CL Startseite
Termine
Über uns
Das /CL-Netz
KuNM e.V.
Uns unterstützen
Impressum
Teilnehmen
Anmelden
Schreiben
Angenehmer lesen
RSS
Kontakt
/CL bei G+
Links
/CL-Netz Online-Medien Radio Fernsehen Zeitungen & Zeitschriften Wissen Mehr Links
Auswahl: [BUND e.V.]
Sabine Ellersick <S.ELLERSICK ät NADESHDA.org>7. Dec 2011 21:14

Nicht nur in Freiburg: alte Bausuenden, Abriss + Verschwendung


*BUND Regionalverband, Wilhelmstr. 24a, 79098 Freiburg*

*Bund für Umwelt und Naturschutz*

*0761/30383, bund.freiburg ät bund.net , www.bund-freiburg.de*

*An die Medien
*

Sehr geehrte Damen und Herren,
das von uns dargestellte Beispiel der Universitätsbibliothek Freiburg
die nach drei Jahrzehnten abgerissen werden muss, steht stellvertretend
für viele andere marode "Neubauten" im ganzen Land. Wenn die Sünden der
Vergangenheit nicht aufgearbeitet werden, dann werden aus den Fehlern
keine Lehren gezogen.
-------------------------------------------------------------------------


Universitätsbibliothek Freiburg: Abriss nach nur drei Jahrzehnten

http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/universitaetsbibliothek-freiburg.html



*Universitätsbibliothek und Kollegiengebäude I in Freiburg*


Im Jahr 1978 errichtete das Land Baden-Württemberg gegenüber dem fast
hundert Jahre alten Kollegiengebäude I nach Plänen des
Universitätsbauamts am Rotteckring ein neues Gebäude für die
Universitätsbibliothek. "Hauptsächlich wegen altersbedingt abgängiger
Technik (Klimaanlage) und der Notwendigkeit, Schäden an der Fassade zu
beheben muss das Bibliotheksgebäude _saniert_ werden." steht
beschönigend bei Wikipedia und fast genau so beschönigend ist die
Diskussion in der "Green City" Freiburg.
Realität ist, dass im Jahr 2011, 33 Jahre nach dem Neubau, das Gebäude
fast vollständig abgerissen werden muss, während das gegenüber stehende
Kollegiengebäude I aus dem Jahr 1913 vermutlich noch mal hundert Jahre
älter werden kann, wenn es einigermaßen gepflegt wird.

Es kann nicht darum gehen, heute so zu bauen wir vor 100 Jahren. Aber
1978 in einer Zeit, in der ständig alles Neue als technischer
Fortschritt gepriesen wurde, hätte es doch möglich sein müssen, neue
Gebäude langlebig, dauerhaft und schön zu bauen.
Der vermutlich unumgängliche Abriss der wenige Jahrzehnte jungen
Unibibliothek in Freiburg ist ein Beispiel für nicht nachhaltiges,
verschwenderisches öffentliches Bauen in den siebziger Jahren des
letzten Jahrhunderts. 44 Millionen Euro soll jetzt das Um- und
Neubauprojekt kosten.

Die Großbaustelle der maroden Freiburger Universitätsbibliothek zeigt,
wie schnell und wie teuer viele Bauwerke erneuert werden müssen.
Bauwerke, die vor wenigen Jahrzehnten noch als "supermodern" galten, bei
deren Errichtung aber Nachhaltigkeit und Langlebigkeit offensichtlich
kein Thema waren.

Heute sind mehr als die Hälfte der Freiburger Brücken, Mauern und Tunnel
so marode, dass sie dringend saniert werden müssen. Doch dafür fehlt das
Geld. Um den weiteren Verfall zu verhindern, müssten jährlich sechs
Millionen Euro investiert werden. Bislang sind pro Jahr jedoch nur 1,3
Millionen vorgesehen.

_Und relativ neue, mittlerweile sanierungsbedürftige Straßen,
Flachdächer, Schulen, Brücken und andere öffentliche Gebäude gibt es im
ganzen Land. Es gibt zu diesem Thema und zu dieser unglaublichen
Milliardenverschwendung, die die öffentlichen Haushalte schwer belastet,
allerdings keine politische Debatte,_ nicht einmal in der "Green City".

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland steht für
Nachhaltigkeit, das heißt, nachfolgende Generationen sollen nicht mit
den Langzeitwirkungen des heutigen Raubbaus belastet werden.

Aspekte der Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und der Folgekosten haben bei
vielen öffentlichen Bauten der Vergangenheit keine große Rolle gespielt
und weil es keine Debatte dazu gibt ist dies auch heute noch so. Die
deutsche Staatsverschuldung liegt bei über 2.060.000.000.000 Euro und
das hat auch mit dieser unhinterfragten verschwenderischen Art des
Bauens in der Vergangenheit und der Gegenwart zu tun. Wenn die Sünden
der Vergangenheit nicht aufgearbeitet werden, dann werden aus den
Fehlern keine Lehren gezogen.

Immer noch wird bei öffentlichen Planungen und Bauten hauptsächlich auf
die aktuellen Baukosten und viel zu wenig auf die künftig anfallenden
Reparaturen geachtet. Wenn an der B3, zwischen den Gemeinden Wasser und
Denzlingen, auf 3,3 Kilometern Bundesstraße sechs teilweise unnötige
Brücken und Unterführungen gebaut wurden, wenn in Sachen Stuttgart 21
ein funktionsfähiger Bahnhof abgerissen wird, dann sind solche Planungen
demokratisch legitimiert aber nicht zukunftsfähig. Bei allen (nicht nur
staatlichen Bauten) müssen diese Aspekte in die Planungen mit einfließen
und die Forschung über die Langzeitfolgen der unbedingt notwendigen
Gebäudeisolierung sollte dringend verstärkt werden.

Wir erleben nicht nur am Oberrhein und in Freiburg, wie das Land mit
einer teuren Infrastruktur, mit Beton und Asphalt überzogen wird, wie
der Flächenverbrauch anhält und Natur verschwindet, während gleichzeitig
Städte, Land und Bund nicht in der Lage sind, die bestehende
Infrastruktur zu unterhalten.

Wenn Stadt, Staat und Bahn kein Geld, sondern einen Schuldenberg haben,
dann muss erst einmal (wenn möglich) die vorhandene Infrastruktur
unterhalten und nicht Unnötiges neu gebaut werden. Neue Gebäude sollten
funktional, schön, energiesparend, ressourcenschonend und
dauerhaft-langlebig gebaut werden. Über "das Schön" darf dann gerne
öffentlich gestritten werden, über das "Funktional, Langlebig,
Energiesparend und Dauerhaft" nicht.

/Axel Mayer, Geschäftsführer/


*Nachtrag:*
Wir wissen, dass die damaligen Politiker und Bürgermeister nicht mehr an
der Macht, aber immer noch mächtig sind, dass Architekten und
schönschreibende Journalisten von damals noch leben. Dennoch wollen wir
die Debatte heute führen und nicht noch einmal 30 Jahre warten.
Kommentare
Bisher keine Antworten oder Kommentare.
Auswahl: [BUND e.V.]