CL Startseite
Termine
Über uns
Das /CL-Netz
KuNM e.V.
Uns unterstützen
Impressum
Teilnehmen
Anmelden
Schreiben
Angenehmer lesen
RSS
Kontakt
/CL bei G+
Links
/CL-Netz Online-Medien Radio Fernsehen Zeitungen & Zeitschriften Wissen Mehr Links
Auswahl: [Contraste]
Elisabeth Voß <contraste ät online.de>9. Dec 2011 14:58

elis.corner im Dezember 2011

Aus CONTRASTE Nr. 327 (Dezember 2011, Seite 2)

elis.corner

Rettungsschirme wofür?

Von Elisabeth Voß, Redaktiom Berlin # Rettungsschirme in Milliarden-, nein
mittlerweile in Billiardenhöhe – wie viele Nullen hat so eine Zahl? Kann
sich das überhaupt noch irgendwer vorstellen? Geschweige denn, solche Berge
von Geld handhaben? Na ja, das steht ja nur auf dem Papier und muss nicht
real irgendwo aufgetürmt oder gar gezählt werden. Als es Ende September im
Bundestag um das 211-Milliarden-Paket ging, interviewte das ARD-Magazin
Panorama Abgeordnete aller Parteien. Die meisten von ihnen kannten weder
Umfang noch Empfänger der Rettungsgelder – was sie aber nicht daran
hinderte, darüber abzustimmen.

Viel mehr Macht als die Politik scheinen die Ratingagenturen zu haben, die
mit ihren Bewertungen – als seien es Facebook-Like-Daumen – mal eben über
ganze Volkswirtschaften urteilen. Da wackelt die Welt, wenn es eine
Computerpanne gibt, und plötzlich auch Frankreich abgewertet wird. Klingt
nach »Brasil«, einem
Film von 1985: In einem totalitären Staat wird die Existenz eines Menschen
zerstört, weil durch eine Fliege in der Tastatur einer Schreibmaschine zwei
Männer verwechselt werden.

Es fällt mir zunehmend schwerer, all das noch ernst zu nehmen, und wenn
nicht so viele Menschen an den Folgen dieser Finanz- und
Bewertungsakrobatik zu leiden hätten, könnte ich nur noch darüber lachen.
Wenn selbst ein Konservativer wie der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher
zugibt, dass Linke Recht haben könnten mit ihrer Kritik am Kapitalismus,
und wenn der Superreiche Warren Buffet eine stärkere Besteuerung der
Reichen fordert, dann sind offensichtlich die Grundfesten des Systems ins
Wanken geraten. Selbst Kanzlerin Merkel hat »großes Verständnis « für die
Occupy-Proteste.

»Banken in die Schranken« als neuer politischer Konsens von links bis
rechts? Die Banken sind nur ein Symptom, die Ursache ist die
kapitalistische Wirtschaftsweise selbst. Und die soll gerettet werden, mit
Rettungsschirmen, Green New Deal und Rio+20 – während die Unterschiede
zwischen Arm und Reich immer größer werden und Hunger und Ausstoß von
Treibhausgasen zunehmen.

Die taz zeigte am 10.11. unter der Überschrift »Kollektion statt
Kollektiv« eine Ring-Center-Werbung mit dem Slogan: »Das ist keine Jacke,
das ist Rebellion«. Alles wird zur Ware, wie immer, auch der Protest. Und
was haben »wir« – die Alternativen, Linken, Selbstverwalteten,
AnarchistInnen usw. – dem substantiell entgegen zu setzen? Irgendwelche
gesellschaftsverändernden Konzepte und Strategien, die weiter reichen als
kuschelige Nischen?

Eine große Perspektive zu haben behauptet die Zeitgeist-Bewegung, die
allerorten versucht, bei Occupy mitzumischen. Zeitgeist-Oberguru Peter
Joseph scheint mit seinem neuesten Film »Moving Forward« selbst in der
wertkritischen Szene – im österreichischen Magazin »Streifzüge« und auf
keimform.de – auf Interesse und Zustimmung zu stoßen. Diese patriarchale,
technikfetischistische Vision einer Welt, die auf einer unhinterfragbaren
»wissenschaftlichen Methode « beruht, wird von unserer
Österreich-Redakteurin Brigitte Kratzwald auf ihrem Nordwind-Blog gründlich
hinterfragt.

Manchmal empfinde ich es als lähmend, auf die Zustände dieser Welt und das
Näherkommen der Zusammenbrüche zu starren. Wie lassen sich jahrzehntelange
Erfahrungen anderen Wirtschaftens populär machen ohne populistisch zu
werden? Wie können tragfähige größere Strukturen aussehen? Oder wachsen die
vielen kleinen, real existierenden Projekte nach und nach zu
Rettungsschirmen für Menschen zusammen?


********************************************************************************

CONTRASTE ist die einzige überregionale Monatszeitung für
Selbstorganisation. CONTRASTE dient den Bewegungen als monatliches
Sprachrohr und Diskussionsforum.

Entgegen dem herrschenden Zeitgeist, der sich in allen Lebensbereichen
breit macht, wird hier regelmäßig aus dem Land der gelebten Utopien
berichtet: über Arbeiten ohne ChefIn für ein selbstbestimmtes Leben,
alternatives Wirtschaften gegen Ausbeutung von Menschen und Natur,
Neugründungen von Projekten, Kultur von "unten" und viele andere
selbstorganisierte und selbstverwaltete Zusammenhänge.

Des weiteren gibt es einen Projekte- und Stellenmarkt, nützliche Infos
über Seminare, Veranstaltungen und Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt.

CONTRASTE ist so buntgemischt wie die Bewegungen selbst und ein Spiegel
dieser Vielfalt. Die Auswahl der monatlichen Berichte, Diskussionen und
Dokumentationen erfolgt undogmatisch und unabhängig. Die RedakteurInnen
sind selbst in den unterschiedlichsten Bewegungen aktiv und arbeiten
ehrenamtlich und aus Engagement.

Die Printausgabe der CONTRASTE erscheint 11mal im Jahr und kostet im
Abonnement 45 EUR. Wer CONTRASTE erstmal kennenlernen will, kann gegen
Voreinsendung von 5 EUR in Briefmarken oder als Schein, ein dreimonatiges
Schnupperabo bestellen. Dieses läuft ohne gesonderte Kündigung automatisch
aus.
Bestellungen an:
CONTRASTE e.V., Postfach 10 45 20, D-69035 Heidelberg,
E-Mail: CONTRASTE(at)online.de
Internet: http://www.contraste.org

Zusätzlich gibt es eine Mailingliste. An-/Abmeldung und weitere
Informationen unter:
http://de.groups.yahoo.com/group/contraste-list

Wenn Sie Ihr Abonnement für diese Gruppe kündigen möchten, senden Sie
eine
E-Mail an:
contraste-list-unsubscribe ät yahoogroups.de

Kommentare
Bisher keine Antworten oder Kommentare.
Auswahl: [Contraste]