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Bernd Hüttner <contraste ät online.de>1. Dec 2011 16:41

Buchbesprechung: Frauen auf dem Land

Aus CONTRASTE Nr. 317 (Februar 2011, Seite 14)

Frauen auf dem Land

Annegret Braun berichtet in ihrem Buch über das Leben von Frauen auf dem
Land in den letzten 100 bis 150 Jahren. Sie erzählt am Beispiel einzelner
Biographien von Leben und Arbeit zwischen Feldarbeit und Melkschemel; aber
auch von den beruflichen Perspektiven, den ersten Biobäuerinnen, der
ländlichen Heiratspraxis, von selbstbewussten, modern und innovativ
denkenden Bäuerinnen oder dem ländlichen Rundfunk, der von Frauen für
Frauen produziert wurde.

Die Sehnsucht nach ländlicher Idylle ist derzeit nahezu allgegenwärtig;
Landleben ist zum Trendthema geworden, das etwa in Zeitschriften wie der
Ende 2005 gegründeten und enorm erfolgreichen Landlust (»die schönsten
Seiten des Landlebens«) und ihren Imitaten affirmativ und verklärend
behandelt wird. Brauns
Buch kann sich diesem Trend und dieser Sichtweise nicht ganz verschließen,
auch wenn zu merken ist, dass dieses Buch von einer Wissenschaftlerin
geschrieben
wurde, die aufzeigen will, wie sich das Landleben verändert hat.

Sicher ist es positiv, darüber zu schreiben, dass Landfrauen schon rund um
die Uhr auf dem Feld, im Stall oder im Haus arbeiteten, als das Wort
»Multitasking« noch nicht erfunden war, aber das bringt die enorme
körperliche und psychische Belastung, die Schinderei der bäuerlichen
Arbeit, zum Verschwinden. Sicher waren es häufig die Frauen, die die
Technik auf dem Hof einführten, wie Braun es ein paar Mal im Kapitel über
die Veränderungen der Arbeitswelt beschreibt, oder die sich in der
ökologischen Landwirtschaft auskennen, die Initiative ergreifen oder, wie
Margarete von Wrangell agrarwissenschaftliche Forschungen betreiben. Dies
blendet aber aus, dass bis vor kurzer Zeit die allermeisten Landfrauen und
Bäuerinnen in einem von männlicher Dominaz geprägten patriachalischen
Umfeld agieren mussten – und es da wahrlich nicht leicht hatten.

»Frauen auf dem Land« bringt aus einer agrarkulturellen Perspektive
betrachtet wenig neues, aber es erzählt von Frauen, die sich im ländlichen
Milieu behauptet
haben und immer noch behaupten. Das Buch ist mit 150 Abbildungen
reichhaltig illustriert und sehr angenehm zu lesen. Die 1962 geborene
Annegret Braun wuchs als Bauerntochter auf. Sie machte eine Ausbildung zur
Krankenschwester und studierte später Volkskunde / Europäische Ethnologie.
Sie schrieb ihre Doktorarbeit über den Frauenfunk des Bayerischen Rundfunks
1945-1968.

Bernd Hüttner

Annegret Braun: Frauen auf dem Land. Eigenständige Landwirtinnen, stolze
Sennerinnen, freiheitssuchende Sommerfrischlerinnen und viele andere;
Elisabeth Sandmann Verlag, München 2010, 160 Seiten, 24,95 EUR


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