BBC-Sendung ist "inszeniert, falsch, fabriziert und verdreht"
SURVIVAL INTERNATIONAL PRESSEMITTEILUNG
2. August 2011
_BBC-Sendung ist "inszeniert, falsch, fabriziert und verdreht"_
Eine TV-Serie über ein indigenes Volk im Amazonasgebiet wurde jetzt von
Experten als "inszeniert, falsch, fabriziert und verdreht" attackiert.
Links:
1.
http://www.survivalinternational.de/nachrichten/7551
_Mark & Olly: Living with the Machigenga_ wurde letztes Jahr von der BBC und
auf dem Reisekanal _Travel Channel_ in den USA ausgestrahlt. Für die Sendung
lebten Mark Anstice und Olly Steeds für einige Monate in einem Dorf der
Matsigenka-Indianer, um das "echte" Leben innerhalb des Volkes zu zeigen.
Nun haben zwei Matsigenka-Experten öffentlich schwere Anschuldigungen gegen
die Sendung erhoben: Der Anthropologe Dr. Glenn Shepard, der seit 25 Jahren
mit den Matsigenka-Indianern arbeitet und ihre Sprache fließend spricht,
sowie Ron Snell, Sohn von Missionaren, der mit dem indigenen Volk
aufgewachsen ist und auch seine Sprache beherrscht.
Die im renommierten [2]Journal Anthropology News veröffentlichten
Anschuldigungen Shepards beinhalten unter anderem:
Links:
2.
http://assets.survivalinternational.org/documents/619/shepard-2011-an-mark-ollyfollies.pdf
# Um ein "falsches und beleidigendes" Porträt zu erstellen, welches das Volk
als sexbesessen, gemein und primitiv darstellt, wurden viele Übersetzungen
der Aussagen der Matsigenka erfunden.
# Viele Geschehnisse, welche in der Sendung als echt dargestellt wurden
müssen "inszeniert" gewesen sein.
# Eine Schlüsselszene der Sendung, in der Olly Steeds die "uralte
Bestrafung" von schmerzhaften Ameisenstichen aushalten muss, um "nach der
Matsigenka-Tradition gereinigt zu werden" weil er Rehfleisch gekauft hatte,
verurteilt Shepard als "fabriziert und ohne Grundlage in der Ethnografie des
Volkes".
Links:
3.
http://www.survivalinternational.de/nachrichten/7551
Ron Snell beschuldigt die Filmemacher [4]auf seinem Blog, die "Machiguengas
bezahlt zu haben, um zu schauspielern, um Dinge zu sagen, die die
Machiguengas normalerweise niemals sagen würden, und um Dinge zu machen,
welche die Machiguengas normalerweise nicht tun würden."
Links:
4.
http://assets.survivalinternational.org/documents/620/ron-snell-markandollie.pdf
Nachdem er zwei der Indianer, die in der Sendung vorkommen, interviewt
hatte, berichtetet Snell: "Unsere Vermutungen wurden bestätigt. Sie [Mark
und Olly] gelangten auf einem gut zugänglichen Weg in das Dorf und gingen
nur ein paar Schritte vom Weg ab, um sich dabei zu filmen, wie sie sich "den
Weg durch den Dschungel schlagen". Sie verpflichteten jemanden neue cushmas
[Baumwolltunikas] herzustellen, so dass jeder eine davon tragen konnte. Sie
inszenierten die ganze Geschichte, in der einer von den beiden akzeptiert
wurde und der andere als fauler Außenseiter behandelt wurde...
Links:
5.
http://www.survivalinternational.de/nachrichten/7551
"Der Übersetzer war schnell desillusioniert von der ganzen Sache, aber
machte des Geldes wegen weiter. Er ist beschämt und peinlich berührt, dass
er überhaupt etwas damit zu tun hatte."
Schon einmal war die Serie [6]in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine
Erkundungsexpedition der Sendung in Peru beschuldigt wurde, für den Ausbruch
einer Grippewelle innerhalb einer Gruppe [7]isoliert lebender Indianer
verantwortlich zu sein, die zum Tod von vier Personen führte. Die Sendung
wurde in der Nähe dieses Vorfalls gedreht.
Links:
6.
http://www.survivalinternational.de/news/3166
7.
http://www.survivalinternational.de/indigene/unkontaktierteperu
Cicada, die Produktionsfirma der Sendung hat bisher zu keinem der
Kritikpunkte Stellung genommen.
Stephen Corry, Direktor von [8]Survival International, sagte: ''_Mark &
Olly: Living with the Machigenga_ ist ein deprimierendes Beispiel dafür, wie
indigene Völker immer wieder im Fernsehen dargestellt werden. Ein Klischee
folgt dem nächsten, indem die Matsigenka auf verschiedenartige Weise als
gefühllos, pervers, grausam und primitiv dargestellt werden. Ist es das, was
das Filmteam wirklich über seine Gastgeber dachte? Medien würden sich
niemals wagen, ähnlich falsche Behauptungen über andere Minderheiten zu
machen: Stellen Sie sich vor, dieselben Beschreibungen würden über eine
ethnische Minderheit in der industrialisierten Welt gemacht. Traurigerweise
ist das aber nur zu typisch- das Fernsehen kommt heutzutage mit
Darstellungen davon, die vor hundert Jahren hätten gemacht werden können.'
Links:
8.
http://www.survivalinternational.de
Als Antwort auf diesen beunruhigenden Trend indigene Völker in einer
negativen Weise darzustellen, entwirft Survival einen Leitfaden für
Dokumentarfilmer, den sie bei ihrer Arbeit befolgen sollten.
Hintergrundinformationen mit weiteren Beispielen von Fehlübersetzungen und
Ungenauigkeiten stehen [9]hier zum Herunterladen bereit.
Links:
9.
http://assets.survivalinternational.org/documents/621/markandollybackground.pdf
Lesen Sie diese Meldung online:
http://www.survivalinternational.de/nachrichten/7551
_Hinweise an die Redaktion:_
1. Der Name des indigenen Volkes wird heutzutage Matsigenka geschrieben.
Früher war Machiguenga gebräuchlich. Die Bezeichnung Machigenga, so wie sie
in der TV- Sendung Mark & Olly genutzt wird, ist inkorrekt.
2. Dr. Glenn Shepard ist Ethnobotaniker und medizinischer Anthropologe,
spezialisiert auf die indigenen Völkern des Amazonasgebiets. Er hat mehr als
50 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht und ist derzeitig Forscher im
Bereich der indigenen Ethnologie am Museum Paraense Emilio Goeldi in Belém,
Brasilien.
3. Ron Snell wuchs mit den Matsigenka auf, während seine Eltern als
Missionare arbeiteten. Er hat mehrere Büchern über seine Kindheit
geschrieben und besucht das Gebiet regelmäßig. Momentan ist er Leiter eines
Obdachlosenheims in Nebraska, USA. Seine Mutter, die ebenfalls die TV-
Sendung gesehen hat und seine Beschuldigungen unterstützt, ist Autorin eines
900-seitigen Matsigenka-Wörterbuchs.
4. Eine längere Version von Dr. Shepards' Artikel ist in seinem Blog zu
lesen: [11]ethnoground.blogspot.com
_________________________________________________________________
Links:
11.
http://ethnoground.blogspot.com
_Für mehr Informationen und Bildmaterial, oder für die Verwendung des
angehängten Bildes, kontaktieren Sie bitte: _
Linda Poppe
_Tel.: _(+49) (0)30 72 29 31 08
_E-Mail: _[12]presse ät survivalinternational.de
Links:
12. mailto:presse ät survivalinternational.de
Survival Deutschland
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Str. 4
10405 Berlin
oder Alice Bayer (in London):
_Tel.: _(+44) (0) 20 7687 8710
_E-Mail: _[13]presse ät survivalinternational.de
Links:
13. mailto:presse ät survivalinternational.de
Survival International ist eine weltweit aktive
Nicht-Regierungsorganisation, die sich für die Rechte von indigenen Völkern
einsetzt.