Netzwerk News: Für gute Arbeitsbedingungen sorgen – als Kollektiv
Aus CONTRASTE Nr. 310/311 (Sommer 2010, Seite 4)
NETZWERK NEWS
Fördern – Vernetzen – Unterstützen
Netzwerk Selbsthilfe e.V. als staatlich unabhängiger politischer
Förderfonds ist mit seiner Idee seit nunmehr 30 Jahren einzigartig. Sie
wird auf drei Wegen umgesetzt. Direkte finanzielle Förderung durch einen
Zuschuss, persönliche und individuelle Beratung sowie Vernetzung von
politischen Projekten. Wir brauchen UnterstützerInnen und SpenderInnen,
damit das Entstehen und Überleben vieler kleiner politischer, sozialer und
alternativer Projekte möglich bleibt!
Für gute Arbeitsbedingungen sorgen – als Kollektiv
Ein Kurierkollektiv in Berlin geht an den Start
Seit über einem halbem Jahr arbeiten sie nun. Das junge Berliner
Fahrradkurier-Kollektiv traf sich Ende 2008/Anfang 2009, damals noch als
loser Haufen einiger Kuriere, zum ersten Mal. Sie alle vereinte die Vision,
ihre Arbeit selbst zu organisieren. Die Idee von Kollektiven ist alt, aber
die Gründe für die Gründung eines Kollektiv sind immer noch aktuell. Als
erstes bewegte die Gemüter, dass die Arbeitsbedingungen für Kuriere in den
herkömmlichen etablierten Kurierzentralen äußerst schlecht sind. Die
Einzelnen schlagen sich mit prekären Bedingungen wie erzwungener (Schein-)
Selbstständigkeit, Unterbezahlung, fehlender sozialer Absicherung,
Konkurrenz zu anderen Kurieren, Bezahlung ausschließlich pro gefahrenem
Auftrag und schlechter Arbeitsatmosphäre herum.
Die Gruppe entschied, sich ihre eigene Zentrale aufzubauen. Wie bei
Selbstorganisation üblich, folgten gefühlte endlose Plenas und viele
Treffen. Doch mit viel Beratung und Unterstützung von außen wurde die Idee
konkreter. Im Sommer 2009 wurde ein erster Telefonanschluss eingerichtet,
Flyer für die Öffentlichkeitsarbeit gedruckt, Scheckhefte erworben und
angefangen die Werbetrommel intensiv zu rühren. Seit dem 1. September 2009
arbeitet die Gruppe unter dem Namen »Fahrwerk Kurierkollektiv« in Berlin.
Der Name ist Programm: Das
Arbeiten als Kollektiv heißt, es werden alle Entscheidungen im Konsens auf
zweiwöchentlich stattfindenden Plenas getroffen. Unter dieser
Vorraussetzung fahren die Kuriere mit dem Fahrrad durch Berlin und
transportieren für KundInnen aus allen Branchen eilige Sendungen.
Im letzten halben Jahr sind sie konstant gewachsen. Mittlerweile sind sie
ein festes Team aus sechs Leuten. Sie sind immer noch klein, natürlich.
Trotzdem bedanken sich immer öfter KundInnen bei ihnen, weil sie schnell,
zuverlässig und nett sind und auch Sonderwünsche möglich machen. Vermutlich
werden sie von allen anderen Kurierfirmen in Berlin (noch) belächelt. Diese
existieren zum Teil seit 20 Jahren und verfügen demzufolge über wesentlich
mehr KundInnen.
Die Ideen des Kollektivs, wie zum Beispiel gute Arbeitsbedingen zu
schaffen, einen fixen Stundenlohn zu erhalten und Frauen zu motivieren,
sich als Kurierin auszuprobieren, lässt sich nur mit vielen kleinen
Schritten verwirklichen. Ein großes Ziel bleibt es, auch bei wachsendem
Erfolg »kollektiv« zu bleiben.
Mehr Infos unter:
www.fahrwerk-berlin.de
Katja Grabert
Netzwerk Selbsthilfe e.V., Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
www.netzwerk-selbsthilfe.de
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