***Interview: Freiwillig arbeiten auf Biobauernhoefen - warum?
Freiwillige Arbeit auf dem Bio-Hof
WWOOF vermittelt seit 20 Jahren Hobby-Farmer
Die gemeinnützige Organisation WWOOF (World-Wide Opportunities on Organic Farms) vermittelt in Deutschland seit 1987 interessierte Laien an Bio-Bauernhöfe in der ganzen Welt. Dort können die Teilnehmer für freie Kost und Logis arbeiten und das Leben in der Landwirtschaft kennen lernen. Der Rabe Ralf sprach mit Marina Chirchikova, einer kanadischen Studentin, die im vergangen Sommer in Frankreich auf einem Ökohof mithalf.
Rabe Ralf: Wie hast du von WWOOF erfahren?
Ich komme aus Montreal in Kanada und war im Sommer mit meiner Freundin Mimi auf einem Europa-Trip. Sie erzählte mir von dem Programm und wir entschieden uns, gemeinsam in Frankreich nach einem Bauernhof zu suchen.
Rabe Ralf: Nach welchen Kriterien habt ihr "euren" Bauernhof ausgesucht?
Zunächst hatte Mimi sich bei WWOOF eine Liste bestellt. Dann suchten wir nach einem Hof, der in den Alpen liegt und möglichst weit weg von Lärm und Hektik der Städte ist. So sind wir auf das kleine Dörfchen Dormillouse gekommen. Das befindet sich im Südosten Frankreichs im Nationalpark "Parc des Ecrins" und ist wirklich sehr abgelegen. Den Bauernhof konnte man nur in einem einstündigen Fußmarsch über einen schmalen und steilen Trampelpfad vom Dorf aus erreichen. Wir sind dann etwa zwei Wochen dort geblieben.
Rabe Ralf: Du kommst aus einer Großstadt. Da wird das Leben auf so einem kleinen Bauernhof eine große Umstellung gewesen sein...
Ja, in der Tat. Es gibt dort nur eine kleine Solarzellenanlage, die den Bauernhof mit ein wenig Strom versorgt. Alles Notwendige muss mit Pferden vom Dorf hinauftransportiert werden, weil keine Autostraße existiert. Holz zum Feuern und Gemüse für die Mahlzeiten haben wir jeden Tag selbst von draußen hereingeholt. Das frühe Aufstehen und die körperliche Arbeit war ich auch nicht gewohnt. Aber nach kurzer Zeit stört einen das nicht mehr.
Rabe Ralf: Wie viel Leute leben auf dem Hof? Inwiefern ist es ein ökologischer Bauernhof?
Zu dem Zeitpunkt lebten dort nur der Bauer und insgesamt sechs WWOOF-Teilnehmer aus Frankreich, Kanada und Tschechien. Die Pferde sind dort alle frei, es gibt keine Zäune oder Einhegungen. Eine Spezialität des Hofes ist die Sirup-Herstellung. Der wird aus verschiedenen Kräutern wie Brennnesseln, Lavendel und Minze gekocht. Dabei werden nur Pflanzen verwendet, die selbst angebaut wurden, keine chemischen Zusätze. Die Mahlzeiten bereitet der Bauer in einem Steinofen zu. Der Hof versorgt sich prinzipiell so gut wie selbst - das Motto lautet: Permakultur. Dies bedeutet, dass möglichst nur selbst produzierte Dinge verwendet werden, ohne dabei die Umwelt mit Abfällen zu belasten oder Raubbau an der Natur zu betreiben.
Rabe Ralf: Was waren deine Aufgaben? Was hast du gelernt?
In erster Linie war ich dafür verantwortlich, auf dem Pferderücken Dinge aus Dormillouse heraufzuschaffen. Außerdem half ich bei der Sirup-Herstellung. Dabei habe ich wirklich viel über Kräuter und andere Pflanzen gelernt. Das war alles neu für mich. Ich studiere zwar Biologie, aber diese "Graswurzelarbeit" hat mich wirklich fasziniert - die Pflanzen zu riechen und zu schmecken, anstatt nur in Büchern über sie zu lesen. Außerdem erfuhr ich, wie anstrengend es ist, Holz zu hacken und das Gemüse vor jeder Mahlzeit erst aus dem Garten zu holen. Das war aber sehr spannend, weil es mir gezeigt hat, wie viele Dinge wir im städtischen Leben heutzutage für selbstverständlich halten. Diesen Wert schätzen zu lernen, war für mich die einprägsamste Erfahrung. Denn viele Menschen machen sich gar keine Gedanken, wo ihr industriell hergestelltes Essen herkommt. Außerdem fand ich die Atmosphäre auf dem Bauernhof sehr entspannt. Wir waren wie eine kleine Familie, lebten und arbeiteten zusammen. Das hat mir gezeigt, dass es eine Alternative zum Einkaufen in Billig-Supermärkten gibt. Es ist auch heute noch gut möglich, im Einklang mit der Natur zu leben. Das hat mich wirklich beeindruckt.
Rabe Ralf: Du lebst zurzeit in Berlin. Bleibt da außer schönen Erinnerungen noch etwas übrig vom Öko-Enthusiasmus?
Natürlich! Ich achte viel mehr auf meine Ernährung und versuche zumindest, mehr Bio-Produkte zu besorgen. Außerdem habe ich meinen eigenen kleinen Kräutergarten auf dem Küchenfensterbrett angelegt. Es ist gar nicht so schwierig, wie mancher denkt, auch in Berlin Kräuter zu sammeln. Zum Beispiel mache ich mir mit Brennnesseln aus dem Park Tee und mit Löwenzahn kann man prima Salate kreieren.
Rabe Ralf: Wirst du im nächsten Sommer wieder auf einem Bio-Bauernhof arbeiten?
Ja, definitiv! Ich weiß zwar noch nicht, wohin ich gehe, denn WWOOF vermittelt ja an Bauerhöfe auf der ganzen Welt. Aber dass ich wieder auf einem Bio-Bauernhof mithelfen will, weiß ich sicher, Ich kann diese Erfahrung nur jedem empfehlen, der dem gewohnten Stadtleben entrinnen und etwas Neues kennen lernen möchte.
Das Interview führte Oliver Nowak.
Kontakt:
Freiwillige Helfer auf ökologischen Höfen. e. V.,
Postfach 210259, 01263 Dresden Internet: www.wwoof.de
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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Dezember 2007/Januar 2008 - Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
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