25.500 auf Beinen gegen Castor / "Wir geben nicht auf, bis Gorleben gestoppt ist"
.ausgestrahlt - Gemeinsam gegen Atomenergie
Pressemitteilung
Dannenberg, 26. November 2011
* "Wir geben nicht auf, bis Gorleben gestoppt ist"
* 23.000 fordern äGorleben soll lebenô bei Demo in Dannenberg
* Endlager-Lügen der Regierung provozieren stärkste Castor-Proteste
seit langem
Zahlen: 23.000 bei Großkundgebung, 2.500 an den Schienen im Wendland,
zusammen 25.500
Auf der Kundgebung ist Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation,
einer der Redner. Das Redemanuskript finden Sie im Anhang.
Zur heutigen Großdemonstration "Gorleben soll leben" mit 23.000
Teilnehmern in Dannenberg erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-
Organisation .ausgestrahlt:
"Wieder einmal hat sich die Anti-Atom-Bewegung stärker gezeigt als
erwartet. Das Aus für acht AKW im Sommer hat den Konflikt um die
Atomkraft und den Umgang mit dem Atommüll noch lange nicht beendet - auch
wenn manche Politiker das gehofft haben mögen. 23.000 Menschen haben in
Dannenberg deutlich gemacht: Wir lassen uns nicht mit Lügengeschichten
über einen angeblichen "Neustart" bei der Endlagersuche abspeisen.
73 Millionen Euro hat die Bundesregierung für den weiteren Ausbau des
maroden Salzstocks in Gorleben zum Endlager eingeplant, nur 3 Millionen
Euro dagegen für die Suche nach Alternativen zu Gorleben. Von einer
'weißen Landkarte' bei der Endlagersuche kann also keine Rede sein. Der
Salzstock Gorleben ist völlig ungeeignet zur Lagerung von Atommüll. Das
ist seit Jahrzehnten klar. Wir werden nicht lockerlassen, bis dieses
Katastrophenprojekt endgültig gestoppt wird.
Schon heute ist klar: Der Protest gegen den Castor und die weitere
Atommüllproduktion ist so stark wie schon lange nicht mehr. ##.###
Demonstrierende - das hat es, vom Ausnahmejahr 2010 einmal abgesehen,
noch bei keiner Castor-Auftaktdemonstration gegeben. Und Tausende
Atomkraftgegner werden sich in den kommenden Tagen dem Castor-Transport
gezielt in den Weg setzen.
(Zum Vergleich hier die Teilnehmer-Zahlen der Auftaktkundgebungen der
vergangenen Castor-Transporte nach Gorleben: 2008: 15.000; 2006: 3.000;
2005: 7.000; 2004: 5.500; 2003: 6.000; 2002: 5.000; Nov. 2001: 5.000;
Zahlen: dpa.)
Die Anti-Atom-Bewegung hat im vergangenen Jahr gesehen, welche Erfolge
sich mit massiven Protesten erreichen lassen. Und wir sind trotz des
zurückliegenden Protestmarathons noch lange nicht außer Puste. Das
sollten sich insbesondere all diejenigen merken, die weiter darauf
setzen, den maroden Salzstock in Gorleben zum Endlager zu machen.ô
.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die
AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen
Protest zu machen. .ausgestrahlt gehört zum Trägerkreis für die
Großdemonstration "Gorleben soll leben" am 26.11. in Dannenberg.
http://www.ausgestrahlt.de
Rückfragen an
Jochen Stay, Tel.: 0170-9358759, vor Ort in Dannenberg
Während der Kundgebung am Pressezelt rechts neben der Bühne.
Auf der Kundgebung ist Jochen Stay einer der Redner.
Das Redemanuskript finden Sie im Anhang.
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Rede Jochen Stay (.ausgestrahlt) auf Großkundgebung in Dannenberg am 26.
November 2011 Jochen Stay ist einer der Redner auf der Großkundgebung
"Gorleben soll leben" heute in Dannenberg. Untenstehend finden Sie das
Manuskript seiner Rede. Es gilt das gesprochene Wort. Für O-Töne ist
Jochen Stay im Pressezelt rechts neben der Bühne zu finden. Sie erreichen
ihn unter Telefon 0170-9358759. .ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-
Atom-Organisation, die AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer
Haltung öffentlichen Protest zu machen. .ausgestrahlt gehört zum
Trägerkreis für die Großdemonstration "Gorleben soll leben" am 26.11. in
Dannenberg.
http://www.ausgestrahlt.de
Redetext Jochen Stay - Es gilt das gesprochene Wort.
Liebe Freundinnen und Freunde,
Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat
sich dieser Tage zum Konflikt um die Atomkraft und die Atommüll-
Entsorgung geäußert. Er sagte: "Protest macht jetzt eigentlich keinen
Sinn mehr." Denn jetzt sei der Ausstieg ja da.
Lieber Winfried Kretschmann. Genau das haben wir schon einmal gehört, vor
zehn Jahren, von Jürgen Trittin. Und wir wissen, wie es damals
ausgegangen ist: Viele sind im guten Glauben an den Ausstieg nicht mehr
demonstrieren gegangen. Und so wurde der gesellschaftliche Raum
freigegeben für die Laufzeitverlängerungs-Pläne der Atomkonzerne.
Lieber Winfried Kretschmann. Es ist der grünen Partei unbenommen, den
gleichen Fehler zweimal zu machen. Aber verlang doch bitte nicht von uns,
dass wir genauso bescheuert sind.
Liebe Leute, stellt Euch vor, ihr wärt Marathonläufer und kommt bei einem
Rennen zu dem Schild auf dem steht "Noch zehn Kilometer bis zum Ziel".
Dann würde doch auch keiner zu Euch sagen: "Super Du hast es geschafft,
ruh dich aus." Nein, jeder würde Euch anfeuern, damit Ihr nochmal alle
Eure Kräfte zusammennehmt, um das Ziel möglichst schnell zu erreichen.
Wir wollen unsere Ziele wirklich erreichen. Genau, deshalb sind wir heute
hier.
Es gibt noch einen zweiten Politiker, der uns in diesen Tagen ungefragt
Ratschläge erteilen will: Norbert Röttgen. Er sagt, mit der neuen
Standortsuche sei das erreicht worden, was viele Gorleben-Kritiker
jahrelang gefordert haben und er verstehe nicht, warum jetzt weiter
demonstriert werde, als sei nichts geschehen.
Norbert Röttgen kann zwei Dinge besonders gut - und in ihrer Kombination
sind sie brandgefährlich: Er kann salbungsvoll säuseln wie kein zweiter
Politiker. Und er lügt wie gedruckt.
Neue Standortsuche. Zurück auf null. Weiße Landkarte. Wir haben es alle
gehört. Aber dann wollte ich es genau wissen und habe in den
Bundeshaushalt für 2012 geschaut. Da steht im Etat des Röttgen-
Ministeriums: Für den weiteren Ausbau des Salzstocks in Gorleben sollen
im nächsten Jahr 73 Millionen Euro ausgegeben werden. Und für die Suche
nach Alternativen zu Gorleben drei Millionen.
In der CDU trägt Röttgen inzwischen den geheimen Kampfnamen Pinoccio. Nur
das mit der Nase muss er noch üben.
Der Minister setzt genau das fort, was die Menschen hier seit bald 35
Jahren kennen: Wir sollen mal wieder ausgetrickst werden, über den Tisch
gezogen. Aber nein, Herr Röttgen, nicht mit uns. Da haben sich hier schon
ganz andere die Zähne ausgebissen. Wir geben nicht auf, bis dieser völlig
ungeeignete Salzstock Gorleben endlich von Ihrer Landkarte verschwindet.
Viele Kommentatoren dachten, dass es nach der Stilllegung von acht AKW in
diesem Sommer vorbei sei, mit dem Anti-Atom-Protest. Aber wir haben etwas
gelernt in diesem Frühjahr: Wenn wir beharrlich und massenhaft für unsere
Ziele eintreten, dann können wir sehr erfolgreich sein.
Und warum sollten wir damit aufhören, jetzt, da wir wissen, wie es geht?
Deshalb lasst es Euch gesagt sein, ihr Brokdorf- und Grohnde-Betreiber,
ihr Uran-Anreicherer in Gronau, ihr Exportförderer für deutsche
Atomtechnik. Lasst es Euch gesagt sein, Ihr Asse- und Gorleben-
Gesundbeter: Ihr werdet uns jetzt nicht mehr los, bis dieser ganze
Wahnsinn ein Ende hat.
Und zuletzt ein Wort an all jene, die jetzt schon wieder vom Krieg um den
Castor faseln, an all jene, die sich über einzelne geworfene Steine
deshalb freuen, weil sich damit Polizeigewalt so schön rechtfertigen
lässt, an all jene, die verbal Öl ins Feuer gießen und uns dann zur
Besonnenheit und Gesetzestreue mahnen:
Die Wut und Empörung, die angesichts von 35 Jahren Lug und Trug um
Gorleben angemessen wäre, ist unvorstellbar. Wenn wir die Steine, die uns
im Magen liegen, auch werfen würden, dann wäre hier wirklich Krieg um den
Castor. Deshalb ist es einzig und allein der Verdienst der Menschen in
dieser Region und ihrer Freundinnen und Freunde aus der ganzen Republik,
dass das hier weitgehend zivilisiert, weitgehend gewaltfrei und mit
unendlicher Lebendigkeit vonstatten geht.
Wir gehen Euch nicht auf den Leim. Wir lassen uns nicht provozieren. Aber
Ihr werdet uns vom Demonstrieren auf der Transportstrecke nicht abhalten
können.
Wir werden da sein, wir werden viele sein - und unsere Ausdauer ist
gigantisch. Zieht Euch warm an!