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Ariane Dettloff <contraste ät online.de>12. Dec 2011 14:01

Frauenfrühlingsuniversität Klagenfurt

Aus CONTRASTE Nr. 310/311 (Sommer 2010, Seite 4)

FRAUENFRÜHLINGSUNIVERSITÄT IN KLAGENFURT/CELOVEC

Voneinander und miteinander lernen

»Ziel der FFU (FrauenFrühlingsUni) ist es, einen Raum für Frauen und
Transfrauen jeden Alters und jeder Herkunft zu schaffen. Wir wollen Wissen
teilen, Diskriminierungen entdecken, Bilder und Normen nicht als gegeben
hinnehmen, sondern hinterfragen. Wir wollen einen gemeinschaftlichen
autonomen Frauenraum schaffen für Bildung, Vernetzung, Empowerment von
Frauen und Frauenanliegen«, lockte das Programm der »FFU« an der Alpen
Adria Universität in Klagenfurt. An die 80 Frauen waren gekommen, um diese
Vorgaben mit Leben zu erfüllen.

Von Ariane Dettloff, Redaktion Köln # Das ist glänzend gelungen. Mit
gelegentlich nötiger Improvisationsfreude und gegenseitiger Unterstützung,
mit leckeren Snacks und lockerer Stimmung ging die dreitägige kostenfreie
Veranstaltung vom 21. bis 23. Mai zu (fast) allseitiger Zufriedenheit über
die Bühne.

Sieben Monate lang hatten zehn Orga-Frauen gewirbelt, um die vierte
österreichische Frauenfrühlingsuniversität auf die Beine zu stellen –
unabhängig von Parteien, Religionen und sonstigen Verbänden. Kurzfristig
war die Zusage aus Innsbruck, das pfingstliche selbstorganisierte
Frauentreffen zu gestalten, weggebrochen. Trotz heftiger Zeitnot und
ungewisser Finanzierung ist es dem Klagenfurter Team gelungen, ein
vielfältiges und anregendes Programm zu gestalten. Es reichte von
körperzentrierten workshops wie »Authentic Dance« und Qigong bis zu
historischen (»Frauen in der europäischen Wissenschaftsgeschichte",
»Studentinnenbewegung in Lateinamerika«) und aktuell-politischen
Fragestellungen (»Kleidergröße und Welthunger«, »Feminismus und Backlash in
Ungarn«).

40 Referentinnen hatten sich auf den elektronischen »call for workshops«
hin gemeldet. Gekommen sind dann 27 Referentinnen und 3 Künstlerinnen, die
ihre Videoarbeiten präsentierten. Am Literaturwettbewerb
»Frauen-Wege-Utopien« beteiligten sich 11 AutorInnen. Drei von ihnen
erhielten nach der öffentlichen Lesung ihrer Texte die FFU-Preise: Irmgard
Kopp (»Wohin der Weg?«), Marion Gruber (»Ein Traum«) und Mirëlinda Shala
(»Der Sonne entgegen«).

Die Podiumsdiskussion zum Thema »Wer schön sein will, muss leiden?!« löste
einige Kontroversen aus. Während Paula-Irene Villa, Soziologie-Professorin
aus München, nicht ausschließen wollte, dass die Anwendung kosmetischer
Chirurgie als Ausdruck weiblicher Autonomie gewertet werden könne,
bestritten verschiedene Teilnehmende diese Annahme entschieden, auch wenn
Klientinnen in Fernseh-reality-shows wie »The Swan« sich ausdrücklich in
diesem Sinn äußern. Das Bedauern der Kärntner Frauen- und
Gleichbehandlungs- Beauftragten Helga Grafschafter, dass man solche
Sendungen nicht verbieten könne, wurde von Prof. Villa zurückgewiesen:
Verbote seien keine Lösung.

Kontrovers wurde auch diesmal wieder, wie bei ähnlichen Veranstaltungen
häufig, die Frage der Teilnahme von Männern an der FFU diskutiert.
Eindeutig dagegen sprachen sich vor allem, aber nicht nur, ältere
Feministinnen aus, während manche jüngere Frauen den Ausschluss männlicher
Teilnehmer als diskriminierend und somit unfeministisch brandmarkten.
Resultat: Die workshop-Teilnehmerinnen sollten entscheiden. Das hat dann zu
zwei Ausschlüssen geführt. Mehr Männer hatten sich nicht eingefunden –
abgesehen von der abendlichen Podiumsdiskussion, die von vornherein
geschlechterneutral konzipiert war.

Eine abschließende Reflexionsrunde erbrachte ganz überwiegend
Zufriedenheit mit den gebotenen Erkenntnis- und Erfahrungschancen und
Freude über neue Kontakte. Bedauert wurde zum Teil eine »Unterbelichtung «
politischer, insbesondere frauenpolitischer Perspektiven. Auf jeden Fall
hoffen alle auf eine Weiterführung der autonomen Institution
Frauen-FrühlingsUni. Eine Lücke, wie zwischen 1990 und 2007 schon einmal,
wäre kein mutmachendes Signal – gilt es doch, dieses Projekt des
Austausches, der Geschichte und Geschichten, der Bildung und Emanzipation,
das Frauen generationsübergreifend ohne Herkunfts- Barrieren
zusammenbringt, mindestens so lange zu erhalten und möglichst auszuweiten,
wie Benachteiligungen aufgrund Geschlechterkonstrukten weltweit nicht
überwunden sind.


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