***Interview: "Wer Tiere toetet, hat eine grosse Verantwortung"
Biobauer aus Überzeugung
Interview mit Willi Paetsch vom Biolandhof Hohenbrück über wichtige Faktoren der ökologischen Tierhaltung
Warum sehen Ihre Hühner so gut aus?
Ich möchte mit Wilhelm Busch antworten: "Mancher gibt sich viele Müh' mit dem lieben Federvieh, einesteils der Eier wegen, welche diese Tiere legen, zweitens weil man dann und wann einen Braten essen kann:" Wir streben nicht nur nach Gewinn. Biobauer muss man aus Überzeugung sein. Man muss vor allem ein Herz für die Tiere haben, also im Einklang mit der Natur handeln. Bei der Hühnerhaltung gehen wir über die Bioland-Richtlinien hinaus. Wir halten 500 Tiere in einem Stall statt 3000 und bieten dazu weit mehr Raum und Auslauf, weil wir festgestellt haben, je größer die Stückzahl, umso höher die Neigung zur Aggressivität.
Und die Ökonomie dabei?
Die leidet natürlich etwas. Aber Tiere, die sich wohl fühlen, sind gesund, brauchen keine Medikamente. Außerdem sehen sie schön aus. Ein dichtes Federkleid ist wichtig für den Wärmehaushalt. Diese Tiere brauchen keinen warmen Stall, sind für eine Haltung im Freien geeignet und haben ein starkes Immunsystem.
Wie kommt es, dass das Fleisch Ihrer Masthühner besser schmeckt?
Wichtig ist das langsame Wachstum unserer Tiere, das schmeckt man. Heutige Masthühner leben etwa 32 Tage. Wir schlachten erst im Alter von 80-100 Tagen. Unsere Tiere nehmen mehr Aromastoffe auf, durch Grünauslauf und Wechselauslauf und ständig neue Roggensaat. Das ist ganz entscheidend für die Geschmacksbildung von Fleisch und Eiern. Sehr wichtig ist das für die Fettqualität. Die Brühe des Stallhuhnes wird immer milchig sein, es gibt keine klare Brühe, und sie schmeckt auch nicht so gut.
Wie gehen Sie vor, wenn die Tiere geschlachtet werden?
Grundsätzlich ist es notwendig zu töten, wenn man Fleisch essen will. Aber wer Tiere tötet, hat eine große Verantwortung. Wir arbeiten nach der Tierschutzschlachtverordnung. In den Schlachthöfen, auch den biologischen, wird das Tier noch lebend verkehrt herum eingehängt, die Kette ruckt weiter zu einem Wasserbad mit Stromschlag, der das Tier betäubt. Aber nicht jedes Huhn hat den Kopf nach unten, manche heben ihn hoch und die Kette ruckt weiter... Schon als Jäger habe ich gelernt, dem Tier Schmerzen zu ersparen. Wir schlachten auf unserem Hof selbst in einer kleinen modernen Schlachtstätte. Das verantwortungsvolle Töten der Tiere gehört zu meinem Beruf. Wir respektieren die Tiere als Geschöpfe. Sie werden ohne Stress und schmerzfrei geschlachtet. Jedes Tier wird einzeln in den Schlachtraum getragen und durch freundliches Zureden beruhigt. Durch einen plötzlichen Kopfschlag wird das Tier betäubt, danach wird die Halsschlagader geöffnet. Das Ausbluten erfordert eine bestimmte Wartezeit und Geduld. Erst wenn das Tier tot ist, wird mit der Weiterverarbeitung begonnen.
Woher kommen die Küken?
Auch im Biobetrieb muss man sich spezialisieren. Wir kaufen Ein-Tages-Küken und ziehen sie selbst auf. Sie gewöhnen sich schnell an unsere Freilandbedingungen. So können wir unsere Kükenaufzucht ohne Medikamente garantieren und haben nur 1,5 Prozent Verlust im ersten Monat. Auch die Legehennen erwerben wir aus diesem Grund sehr jung, im Alter von 17 Wochen. Wenn sie anfangen Eier zu legen, halten wir uns sehr, sehr oft im Stall auf. Die ersten Eier legen wir ins Nest, auch die legebereiten Hennen legen wir behutsam in ein Nest. Hühner sind ein Leben lang nesttreu. So bleiben die Eier bei uns getrennt von Schmutz und Kot. Sie müssen nicht gewaschen werden, behalten ihre natürliche Fettschicht und sind haltbarer.
Interview: Elisabeth Westphal
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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 2008 - Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
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