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Auswahl: [Gewerkschaften]
Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>7. Mar 2011 22:56

Solidaritaet mit dem Streik der GDL


Solidarität mit dem Streik der GDL

07.03.11

von SoKo

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) tritt in den Streik. Die Urabstimmung unter den Mitgliedern ergab eine überwältigende und solidarische Mehrheit für den Ausstand. Entsprechend deutliche Kampfmaßnahmen werden für die nächsten Tage erwartet.

Mit ihre Forderung vor allem nach einem einheitlichen Rahmentarifvertrag wurde die GDL seitens der Bahnunternehmen über ein halbes Jahr hingehalten. Die Bahn-AG fürchtet nämlich einen Profitverlust, wenn u.a. die Beschäftigten von ausgelagerten Unternehmen plötzlich nach dem gleichen, für sie günstigeren Tarif bezahlt werden müßten wie jene der Bahn AG. Die Profitmargen stünden in Gefahr, weil sich der Auslagerungswahnsinn der Damen und Herren Manager schlicht nicht mehr rechnen könnte und sie den AktionärInnen dann eine nurmehr bescheidenere Gewinnausschüttung ankündigen müssten.

Wenn man sich vor Augen führt, daß von den knapp 36 Millionen Beschäftigten in der Bundesrepublik nur noch zwei Drittel Vollzeitbeschäftigte und nur knapp zwei Drittel der Arbeitsverhältnisse tarifvertraglich gesichert sind, so sind die Ziele der GDLer wahrlich ein dringend notwendiger Beitrag, um dem allgemeinen Lohndumping in diesem Land etwas entgegen zusetzen.

Die Kampfmaßnahmen der GDL verweisen noch auf ein weiteren wichtigen Aspekt: Von der gewerkschaftlichen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat sich die Gewerkschaftsführung der IG-Metall in Abstimmung mit anderen überwiegend sozialdemokratischen Funktionären der DGB-Gewerkschaften mit dem Kapitalistenverband BDA darauf geeinigt, daß man partnerschaftlich den kleineren Gewerkschaften das Tarif- und damit das Streikrecht gesetzlich nehmen will.

Dieser ungeheure Vorgang, würde er Erfolg haben, wäre ein weiterer Schritt weg von selbstbewußten, kämpferischen Gewerkschaften - hin zu angepaßten Verbänden, die vor allem die Arbeiterklasse nicht braucht. Eindeutig wollen sich die Sozialdemokraten hier nach all dem Sozialraub mit Hartz IV, der Rente mit 67, der ruinösen Gesundheitsreform wohl jetzt für neue Regierungsverantwortung der vermeintlichen Nach-Merkel-Zeit andienen.

Kein Wunder also, daß die Kungeleien und Mauscheleien, das gesamte Szenario unternehmerfreundlicher Aktivität von Gewerkschaftsführungen wie jener von der EVG (früher Transnet) zu Austrittswellen, ja sogar zur Spaltung von Gewerkschaften führte und führt.

Die Ziele der GDL sind ohne Abstriche unterstützenswert. Andere aus dem DGB sollten sich ein Beispiel daran und an der konsequenten Vorgehensweise nehmen, mit der die LokführerInnen vor etwa drei Jahren diese Ziele auch erreichen konnten.

Die antikapitalistische Linke in der Bundesrepublik, ob innerbetrieblich oder außerbetrieblich aktiv - ob mit oder ohne Lohntüte, tut gut daran, den GDL Streik politisch und ganz praktisch zu unterstützen. Man kann Unterstützungskomitees gründen, an den Bahnhöfen präsent sein und überhaupt den öffentlichen Raum durch vielfältige Formen der Solidarität besetzen.

Jede/r kann schon jetzt nachvollziehen, daß dieser Kampf eine Signalwirkung haben kann: Es lohnt sich, auch unter kritischen Bedingungen energisch und klug zu kämpfen! Und wider alle Resignationstendenzen in der Gewerkschaftsbewegung, wider allen Pessimismus kann ein solcher Streik gesellschaftlich und politisch mobilisierend wirken.

SoKo-Arbeitsausschuss, 07.03.2011


Quelle: scharf-links, 7.3.11
http://www.scharf-links.de/184.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=15000&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=9a5fda2de3

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