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Peter Striff <contraste ät online.de>21. Jan 2012 16:44

Wo bleibt die »quer«?

Aus CONTRASTE Nr. 328 (Januar 2012, Seite 4)

ERWERBSLOSENZEITUNG QUER

Wo bleibt die »quer«?

Im Sommer 2010 erschien die letzte gedruckte Ausgabe der »quer«, der
Zeitung für Erwerbslose. Wachsendes finanzielles Risiko und fehlende
Arbeitskapazität im Redaktionsteam waren die Gründe dafür, einstweilen
keine »quer« fertig zu stellen. Ab 2012 erscheint sie wieder – als
Online-Ausgabe.

Von Peter Streiff, Redaktion Stuttgart # Seit 1996 ist die »quer« eine
feste Größe für Erwerbslose, die sich unabhängige, oft »quer« zum
Arbeitsverwaltungs-Alltag liegende Informationen besorgen wollten. »quer«
war und ist ein unabhängiges Blatt, das weder von Parteien, Gewerkschaften
und Kirchen noch von Wohlfahrtsverbänden getragen wird.

Das Selbstverständnis ihrer Zeitungsarbeit formuliert die ehrenamtlich
arbeitende Redaktion im Oldenburger Arbeitslosenzentrum (ALSO) wie folgt:
»Grundkonsens für unsere Zeitungsarbeit ist die unbedingte Parteilichkeit
für Erwerbslose und Arme – und zwar gleich welcher Nationalität. Durch
Themenwahl und Art der Berichterstattung setzt sich ‘quer’ mit den rastlos
umgetriebenen Globalisierungsgespenstern ebenso auseinander wie mit
nationalistischer Standortlogik und begreift stattdessen
Massenerwerbslosigkeit und Armut nach wie vor als Teil des alltäglichen
kapitalistischen Normalvollzugs. »quer« will Erwerbslosigkeit weder auf
‘individuelles menschliches Versagen’ noch auf Konzepte reduziert wissen,
die mehr oder weniger offen ‘Arbeit um jeden Preis’ bis hin zu
Zwangsarbeitsszenarien favorisieren.«

Nun also der Entscheid für das Ende von gedruckten
Ausgaben, die die Redaktion selbstkritisch begründet: »Neben fehlender
Arbeitskapazität gab es bei uns eine teils erhebliche Unzufriedenheit mit
der Zeitschrift selbst. Die Artikel waren oft sehr lang und behandelten
rechtliche Fragen (zu?) sehr im Detail. (...) Aus den Rückmeldungen wissen
wir aber auch, dass die ‘quer’ viele praktische und fundierte Hinweise zu
Leistungsansprüchen, Urteilen und weiterer Literatur enthielt, die gerade
jenen sehr wichtig war, die keine fitte Initiative oder Beratungsstelle in
ihrer Nähe haben. Wir wissen auch, dass ‘quer’ gerade dadurch interessant
war, dass sie Dinge nicht unzulässig verkürzt darstellt und Widerstand von
unten, angesichts der Verrechtlichung und den oft dreisten Zumutungen von
Politik und Sozialbehörden, fundiertes Wissen über Grundlagen und
Zusammenhänge braucht.«

Ab dem ersten Quartal will die Redaktion vierteljährlich wieder eine
Zeitschrift herstellen, die auf der ALSO-Website im PDF-Format les- und
ausdruckbar sein wird. Die Redaktion freut sich über inhaltliche Beiträge
und hat auch bereits erste Zusagen erhalten.

www.also-zentrum.de

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