem Wassermangel. In
diesem Sommer ist nur die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags gefallen.
Die Lage ist so dramatisch, dass Zypern Wasser aus Griechenland einschiffen
lassen muss. In Israel wurde fast jede Woche ein neuer Tiefstand des Sees
Genezareth gemeldet. Er ist die wichtigste Frischwasserquelle des Landes.

In Beit Sahur soll ein anderer Weg gegangen werden. Im Sommer zogen vier
junge Briten in ein steinernes Bauernhaus in einem Wadi nahe Betlehem,
tauften den Ort "Bustan Qaraaqa" ("Schildkrötengarten") und begannen, nach
Möglichkeiten der Wasserkonservierung in der regenarmen Region zu suchen.

Mit der Unterstützung von Freiwilligen bauen die Engländer Zisternen für
Regenwasser - und eine simple Kläranlage. Mit dem System aus Rohren, Heu und
anderen natürlichen Filtern kann jeder das eigene Abwasser aus Küche und Bad
für die Landwirtschaft nutzen. Dieses Recycling soll den Palästinensern aus
der Wassernot helfen. "Es gibt hier eine Mentalität, alles auf die
israelische Besatzung zu schieben", sagt der Ökologe und Projektinitiator
Nicholas Marcroft. Dabei könne man mit einfachen Mitteln und wenig Geld
vorhandene Ressourcen besser nutzen. "Für nur 160 US-Dollar bekommt man
schon das Material für die Kläranlage", erklärt Projektmitglied Tom
Fearnly-Pearson.

Im Moment ist man dabei, den Einwohnern das Projekt näher zu bringen. "Wir
wollen sie nicht belehren, sondern mit ihnen zusammen arbeiten", betont
Marcroft. In der Westbank, wo viele in Depression und Apathie versänken, sei
vor allem die Anregung zur Selbstständigkeit wichtig. "Wir wollen, dass die
Leute selbstbewusster werden", sagt Marcroft. Denn erst dann könne man über
gemeinsame Projekte mit Israelis nachdenken.

Da Israel zwei der drei unter der Westbank gelegenen Grundwasserströme
kontrolliert, sind die Palästinenser abhängig von der Versorgung durch den
israelischen Wasseranbieter Mekorot. In einem kürzlich veröffentlichten
Bericht wirft die israelische Menschenrechtsorganisation Btselem der Mekorot
vor, bei der Verteilung "rassistisch" zu handeln. Pro Kopf würden die
Israelis laut dem Bericht dreieinhalb mal so viel Wasser konsumieren wie die
Palästinenser. Dabei verbrauchten letztere mit täglich rund 66 Litern pro
Person nur zwei Drittel des von der Weltgesundheitsorganisation WHO
festgelegten Minimums. Abgesehen davon sind über 200.000 Palästinenser gar
nicht an das Wassersystem angeschlossen und daher auf die Versorgung durch
teures Wasser aus Tanks angewiesen. In diesem Sommer drohe in Palästina eine
"ernsthafte Wasserkrise".

Auch im Konflikt mit Syrien und dem Libanon sowie in den Beziehungen zum
befreundeten Jordanien spielt Wasser eine Rolle. Bei der Unterzeichnung des
Friedensvertrags mit Amman 1994 verpflichtete Israel sich, jährlich 50
Millionen Kubikmeter Wasser in das Nachbarland weiterzuleiten. "Das Abkommen
wurde nie erfüllt", sagt Zafer Alem, ehemaliger jordanischer Wasserminister.
Jordanien sei "eines der ärmsten Länder der Welt, was Wasser betrifft".
Syrien und Israel, die direkten Zugang zum Fluss Jordan haben, nähmen sich
Wasser ohne Rücksicht auf Jordanien.

Israel will den stark steigenden Bedarf langfristig vor allem durch
Entsalzungsanlagen decken. Die drei existierenden Anlagen produzieren 15
Prozent des Trinkwassers. In Zukunft sollen es bis zu 80 Prozent werden.
Doch Gidon Bromberg von der israelisch-jordanisch-palästinensischen
Organisation "Freunde der Erde Naher Osten" (FOEME) warnt davor, die
energieintensiven und teuren Entsalzungsanlagen als Patentrezept zu sehen.
"Wir im Nahen Osten benehmen uns, als lebten wir in Nordeuropa ", sagt er.
In viel zu großem Umfang würden etwa rund ums Jahr tropische Früchte
angebaut und Grünanlagen bewässert. Für die Umweltaktivisten ist daher nicht
mehr Wasserproduktion, sondern ein sparsamerer Umgang die richtige Lösung
für die Region.

"Es gibt bei uns alle sieben bis zehn Jahre eine Dürre", so Bromberg. "Aber
jedes Mal wird so getan, als wäre es eine Naturkatastrophe." Vor allem
müssten Menschen erkennen, dass grenzübergreifende Kooperation der Schlüssel
zur Lösung des Wasserproblems ist: "Wir teilen alle ein Schicksal", sagt
Bromberg.

Isabelle Nguyen

www.greenintifada.blogspot.com


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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Dezember 08 / Januar 09
Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
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